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ERLEBT

Zwischen Krieg und Hoffnung

Krieg ist in diesen Tagen kaum zu überse­ hen. Er zeigt sich nicht nur in Bildern zer­ störter Städte, sondern auch in Worten, Spannungen und in der Art, wie Menschen einander begegnen. Er hat viele Gesichter – und sie alle hinterlassen Spuren. In den letzten Monaten durfte ich Menschen begegnen, für die Krieg keine Schlagzeile ist, sondern Realität. Begegnungen, die mich nicht mehr loslassen. Eine davon ist Nastia, eine Musikerin aus Kyiv. Als sie einmal sagte: «I’m ready to die», blieb dieser Satz hängen. Nicht, weil er laut war, sondern weil er so still und erschöpft klang. Wochenlang lebten sie und viele an­ dere ohne Strom, Wasser und Heizung – bei eisigen Temperaturen und mit der ständi­ gen Angst vor neuen Angriffen. Solche Geschichten könnten aus vielen Tei­ len der Welt stammen. Sie lassen einen oft sprachlos zurück. Und doch gibt es auch an­ dere Momente. Vor wenigen Wochen gestalteten wir mit Central Arts in Zürich ein Chorkonzert für den Frieden. Über 300 Menschen standen auf der Bühne, mehr als 3000 im Publikum. Für einen Abend entstand ein Raum, der im starken Kontrast zu den Nachrichten stand – ein Raum, in dem Hoffnung spürbar wurde.

Elona aus Albanien hat dem Mörder ihres Mannes vergeben. Ein Schritt, der kaum vor­ stellbar ist – und doch zeigt, dass Verände­ rung möglich ist. Lydia aus dem Libanon lebt in einem Um­ feld, in dem sich Fronten schnell verschie­ ben. Von ihr haben wir gelernt, Menschen nicht vorschnell einzuordnen, sondern ihnen mit Offenheit zu begegnen. Und Nastia erinnert uns daran, dass Frieden oft im Inneren beginnt – nicht als Flucht vor der Realität, sondern als leiser Gegenpol zu ihr.

Jonathan Schmidt leitet Central Arts Internatio­ nal, eine Bewegung von Kreativen im Schnittfeld von Kunst und Glauben. Als Musiker und Initiator verschiedener Kunstpro­ jekte engagiert er sich dafür, dass Hoffnung, Glaube und gesellschaft­ liche Themen durch Mu­ sik und kreative Aus­ drucksformen erlebbar werden.

Über 300 Mitwirkende gestalteten in Zürich ein Friedenskonzert. (Bild: Central Arts)

Diese Begegnungen haben etwas in mir ver­ ändert. Ich merke, wie wichtig es ist, Span­ nungen auszuhalten, ohne daran zu zerbre­ chen, und sich berühren zu lassen, ohne die Hoffnung zu verlieren. Dabei spielen die Künste eine besondere Rolle. Musik, Worte und Bilder schaffen Räume, in denen Men­ schen einander neu begegnen können – Räume, in denen vielleicht ein erster Schritt entsteht. Frieden beginnt nicht erst dort, wo Konflikte verschwinden. Er beginnt dort, wo Men­ schen sich entscheiden, anders zu reagieren: im Zuhören, im Mitfühlen, im gemeinsamen Unterwegssein.

Im Zentrum standen drei Frauen, deren Ge­ schichten uns geprägt haben.

PACEM – Ein Friedensprojekt Das Projekt «PACEM» von Central Arts wurde von einem Film­ team begleitet. Die Dokumentation sowie ein Musikalbum mit Chornoten erscheinen im Oktober 2026 und laden dazu ein, sich kreativ mit dem Thema Frieden auseinanderzusetzen.

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SAM FOCUS 2 | 2026

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