ERLEBT
Nicht alle lieben Veränderungen
Wir besuchen eines unserer Lieblingsres taurants. Meine Frau Simone studiert begeis tert die Speisekarte und sucht nach etwas Neuem, etwas Spannendem. Für mich hin gegen ist seit Tagen klar, was ich bestellen werde. Ich kenne die Menükarte vom letzten Besuch und weiss genau, was mir schmeckt. Warum also etwas ändern, wenn es doch gut war? Nicht alle lieben Veränderungen. Das Neue birgt Risiken – es könnte ja weniger gut sein als das Bekannte. Trotzdem sind Verände rungen unvermeidlich. Im Laufe der 34 Jahre, in denen ich bei SAM global arbeite, bin ich vielen Veränderungen begegnet. Die meis ten sind an mich herangetragen worden oder entstanden, nur wenige habe ich aktiv gesucht oder mitinitiiert. Ich liebe das Ge wohnte, das mir Bekannte, es gibt mir Sicherheit. Wenn ich zurückblicke, denke ich beispielsweise an die vielen personellen Wechsel in dieser Zeit. Gerne hätte ich meine ehemaligen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen behalten. Veränderungen sind unumgänglich, sie ge hören zum Leben wie das Salz in der Suppe. Bereits der griechische Philosoph Heraklit von Ephesus (535 – 475 v. Chr.) erkannte dies. Er meinte: «Nichts ist so beständig wie der Wandel.» Ich lerne, wie hilfreich es ist, Veränderun gen zu «umarmen», anstatt sie abzulehnen oder gegen sie anzukämpfen. Ich spreche hier von Veränderungen, die gegeben sind, auf die ich keinen Einfluss habe. Meine Ein stellung ist entscheidend. Ich kann dankbar sein für die Zeit, die ich mit Ehemaligen ar beiten durfte und mich freuen über den neuen, spannenden Weg, den sie vor sich haben. Annehmen und danken sowie das Wissen, dass mein Gott die Situation
zugelassen hat, geben mir einen tiefen, inneren Frieden, immer wieder. Und ausser dem ändert es nichts, wenn ich mich gegen solche Veränderungen auflehne.
Albert Zimmerli arbeitet seit 1992 in der Homebase von SAM global im Sekre
tariat und in der Kommunikation.
Teamfoto aus dem Jahr 2003
Mit Veränderungen, die ich beeinflussen kann, gehe ich anders um. Ich möchte offen sein für Neues, bereit sein, andere Wege, Methoden und Denkweisen zu prüfen. Mehr noch: Nicht nur anhören und prüfen, son dern auch ausprobieren, bis hinein in meine Glaubensüberzeugungen oder, wer weiss, bis hinein in die Menükarte. Lernbereit schaft ist mir wichtig. Manchmal gelingt es mir besser, andere Male halt schlechter. Ich bin unterwegs und darf lernen. Ab und zu erlebe ich es als anstrengend, wenn ich mei ne Meinung hinterfragen lassen muss. Und trotzdem ist dies sehr wichtig. Ich merke, dass ich über einige Themen, zu denen ich vor 20 Jahren eine klare Überzeugung hatte, heute anders denke. Die Frage beschäftigt mich, wie ich wohl in 10 weiteren Lebens jahren darüber denken werde. Das macht mich grosszügiger mit anderen Meinungen und Ideen. «Unser Wissen ist Stückwerk», steht in der Bibel (1. Kor 13,9). Diese Wahr heit erlebe ich als befreiend. Ich muss nicht alles wissen und zu allem eine Meinung ha ben. Ich darf unterwegs sein und lernen.
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SAM FOCUS 3 | 2026
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