ALBANIEN
Feinde und betet für die, die euch verfol gen.» Diese Worte, die ich so oft gehört und selbst weitergegeben hatte, wurden plötz lich zu einer persönlichen Herausforderung. Sie waren nicht länger Theorie, sondern eine Entscheidung, die ich treffen musste. Ich begann zu verstehen, dass Rache meinen Mann nicht zu- rückbringen würde. Sie hätte den Schmerz nur weitergetragen. Ich begann zu verstehen, dass Rache mei nen Mann nicht zurückbringen würde. Sie hätte den Schmerz nur weitergetragen – in eine andere Familie, zu einer anderen Frau, zu einer neuen Generation. Der Kreislauf der Gewalt hätte sich fortgesetzt, so wie er es schon seit Jahrhunderten tut.
sondern auch emotional und geistlich. Kin der wachsen in Angst auf, weil ihre Väter das Haus nicht verlassen können. Mütter tragen die ständige Sorge um ihre Familien. Viele Menschen leben gefangen zwischen Tradi tion, Schmerz und der Sehnsucht nach ei nem anderen Leben besonders in unseren Projektländern. In diesem Kontext ist Frieden keine abstrak te Idee. Er ist eine tiefe Notwendigkeit. Und doch beginnt echter Frieden nicht im Äusse ren, sondern im Herzen eines Menschen. In unserer Arbeit versuchen wir genau dort an zusetzen. Nicht jede Geschichte endet in vollständiger Versöhnung, aber jeder Schritt in Richtung Vergebung ist ein Schritt hin zu mehr Frieden.
Eine bewusste Entscheidung zur Vergebung
Der Blutracheturm (rechts) in Theth in den albanischen Alpen diente früher als Zufluchtsort für Männer, die von der traditionellen Blutrache bedroht waren.
Vergebung hingegen eröffnete eine andere Möglichkeit. Eine Möglichkeit, diesen Kreis lauf zu durchbrechen. Es war kein leichter Weg. Es war ein Prozess, der Zeit brauchte und der mich immer wieder herausforderte. Es gab Tage, an denen die Erinnerungen zu rückkamen und der Schmerz wieder spürbar wurde. Doch immer wieder traf ich die Ent scheidung, loszulassen und Gott zu vertrau en. Ich habe gelernt, dass Vergebung kein Gefühl ist. Sie ist eine bewusste Entschei dung, die oft mit einem hohen Preis verbun den ist. Vergeben bedeutet nicht, das Unrecht zu leugnen oder den Verlust klein zureden. Es bedeutet, Gott zu vertrauen, dass er gerecht ist – auch dort, wo ich es nicht verstehe.
«Frieden bedeutet für mich heute nicht, dass alles gut ist oder dass es keine Konflikte mehr gibt. Frieden bedeutet, dass Hoffnung Raum bekommt. Dass Menschen den Mut finden, anders zu handeln. Und dass sie be ginnen zu glauben, dass Veränderung mög lich ist.» So Dr. Elona. Meine Geschichte ist keine Geschichte von Stärke. Sie ist eine Geschichte von Gnade. Jesus ist mein Halt geworden in einer Zeit,
in der alles ins Wanken ge raten ist. Er hat mir gezeigt, dass selbst im tiefsten Schmerz Heilung möglich ist und dass Licht auch dort durchbrechen kann, wo alles dunkel erscheint.
Sich für Menschen einsetzen, die das Gleiche erleben
Heute darf ich aus dieser Erfahrung heraus anderen Menschen dienen. Mit der Stiftung «No Blood Feud – Yes to Life» begleiten wir Familien, die unter den Folgen der Blut rache leiden. Wir sehen täglich, wie sehr Ge walt Leben zerstört – nicht nur körperlich,
Text: Dr. Elona Prroj www.nobloodfeud.com, prrojelona@gmail.com
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