IHK-Magazin Ausgabe 3/2026

Übrigens: Bei jeder Nachfolge-Planung sollte ein Notfall-Handbuch, an dem sich jeder Unterneh- mer orientiert, nicht fehlen. Damit soll geklärt werden, was passiert, wenn der Unternehmer plötzlich ausfällt. Denn erschreckende Tatsache: 75 Prozent der Unternehmen, insbesondere kleine Betriebe, sind laut IHK-Experte Schwöbel hierauf nicht vorbereitet. Wichtig: Das Beratungsangebot zur Unterneh- mensnachfolge ist nicht nur für IHK-Mitglie- de, sondern auch für potenzielle Übernehmer kostenfrei. Für diese Zielgruppe gibt es außer- dem geförderte Beratungen mit dem sogenann- ten „EXI-Gründungsgutschein“: ein vom Land Baden-Württemberg und dem Europäischen So- zialfonds Plus gefördertes Programm, das Exis- tenzgründern eine intensive sowie kostengüns- tige Vorgründungsberatung durch qualifizierte Berater ermöglicht. Zusätzlich gibt es zinsgüns- tige Darlehen für Gründer/Übernehmer von der L-Bank. Oftmals verfügen Übernehmer nicht über die banküblichen Kreditsicherheiten. Hier kann die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg einspringen und die Darlehen entsprechend ab- sichern. Die IHK gibt Tipps zur Beantragung der genannten Fördermittel. Bu

erprobt, es gibt einen etablierten Betriebsstand- ort und einen Kundenstamm.“ Allerdings müsse der Nachfolger sofort die Leitung des Unterneh- mens antreten, baue den Betrieb nicht wie bei einer Gründung allmählich auf. Und auch die Übernahme selbst sollte gut durchdacht sein: „Typische Stolpersteine können festgefahrene Strukturen und versteckte Bilanz-Risiken sein. Eine Beratung durch unser Team kann helfen, diesen Herausforderungen zu begegnen.“ Bei Angelika Brenner-Pesser funktionierte der Wechsel problemlos: „Zum 31. Januar 2026 habe ich mein Gewerbe abgemeldet und mein Ladengeschäft übergeben. Ich bin begeistert, wie gut mein Nachfolger das Unternehmen wei- terführt.“. Der wichtigste Tipp der ehemaligen Unternehmerin? „Eine gut durchgeführte Über- gabe des eigenen Unternehmens braucht Zeit. Bei mir ging das auch dank der IHK erstaun- lich schnell, doch es dauerte noch immer ein halbes Jahr.“ Und noch einen letzten Hinweis hat Angelika Brenner-Pesser parat: „Man muss wirklich loslassen. Auch mich haben zwischen- zeitlich Zweifel beschlichen, ob ich nicht doch weitermachen soll. Die Übergabe war aber die vollkommen richtige Entscheidung.“

1.500 UNTERNEHMER müssen laut IHK- Schätzung in der Region 2026 ihre Nachfolge regeln. QUELLE: IHK RHEIN-NECKAR

INFO

Acht Tipps für eine erfolgreiche Übergabe

1. Planen Sie die Unternehmensnachfolge rechtzeitig. Analysieren Sie selbstkritisch Ihre Ausgangssitua - tion: Wie lange können und möchten Sie arbeiten? Wann wollen Sie den Betrieb übergeben? 2. Binden Sie Ihre Familie und gegebenenfalls Ihre Mitarbeiter in Ihre Entscheidung mit ein. Setzen Sie eine Nachfolgestrategie auf: Sind Familienmitglieder, Angestellte oder Bekannte an einer Nachfolge interessiert? Welche rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen sind zu klären? Wo können Sie Rat einholen? 3. Stellen Sie sicher, dass Ihr Betrieb übergabefähig und zukunftsfest aufgestellt ist, sonst droht der Verkauf zu scheitern, da sich keine Interessenten finden. 4. Bevor es richtig in den Übergabeprozess geht: Prüfen Sie den Unternehmenswert sorgfältig. 5. Während des Übergabeprozesses: Wählen Sie einen Nachfolger aus, der zu Ihrem Unternehmen passt. Zentrale Fragen, um das herauszufinden: Sind die Bewerbungsunterlagen überzeugend? Ist der Bewerber in der Lage, den Kaufpreis zu zahlen?

6. Wenn Sie loslegen wollen mit dem Verkauf: Nehmen Sie externe Unterstützung in Anspruch, wenden Sie sich an die IHK. 7. Nach der Übergabe: Gestehen Sie Ihrem Nachfolger die Weiterentwicklung des Unternehmens zu. Arbeiten Sie Ihren Nachfolger bei Bedarf ein. 8. Am wichtigsten: Definieren Sie einen klaren Überga - bezeitpunkt und lassen Sie los. Die IHK unterstützt mit dem Moderatoren-Programm Unternehmensnachfolge Übergabewillige und potenzielle Übernehmer. Dieses wird durch die Europäische Union und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozial - fonds Plus kofinanziert. ihk.de/rhein-neckar/nachfolge INFO: Am 19. November informiert die IHK beim Nach - folgeforum in Heidelberg zum Thema. Eine Anmeldung ist bereits möglich via E-Mail an startercenter@rhein-neckar.ihk24.de

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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026

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