Marianne Kohnert, DPV - Hamburg Der Tag begann mit heftigen Regenschauern. Noch im Erwachen aus einem kurzen erschöpften Schlaf wusste ich, dass ich trotz des Wetters bei meinem Plan bleiben musste, es war unmöglich, hier zu bleiben. Nach allem, was schon passiert war, hatten sie jetzt auch noch Magda vergewaltigt, sie hatte es mir gestern im Olivenhain erzählt. Der Cousin habe ihr hier, unter den Olivenbäumen, Gewalt angetan, Petros habe es gesehen, sie aber nicht beschützt. Ich habe in der Hütte des Engländers geschlafen, er hat uns Nescafé gemacht auf seinem Gaskocher, und wir haben ziemlich viel 5-Sterne Metaxa hineingeschüttet. Meinen Rucksack habe ich mitgebracht, ich muss nichts zurücklassen, auch ohne diese Katastrophe wäre ich geflüchtet. Irgendwie schaffe ich es, meinen Pass bei dem Mofa-Verleiher abzuholen, niemals wieder gebe ich den aus der Hand. Wir fahren auf dem matschigen Sandweg Richtung Hauptstraße, ich sitze auf dem Rücksitz des Motorrades, umklammere den Engländer von hinten, in der Ferne taucht der Hafenkai auf, und ich sehe die Fähre. So etwas gibt es in Wirklichkeit, es passiert gerade, und es regnet. Petra Sitta, German Psychoanalytic Society (DPG); IPPF Freiburg Der Morgen begann mit heftigen Regenschauern, aber das änderte nichts an ihrem Glücksgefühl. Das Duschen hatte sie erfrischt und sie freute sich auf ihr Frühstück. Sie liebte es zu frühstücken, bereitete liebevoll die frisch geschnittenen Tomaten, das Obst, die Eier und den Aufschnitt vor. Sie hatte das Radio eingeschaltet. Radioeins aus Berlin, ihren Lieblingssender, während sie gleichzeitig die Süddeutsche Zeitung überflog. An welchem Artikel blieb ihr Blick hängen, welche Nachrichten interessierten sie heute? Das gestern frisch gekaufte Brot duftete verheißungsvoll und sie war froh, den kleinen Umweg zu ihrem Lieblingsbäcker gefahren zu sein. Der Regen tut dem Garten gut und ersparte ihr das Gießen am Abend. Es geht mir so gut, mein Leben könnte nicht schöner sein, dachte sie beglückt, als sie das wachsweiche Ei zusammen mit einem Stück Hefezopf verspeiste. Auf den süßen Hefezopf hatte sie salzige Butter gestrichen, die sie letzte Woche von einem Ausflug ins Elsass mitgebracht hatte. Ein ganzer freier Tag lag vor ihr und sie hatte sich noch nicht entschieden, wie sie ihn verbringen wollte. Sie könnte gemütlich die Zeitung durchstöbern oder in ihrem Roman weiterlesen, der sie so faszinierte. „Dein Fortsein ist Finsternis“ hieß der Roman und der isländische Autor berührte sie mit seiner Art zu schreiben sehr. Sie könnte auch ihrer liebsten Freundin in Berlin telefonieren, auf dem Sofa eine Serie schauen, Kuchen backen, sich die Fußnägel lackieren, einen Brief schreiben oder puzzeln. „ Ich kenn dich nur tuend und nie seiend “,
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