Writing Workshop at Lisbon Congress

Schwerer Regen drückte viel eher das Gefühl aus, dass sie seit Wochen hatte. Die Schwere war es. Der ganze Sommer war verregnet. Es lastete schwer auf ihr. Es regnete nicht nur am Morgen. Es regnete mittags und nachmittags, und vormittags, und abends und nachts und Frühmorgens, und spätmorgens. Es war ein Jahrhundert Regen. Und dieser eine Satz veränderte ihr Leben. Sie wollte ihr Geld nicht mehr damit verdienen, dass sie die eine Sprache in eine andere verwandelte. Sie wollte ihr Geld auch nicht mehr damit verdienen, dass sie anderen Menschen half, ihre Texte einem Publikum in einem anderen Land nahe zu bringen. Sie erschrak sich über sich selbst, dass sie so unerwartet ihrem Leben eine andere Richtung hinzufügen wollte. Was dieser Dauerregen der letzten Wochen in ihr aufgeweicht hatte. Triefend, wie ein nasser Pullover, den man sich auszog, weil man bis auf die durchnässt war, weil man vom plötzlichen Regenschauer überrascht war, war ihr Leben aufgeweicht. Jetzt wusste sie es. Ein Regenschauer kommt immer plötzlich. Heavy rain ist kein plötzliches Ereignis. Man wird morgens wacht durch das nicht enden-wollende Strömen des Regens. Als ob der Regen den Träumen einstiegen sei. Ein Schauer ist immer ein je einsetzendes, unerwartetes Ereignis. Aber ihre Erkenntnis war wie ein Regenschauer. Plötzlich wusste sie, dass es so nicht weiter geht. Sie wollte den nassen Pullover ausziehen, sich die nasse Haut mit einem Handtuch trockenreiben. Bianca Isabella Christine Tiator, German Psychoanalytical Association; Mainz Psychoanalytical Institute THE MORNING STARTED WITH HEAVY RAIN. Es fiel mir schwer, meine Augen zu öffnen. Sie fühlten sich an wie riesige Wagenräder oder Zugbrücken, die mit Eisenketten und mit der Kraft von riesigen Bergtrollen hinaufgezogen werden mussten. Der prasselnde Regen schlug schwer gegen die Scheibe meines Dachfensters. Ein lauter, heftiger Schauer, vom Geräusch her hätten es Hagelkörner sein können. Dunkle Wolken hingen schwer am Himmel und nichts, überhaupt nichts wollte mir das Aufstehen leichter machen. Wenn es sowieso so ein Unwetter draußen war, welchen Sinn machte es dann überhaupt aufzustehen? Für was denn? Ich gestand mir ein, dass ich eine Art Erleichterung darüber empfand, dass ich bei so einem schweren Unwetter ja gar nicht joggen gehen konnte. Ja, es wäre sogar gefährlich und man sollte doch mit gutem Beispiel vorangehen und einfach Zuhause bleiben! Es wäre gerade zu leichtsinnig, hinaus zu gehen! Leicht-Sinn... Schwer-Sinn... Leichtsinn hätte mich heute also umbringen können. Schwer nachvollziehbar, aber diese Gedanken erleichterten es mir, nach ca. 3 Stunden tatsächlich aus dem Bett aufzustehen. Ich schlurfte mit schweren Gliedern in die Küche, setzte mich auf die Eckbank und notierte in mein Tagebuch: „The Morning started with heavy rain.“ – Ja, manchmal fiel es mir leichter, schwere Dinge in Englischen Wörtern auszudrücken. Und was konnte man über diesen Sonntagmorgen denn anderes sagen als, dass er schwer war? Dann fügte ich mit leichter Feder in mein Tagebuch noch einen Satz hinzu: „Mein Schwersinn rettet mir heute das Leben!“ Die Mikrowellenlasagne von gestern Abend lag mir noch schwer im Magen und mein Kopf

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