IHK-Global Business Ausgabe 5/2026

EUROPA

GROSSBRITANNIEN London stoppt chinesisches Milliardenprojekt in der Windkraft

technologische Ausrichtung indirekt staatlich beeinflusst sein könnten. In Schottland hat die Entscheidung deutliche Kritik ausgelöst. First Minister John Swinney zeigte sich enttäuscht und warnte davor, dass der Stopp des Projekts bis zu 1.500 Arbeitsplätze gefährden könnte. „Ge- rade in einer Phase, in der der Ausbau sauberer Energie und die Stärkung der industriellen Basis hohe Priorität haben sollten, sende London ein pro- blematisches Signal an den Standort Schottland“ sagte Swinney. Gleichzeitig sucht die britische Re- gierung nach Alternativen. Gespräche mit dem dänischen Windkraftkonzern Vestas sollen klären, ob ein europäi- scher Hersteller bereit wäre, statt Ming Yang in Schottland zu investieren. Ziel ist es, sicherheitspolitische Bedenken mit industrie- und energiepolitischen Interessen in Einklang zu bringen. Dass chinesische Windkrafttech- nik in Europa zunehmend kritisch bewertet wird, zeigt auch ein Blick nach Deutschland. Für den geplanten Nordsee-Windpark „Waterkant“ woll- te der Hamburger Investor Luxcara ursprünglich Turbinen von Ming Yang einsetzen. Nach Widerstand aus Industrie und Gewerkschaften zog das Unternehmen 2025 jedoch den Auftrag zurück. Statt chinesischer Technik sollen nun Anlagen von Sie- mens Gamesa installiert werden. Die Entscheidung Londons deutet auf eine klarere staatliche Linie im Umgang mit chinesischen Investitio- nen im Energie- und Industriesektor hin. Zwar ist das Vereinigte Königreich weiterhin auf internationales Kapital angewiesen, doch werden dort Gren- zen gezogen, wo strategische Energie- infrastruktur betroffen ist. Offshore- Wind rückt damit noch stärker in den Fokus staatlicher Industriepolitik, die wirtschaftliche Offenheit mit Versor- gungssicherheit und technologischer Souveränität abwägt. GOV.UK/IHK

Anfrage aus der Energiebranche vo- raus, die um eine Einschätzung zum Einsatz der Turbinen in britischen Gewässern gebeten hatte. In einer Stellungnahme erklärte ein Regie- rungssprecher, man habe das Projekt sorgfältig geprüft und sei anschlie- ßend zu dem Schluss gekommen, den Einsatz dieser Technologie in briti- schen Offshore-Windprojekten nicht zu unterstützen. Konkrete Details zu den sicherheitsrelevanten Aspekten wurden nicht genannt. Hinter der Ablehnung stehen offen- bar Sorgen, dass in den Anlagen Über- wachungs- oder Datentechnologien integriert sein könnten. Aus Sicht der Regierung bestehe das Risiko, dass über Offshore-Windparks sensible In- formationen erfasst werden könnten, etwa zur militärischen Präsenz in der Nordsee. Zwar ist Ming Yang ein bör- sennotiertes Unternehmen in privater Hand, dennoch befürchtet London, dass Investitionsentscheidungen und

Die britische Regierung hat ein geplantes Großprojekt des chinesischen Windkraftkonzerns Ming Yang Smart Energy gestoppt. Das Unternehmen wollte in Schott- land eine rund 1,5 Milliarden Pfund teure Produktionsstätte errichten. Die Begründung Londons: Risiken für die nationale Sicherheit. Betroffen ist ein Vorhaben, das 2025 vorgestellt worden war. Geplant war ein vollständig integriertes Werk zur Herstellung von Turbinen für Off- shore- und schwimmende Windkraft- anlagen im Hafen von Ardersier nahe Inverness. Nach Angaben der britischen Re- gierung ging der Entscheidung eine Großbritannien verfügt über enorme Windkraftkapazitäten. Diese sollen weiter ausgebaut werden. Dabei setzt das Land auf europäische Partner. Die Investition eines chinesischen Turbinenherstellers wurde abgelehnt.

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IHK Global Business 05/2026

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