vierzehn Jahren. Verlässlicher Freund, wähnte man. Intimer Gesprächspartner, Vertragspartner, Buddy. Die gemeinsame Zeit in der versifften WG in Hamburg, viele Päckchen filterlose Zigaretten, ergebnislose Flirts, ergebnislose Geschäftsanbahnungen. Zwischen ihnen beiden stand nichts als eine Idee, von der sie beide beseelt waren. Schwer zu sagen, wem der Gedanke mit den begrünten Betonwänden und Brückenpfeilern, den mit Moos bewachsenen und Fabrikfronten und palmenbestandenen Flachdächern gekommen war. Es war einfach richtig gewesen, das wussten sie beide, sie waren aufeinander angewiesen, Marian der Wieselflinke Socializer, der Kommunikator und Verbreiter der Idee, Wilfried der Denker, Konstrukteur, Visionär. Ein Dream Team, auch wenn die längste Zeit keiner derer, an die sie sich wandten, das zu sehen vermochte. Klinken putzen. Förderprogramme abrufen, Organigramme entwerfen, Businesspläne. Dazwischen die jeweiligen Beziehungen, Marian mal mit Männern, mal Frauen, ein Trauerspiel aus Wilfrieds Sicht, der treu und eng an Rosemarie gebunden blieb. Und jetzt das. Das Unternehmen gegründet, das Start-Up finanziert, die glänzende oberste Etage eines Hochhauses gemietet, um den Sprung in eine neue Liga zu verkünden, die Übernahme durch eine Holding, deren väterlich wirkender Chef Adriano Michael immer schon umschwärmt hatte. Den ganzen Abend schon das ängstliche Warten auf Marians Auftauchen, aber ein Erscheinen in letzter Sekunde war man bei ihm schon gewöhnt. Nur dieses Mal kam nur die SMS. ‚Sorry, kann nicht kommen, steige aus. Good luck‘. Ein Schlag ins Gesicht. War es das Werben von Tim, dem Mann mit dem goldenen Teint, den Marian irgendwann mal abgeschleppt hatte und der sich auf einmal als finanzstarker Investor erwies. Oder hatten Marians Flirts mit rechten Politikerinnen auf einmal zu einem Umdenken geführt? War er bei Jessica, der Psychotikerin mit ihrem Waschzwang doch hängen geblieben? Was hatte Wilfried gegen Marian in der Hand? Siedend heiß schoss ihm durch den Kopf, dass Marians Unterschrift noch nicht geleistet war, damit wurde der Deal mit all den Leuten hier oben hinfällig, die großen Augen von Angelina, dem aufstrebenden Filmsta obsolet. WHEN HE WANTED TO ADDRESS THE GATHERED GUESTS, HIS VOICE FAILED HIM. He had prepared the speech for a long time. It would have been about the idea of cohesion, about the community that was so important to him. Or so he thought. Then came the text message, contemptuous and dry, just moments before. Marian got out. Marian. Partner for fourteen years. A reliable friend, one would think. An intimate confidant, business partner, buddy. The time they spent together in the filthy shared apartment in Hamburg, many packs of filterless cigarettes, fruitless flirtations, fruitless business deals. Between them stood nothing but an idea that inspired them both. It was hard to say who had come up with the idea of green concrete walls and bridge piers, moss-covered factory fronts and palm-covered flat roofs. It had just been right, they both knew that. They depended on each other: Marian, the nimble socializer, the
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