IHK-Global Business Ausgabe 2023/08-09

ASIEN-PAZIFIK

VIETNAM Ehrgeizige Klimaziele am Mekong

Die vietnamesische Regierung will mit dem Power Development Plan (PDP) 8 bis 2050 klimaneutral werden. Der Plan definiert den Energiemix sowie den Strom- und Netzausbaubedarf des Landes bis 2030 und gibt eine Perspektive für das Jahr 2050 vor. Die CO₂-Emissionen des Energiesektors sollen bereits 2030 ihren Höchststand erreichen und nicht erst 2035, wie zuvor ge- plant. Gelingen soll das mit Gaskraftwerken als Übergangstechnologie. Dafür wird soweit möglich, inländisches Gas genutzt, aber auch massive Investitionen in Flüssiggas-Termi- nals sind geplant. Das erste Terminal des Landes, The Thi Vai, ist seit Frühjahr 2023 einsatzbereit. Es soll zwei Kraftwerke in der Provinz Dong Nai beliefern, wenn diese 2024 und 2025 ans Netz gehen. Nach 2030 würden Kohle- und Gaskraft- werke laut dem Entwicklungsplan PDP 8 fast vollständig auf Wasserstoff und Ammoniak (teils mit Biomasse) umgestellt oder still- gelegt. Dann sollen erneuerbare Energien ins Spiel kommen. Die Gegebenheiten dafür

gelten in Vietnam als exzellent. So weht der Wind in Zentralvietnam weitgehend ohne Sommerflaute. Offshore-Windparks sollen in großem Maß für den Inlandsbedarf und die Exportmärkte Strom – und später per Elektro- lyse Wasserstoff – erzeugen. Der PDP 8 plant bis 2035 eine Kapazität von 15 Gigawatt für die Produktion von Wasserstoff und Ammo- niak, bis 2050 sogar 240 Gigawatt. Für den Export nach Singapur laufen gemäß Presse- meldungen bereits Verhandlungen über den Bau einer Unterwasserstromtrasse. Zudem will die Regierung für die Strom- und Wasserstoff- erzeugung zwei Industriehubs zur Produktion von Ausrüstungen aufbauen. GTAI/IHK Leistungsexplosion bei Windkraft und Fotovoltaik: Ihr Anteil ist in Vietnam von 2017 bis 2022 von 352 auf 20.165 Megawatt gestiegen (hier: Wind- und Solarpark in der Provinz Ninh Thuan ).

240 GIGAWATT sollen Offshore-Wind - parks 2050 zur Stromver- sorgung beitragen. QUELLE: GTAI

EU / NEUSEELAND Freihandelsabkommen unterzeichnet

Unternehmen bereits im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens Zölle in Höhe von 140 Millionen Euro ein- sparen. Der bilaterale Handel könnte durch das Abkommen innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu 30 Prozent wachsen. Allein bei den Exporten aus der EU erhofft sich die Kommis- sion einen Zuwachs von 4,5 Milliarden Euro pro Jahr. Darüber hinaus wird Neuseeland Investitionsvorschriften für europäische Unternehmen lockern. So wird etwa der Schwellenwert für die Überprüfung einer Investition auf Gefährdung der nationalen Sicherheit von 58 auf 166,1 Millionen Euro angehoben. Laut EU-Kommission könnten EU-Investitionen in Neuseeland dadurch um bis zu 80 Pro- zent zunehmen. AHK/DIHK/IHK Mehr Details und den Text des Handelsabkommens finden Sie auf der Website der EU-Kommission (bisher nur auf Englisch):  policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and- region/countries-and-regions/new-zealand/eu-new-zealand- agreement_de

Nach fünf Verhandlungsjahren haben die EU und Neuseeland am 9. Juli 2023 ein gemeinsa- mes Freihandelsabkommen (EU-New Zealand Trade Agree- ment) unterzeichnet. Sobald das Europaparlament dem Abkommen zugestimmt und Neuseeland den Ratifizie- rungsprozess abgeschlossen hat, kann das Abkommen in Kraft treten. Dies dürfte 2024 der Fall sein. Der wichtigste Bestandteil des Abkommens sind Han- delserleichterungen. Demnach wird Neuseeland ab Inkrafttreten einen Großteil der bislang geltenden hohen Zölle auf gewerbliche Waren und Lebensmittel aus der EU abschaffen. Im Gegenzug werden EU-Zölle auf die meisten neuseeländischen Waren abgeschafft oder erheb- lich gesenkt. Für sensible Produkte sind Zollkontingente vorgesehen. Neuseeland verpflichtet sich zudem auf die Beseitigung technischer Handelshemmnisse wie etwa zeitaufwendige Neuzertifizierungen von Produkten vor ihrer Einführung in den neuseeländischen Markt. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten europäische

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IHK Global Business 08-09/2023

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