IHK-Magazin Ausgabe 3/2026

Inhalt TIPPS

UNTERNEHMENSNACHFOLGE „Die Übergabe war die richtige Entscheidung“ Der Abschied vom eigenen Unternehmen fällt oft schwer. Das war auch bei Angelika Brenner-Pesser der Fall. Und doch musste sie irgendwann handeln.

UNTER- NEHMENS- FÜHRUNG

zieller Nachfolger gleichzeitig sinken. Der Fachkräftemangel verstärkt dieses Ungleich- gewicht. Dadurch besteht die Gefahr, dass zukünftig viele der Nachfolgesuchen erfolglos bleiben. „Umso wichtiger ist es, die IHK möglichst frühzeitig einzuschalten“, rät Schwöbel. Unternehmerin Brenner-Pesser erreichten zahlreiche Ange- bote. Zusammen mit der IHK sichtete sie rund 30 Bewerbun- gen und führte viele Gesprä- che, teilweise auch von der IHK moderiert. Ihr war nicht nur wichtig, dass jeder Bewer- ber seine Chance erhielt: „Ich wollte auch mein Unterneh- men in guten Händen wissen, das war ich meinen langjäh- rigen Kunden schuldig.“ Bald kristallisierte sich ein Bewerber heraus, der die Unternehmerin mit seinem Engagement beein- druckte. Gegenseitige Ehrlich- keit und Offenheit sei dann das A und O der gelingenden Einigung gewesen: „Ich habe meinem Nachfolger die Bücher offengelegt, er konnte erfahren, wie hoch die Gewinnspanne ist. Unser Steuerberater stand ihm ebenso mit Rat und Tat zur Seite.“ Dass der Übergabeprozess so einträchtig ablief, freut Christi- an Schwöbel. Er kennt auch die Sicht der Übernehmer: „Gera- de für Existenzgründer ist die Unternehmensnachfolge eine gute Alternative zur Gründung. Die Geschäftsmodelle sind

U rnen, Totenhemden und Decken für Särge: Das war lange Zeit die Welt von Angelika Brenner-Pesser. Mit großen Engagement hatte sie terra infinita, ein Geschäft für Bestattungsbedarf, über die Jahre aufgebaut und geführt. Bis zum Sommer 2025: Dann entschloss sich die gelernte Einzelhandelskauffrau mit 72 Jahren ihr Unternehmen in externe Hände zu geben. Denn ihre Kinder hatten bereits andere Berufe gewählt und konnten die Nachfolge nicht antreten. Angelika Brenner-Pesser wollte zunächst den Wert ihres Unter- nehmens ermitteln und kon- taktierte hierfür IHK-Nachfol- geberater Christian Schwöbel. „Schon das erste Gespräch hat mir sehr geholfen. Wir haben nicht nur gemeinsam das wei-

tere Vorgehen geplant, sondern uns auch bei allen wichtigen Fragen immer wieder aus- getauscht“, erinnert sich die ehemalige Unternehmerin. In einem weiteren Schritt nahm Christian Schwöbel das Unter- nehmen in die Nachfolgebörse „Nexxt-Change“ auf. Über diese Börse können Übergeber und potenzielle Übernehmer ihre Angebote und Gesuche anonym online stellen und bei Interesse Kontakt aufnehmen (siehe Seite 45). Die IHK schätzt, dass in der Region jedes Jahr 1.500 Unter- nehmen vor einer Nachfolge stehen. Fast die Hälfte der selbstständigen Unternehmer ist bereits über 55 Jahre alt. Aufgrund der demographi- schen Entwicklung wird diese Zahl in den nächsten Jahren zunehmen, die Zahl poten-

Das Unternehmen ist verkauft. Jetzt ist Zeit für andere Dinge.

Ich wollte mein Unter- nehmen in guten Hän- den wissen. Angelika Brenner- Pesser

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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026

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