WEBSITE SAM focus 02 26_Frieden

ALBANIEN

Frieden als Entscheidung Als SAM global engagieren wir uns in unseren Ein­ satzländern und Projekten für Frieden. Unter dem Programmpunkt «Friedliche und inklusive Gesell­ schaften für eine nachhaltige Entwicklung» setzen wir uns beispielsweise gegen Mädchenbeschnei­ dung ein (Guinea – siehe letzte Focus-Ausgabe), fördern Witwen, die ihre Männer durch Terror verloren haben (Kamerun) oder sensibilisieren gegen Menschenhandel (Kambodscha). Doch was bedeutet Frieden, wenn das eigene Leben von Gewalt geprägt ist? Unsere Gastautorin, Dr. Elona Prroj, kommt aus einem Land, in dem die Blutrache Tradition ist. Sie kennt diese Realität aus nächster Nähe. Nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes traf sie eine Entscheidung, die alles veränderte – eine Entscheidung gegen Rache und für Vergebung.

Bild: Dr. Elona Prroj

Vergebung statt Rache Frieden ist ein Wort, das sich oft weit entfernt an­ fühlt – besonders dann, wenn das Leben von tiefem Verlust geprägt ist. Für mich ist Frieden

zur Zielscheibe werden können. Mein Mann lebte vier Jahre lang in dieser Situation, ein­ geschränkt in seinem Alltag und doch ge­ tragen von einem tiefen Vertrauen in Gott. Dann traf er eine Entscheidung, die alles veränderte. Er wollte nicht länger verborgen leben, sondern Gott dienen – sichtbar und offen. Er vertraute darauf, dass sein Leben in Gottes Händen liegt. Als seine Frau lebte ich in dieser Zeit mit zwei grossen Ängsten. Ich hatte Angst um sein Leben, aber auch Angst davor, ihn in seiner Berufung zurückzuhal­ ten. Am Ende traf ich meine eigene Ent­ scheidung: Ich wollte an seiner Seite stehen, egal wohin dieser Weg führen würde. Den Kreislauf nicht fortsetzen Ein Jahr später geschah das Unfassbare. Mein Mann wurde getötet. In einem einzi­ gen Moment brach meine Welt auseinander. Nichts war mehr, wie es vorher gewesen war. Der Schmerz war überwältigend, und alles in mir schrie nach Gerechtigkeit. Auch mein Umfeld erwartete, dass ich diesen Weg ge­ hen würde. In unserer Kultur wäre es normal gewesen, Rache zu fordern.

nicht einfach ein Zustand, sondern zu einer täglichen Entscheidung geworden. Zu einem Weg, den ich Schritt für Schritt gehe. Und zu einem Zeugnis von Gottes verändernder Kraft in meinem Leben.

Ich komme aus Albanien, einem Land, in dem Tradition, Ehre und Geschichte eng miteinander verwoben sind. Besonders im Norden prägt die Tradition der Blutrache noch immer viele Familien. Sie leben in Angst, in Isolation und in einem Kreislauf von Gewalt, der sich über Generationen hin­ weg fortsetzt. Lange Zeit war das für mich eine Realität, die ich kannte – aber nie ge­ dacht hätte, dass sie Teil meines eigenen Lebens werden würde. Gemeinsam mit meinem Mann leitete ich die «Word of Christ Church» in Shkodër. Auf­ grund eines Verbrechens eines Verwandten lebten 25 Männer aus seiner Familie unter ständiger Bedrohung. Jeder von ihnen hätte

Doch inmitten dieses Schmerzes erinnerte ich mich an die Worte Jesu: «Liebt eure

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SAM FOCUS 2 | 2026

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