AUS DEN UNTERNEHMEN
UP2BOAT Hafenmanagement auf dem „Bierdeckel“ Das Software-Unternehmen vernetzt Yachthafen-Betreiber und Bootsführer.
W er mit seinem Boot in einen Yachthafen fährt, kennt es: Chaos bei der Liegeplatzvergabe, Schwierig- keiten bei der Nutzung der sani- tären Anlagen, wenn außerhalb der üblichen Geschäftszeiten kein Personal mehr im Hafen ist. Zwei, die diesen Problemen den Kampf angesagt haben, sind Andreas (57) und Sandra Haberer (56), Geschäftsführer der Brühler Up2Boat GmbH. Die Idee zu ihrem Unter- nehmen entstand aus einem persönlichen Erlebnis mit ihrem eigenen Boot im Hafen eines Yachtclubs: „Ich kam von einer Bootstour zurück an meinen Liegeplatz und da lag ein anderes Boot. Beim Nach- fragen stellte sich heraus: Der Hafenmeister hatte versehent- lich doppelt vergeben und alles nur auf einem verschmierten Zettel notiert“, erinnert sich Andreas Haberer, der seit Mitte der 1990er Jahre als selbststän- diger Unternehmensberater in der IT-Branche arbeitet. Für Andreas Haberer und seine Frau, beide Motorbootfahrer und Segler, war schnell klar: „Da muss eine cloudbasierte, integrierte Lösung her, die jedem Hafenmitarbeiter Zu- griff auf die gleichen, zentralen Daten ermöglicht“, erklärt An- dreas Haberer. Mit dem Know- how aus vielen IT-Projekten gründeten die Haberers im Jahr 2021 Up2Boat. Das Be- sondere in ihrer Software: Die sogenannte „Bierdeckel-Funk- tion“, wie Andreas Haberer be-
tont: Jeder kennt das Prinzip aus der Kneipe, am Ende wird abgerechnet, was auf dem Bierdeckel steht. In unserem System werden alle Leistun- gen, die ein Bootsgast nutzt, vom Liegeplatz, über Strom, Dusche, Waschmaschine, ge- sammelt. Beim Auschecken wird automatisch abgerechnet. Kein Bargeld, keine Schlüssel- übergabe, keine manuellen Zählerstände mehr.“ Und das Ehepaar hat noch weitere Ideen: „Unsere große Vision ist der personallose Yachthafen“, so Andreas Habe- rer. „Wir wollen, dass der Boot- fahrer unterwegs entscheidet: Ich brauche einen Liegeplatz, will waschen, muss an Land- strom oder will duschen. Er legt irgendwo an, ohne vorher zu telefonieren. Die Land- stromsäule, die Zugänge zu den Sanitäranlagen und alle anderen Funktionen werden über unsere Up2Boat-App frei- geschaltet, alles bezahlt sich automatisch und wenn der Aufenthalt vorbei ist, endet der Zugang zu allen Dienstleistun- gen.“ Was wie Zukunftsmusik klingt, sei in Teilen schon Rea- lität – vollständig digitalisiert wird es laut Haberer in den kommenden Jahren werden. Schon jetzt sei das Up2Boat Yachthafenmanagement mo- dular erhältlich: Betreiber wäh- len aus, welche Funktionen sie brauchen. „Es gibt Häfen, die nutzen unser System nur für die Landstromabrech-
nung, andere führen damit die komplette Kundenkommuni- kation“, sagt Sandra Haberer. Einen Basiszugang gebe es ab 49 Euro monatlich. Der zweite große Bereich von Up2Boat, das vier festange- stellte und fünf freie Mitarbei- ter beschäftigt, ist die Digita- lisierung der Infrastruktur in Industriehäfen. Der Seehafen der Nordseeinsel Helgoland sei ein Beispiel. Der Betreiber verwaltet mit dem Modul „Industry Port“ die Liegeplätze für die Fracht- und Fährschif- fe, steuert die Stromschrän- ke, misst Zählerstände und fakturiert Liege- und Strom- gebühren verbrauchsgerecht an die jeweilige Reederei. „Mit unseren rund 50 Kunden sind wir einer der Top-3-Anbieter für Hafensoftware in Deutsch- land“, sagt Andreas Haberer. JR
Hier sind die Beiden mal selbst mit dem Boot unterwegs: Das Up2Boat-Unter - nehmerehepaar Sandra und Andreas Haberer
10.000 HÄFEN für private Motor- und Segelboote gibt es europaweit QUELLE: EUROPEAN BOATING INDUSTRY
up2boat.com
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IHK Magazin Rhein-Neckar 05 | 2026
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