WEBSITE SAM focus 02 26_Frieden

Wenn wir auf die Welt schauen, sehen wir Konflikte und Spannungen. Und doch zeigen die Geschichten in dieser Ausgabe: Frieden ist möglich – mitten in schwierigen Umständen.

SAM F CUS

Ausgabe 02 Mai 2026

FRIEDEN

Frieden leben lernen Wie in Kamerun mitten in Unsicherheit und Konflikten Frieden gelebt wird.

Vergebung statt Rache Dr. Elona Prroj aus Albanien zeigt, wie Ver­ gebung selbst tiefste Wunden heilen kann.

INHALT

04 Update

Coverbild Manu Dufner und weitere auf der Einsatzreise in Kambodscha – nächste Reise im Januar 2027

Einblicke in unsere Projekte und Entwicklungen Vanna M.

05 Persönlich

Wenn Wasser trennt – und verbindet Martin Baumann

10 Erlebt

Zwischen Krieg und Hoffnung Jonathan Schmidt

11 Aus der Romandie

06

Sich tatkräftig für den Frieden einsetzen Alexandre Weiss

Frieden leben lernen Wie in Kamerun mitten in Unsicherheit und Konflikten Frieden gelebt wird.

12 SAM family

Update zu den SAM global-­ Mitarbeitenden

14 Aus dem Leben

Antihelden in der Sauna Kolumne von Michi Dufner

08

15 Die Letzte

Finanzpuls Peter Röthlisberger

Vergebung statt Rache Dr. Elona Prroj aus Albanien zeigt, wie Ver­ gebung selbst tiefste Wunden heilen kann.

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SAM FOCUS 2 | 2026

DIE ERSTE

Lasst uns Friedens- stifter sein

Liebe Leserin, lieber Leser

Frieden ist ein Thema, das uns nicht loslässt. Vielleicht, weil wir uns danach sehnen – vielleicht auch, weil wir spüren, wie zer­ brechlich er ist. Wenn wir auf die Welt schauen, sehen wir Kon­ flikte und Spannungen. Und doch zeigen die Geschichten in dieser Ausgabe: Frieden ist möglich – mitten in schwierigen Umständen. In Kamerun übernehmen Menschen Verantwortung füreinander und leben Frieden dort, wo er besonders herausgefordert ist. In Albanien entscheidet sich eine Frau nach einem unvorstell­ baren Verlust für Vergebung – und durchbricht damit einen Kreislauf der Gewalt. So unterschiedlich diese Geschichten sind, sie verbindet eine Wahrheit: Frieden beginnt im Inneren eines Menschen. Als Christen glauben wir, dass dieser Frieden ein Geschenk ist. Weil wir geliebt sind, dürfen wir ihn empfangen – und daraus selbst zu Friedensstiftern werden. Frieden ist kein idealer Zu­ stand für irgendwann, sondern eine Haltung für heute. Das bedeutet nicht, dass alles einfach wird. Gerade in Spannun­ gen zeigt sich, was Frieden wirklich bedeutet: zuzuhören statt zurückzuschlagen, zu verbinden statt zu trennen, Brücken zu bauen, statt Grenzen zu ziehen. Diese Einladung gilt auch uns – hier in der Schweiz. Oft wissen wir nicht, was Menschen mit sich tragen. Gerade deshalb können kleine Gesten viel bewirken. Frieden ist nichts, das wir nur erwarten. Er ist etwas, das wir leben können. Vielleicht beginnt er genau dort, wo wir den ersten Schritt wagen.

Sarah Link, Redaktion SAM focus

Sarah bringt internatio­ nale Erfahrung aus verschiedenen Hilfspro­ jekten mit, unter an­ derem in Namibia mit Christ’s Hope Interna­ tional sowie mit ihrem eigenen Projekt Fair Hero in Guatemala, das auf fairen Handel und nachhaltige Perspekti­ ven setzt. Mit ihrem Hintergrund in Marketing, Innovation und Projektentwicklung verbindet sie strategi­ sches Denken mit einem klaren Anliegen: Men­ schen ganzheitlich zu begegnen und nach­ haltige Veränderung zu ermöglichen immer mit dem Fokus auf Gott. Bei SAM global bringt sie genau diese Perspektive ein – sie macht Geschich­ ten sichtbar, die Hoff­ nung geben, verbindet globale Erfahrungen mit lokalen Kontexten und zeigt, wie Glaube konkret gelebt werden kann.

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Von Herzen,

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SAM FOCUS 2 | 2026

UPDATE

Nicht, wie die Welt gibt Alle wünschen sich Frieden. Auf dieser Welt gibt es stän­ dig Konflikte. Wir haben Angst und ständig ändert ir­ gendwas. Das Christentum und der Buddhismus lehren uns etwas über den Frieden.

unsere Konflikte. Überwinden können wir, indem wir meditieren und unsere Gedanken kontrollieren. Wenn die Menschen friedfertig sind, dann tragen sie den Frie­ den aktiv in ihr Umfeld. Eine grosse Schwierigkeit in Kambodscha ist, dass viele Menschen die wahren Lehren von Buddha nicht kennen. Sie glauben, dass Leiden und Nöte normal seien, dass wir sie verdient hätten und nichts daran ändern könnten. Dies führt dazu, dass Armut, Korruption und Ungerech­ tigkeit meistens hingenommen werden, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Das Christentum und der Buddhismus haben verschie­ dene Glaubensgrundsätze und Praktiken, aber sie beide wünschen sich für die Welt Frieden und nicht Konflikte. Beide lehren uns zu lieben, zu vergeben, mitzufühlen und einander in Demut zu begegnen. Sie lehren uns, dass Friede entsteht, wenn wir aktiv etwas dafür tun.

Vanna und ein buddhistischer Mönch im typischen, orangen Gewand.

Im Christentum ist es so: Selbst wenn wir uns in einem Konflikt befinden, können wir Frieden finden im Glau­ ben an Gott. Die Bibel lehrt uns, dass echter Friede nur von Jesus kommt. Jesus sagte: «Ich lasse euch ein Ge­ schenk zurück – meinen Frieden. Und der Friede, den ich schenke, ist nicht wie der Friede, den die Welt gibt.» (Joh 14, 27 a) Jesus hält auch uns dazu an, Frieden zu stiften, einander zu lieben und zu vergeben, sogar unseren Feinden. Gott gibt uns Frieden und möchte auch, dass wir ihn mit der Welt teilen. Im Buddhismus geht es beim Frieden darum, wie man dem Leiden entfliehen kann. Buddha lehrte die Men­ schen, Begierde, Zorn und Unwissenheit zu überwin­ den, denn sie sind die Gründe für unser Leiden und

Vanna M., Kambodscha (Aus dem Englischen übersetzt von Robert S.)

Lebhaft erzählt Vanna Geschichten aus der Bibel.

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PERSÖNLICH

Wenn Wasser trennt – und verbindet

Ein neuer Brunnen ist eigentlich ein Grund zur Freude – so sollte man meinen. Doch manchmal bringt er auch das Gegenteil ans Licht. Diese Geschichte ereignete sich im Dorf Sa­ pucaia*, in einer sehr trockenen Region Bra­ siliens. Das Wasser des bestehenden Brun­ nens reichte für die rund 25 Familien schon lange nicht mehr aus. Teilweise floss über mehrere Tage hinweg kein Tropfen. Viele Menschen mussten weite Strecken zurückle­ gen oder andere um Wasser bitten, um ihren Alltag überhaupt bewältigen zu können. Aus diesem Grund entschieden wir uns, ei­ nen neuen Brunnen zu bohren. Während der Installation der Pumpe und der Wasserlei­ tungen halfen uns Maria* und ihre Familie sowie einige Verwandte tatkräftig mit. Gleichzeitig fiel mir auf, dass die anderen Dorfbewohner nicht erschienen waren. Diese Frage beschäftigte mich – bis mich am sel­ ben Tag Franzisca* ansprach. Sie begann, mir von einer Geschichte zu er­ zählen, die viele Jahre zurücklag. Damals hatte ein Politiker für Marias Familie einen Brunnen bauen lassen. Dieser lieferte reich­ lich Wasser, sodass sie es sogar zum Baden nutzen konnten. Franziscas Familie hinge­ gen hatte keinen Zugang dazu. Sie mussten zusehen. Aus dieser Situation entstand mehr als nur ein praktisches Problem. Über die Jahre hat­ ten sich Misstrauen, Neid und Verletzungen aufgebaut. Die Frage «Warum sie – und wir nicht?» blieb bestehen. Und genau dieser alte Konflikt war nun wieder präsent. Franziscas Familie hatte Angst, dass sich die Geschichte wiederholen würde und das Wasser erneut nicht mit allen geteilt würde.

Martin Baumann, Seit über 30 Jahren in Brasilien im Einsatz

Die ersten Leute freuen sich über das köstliche Nass.

Diese Schilderung machte mich nachdenk­ lich. Wir hatten im Vorfeld doch klar kom­ muniziert, dass das Wasser für alle gedacht ist und gemeinsam genutzt werden soll. Um die Situation zu klären, bat ich Maria dazu. Doch die Emotionen waren auf beiden Sei­ ten so stark, dass das Gespräch schnell in einen heftigen Streit überging. In diesem Moment sagte ich zu Maria: «Giesse nicht noch mehr Öl ins Feuer. Bitte schweig.» Dann zog ich mich zurück. Etwa zwei Tage später erhielt ich eine Sprachnachricht von Maria. Sie hatte das Ge­ spräch mit Franzisca gesucht. Beide Frauen hatten sich Zeit genommen, einander zuzu­ hören – und schliesslich Frieden geschlossen. Als wir in der darauffolgenden Woche ins Dorf zurückkehrten, um die Installation ab­ zuschliessen, hatte sich die Situation deut­ lich verändert. Nicht mehr nur sechs Fami­ lien interessierten sich für den Brunnen, sondern alle 25. Missverständnisse waren geklärt worden, und es war möglich gewor­ den, einander zu vergeben. Schritt für Schritt war Vertrauen neu gewachsen. Bald werden wir diesen Brunnen einweihen. Und wir freuen uns heute doppelt: über das Wasser – und über die Versöhnung. *Name geändert

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KAMERUN

Frieden leben lernen Was bedeutet Frieden, wenn Konflikte den Alltag prägen? Ein Blick nach Kamerun zeigt: Frieden entsteht nicht in Programmen, sondern in Menschen. Er wächst durch Entscheidungen, durch Ausbildung und durch Herzen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In Kamerun setzt sich unsere Partnerkirche damit auseinander, wie Frieden auch unter schwierigen Umständen gelebt werden kann.

Kamerun ist seit Jahren geprägt von poli­ tischen Spannungen, wirtschaftlichen Her­ ausforderungen und wachsender Unsicher­ heit. An der Generalversammlung der UEEC (Union der Evangelischen Kirchen Kame­ runs) im vergangenen Februar in Kousseri stand deshalb ein Gedanke im Zentrum, der zugleich einfach und herausfordernd ist: «Selig sind die Friedensstifter.»

wie sie Verantwortung füreinander über­ nehmen.

Das vergangene Jahr hat erneut deutlich ge­ macht, wie fragil die Situation im Land ist. Nach den Wahlen kam es zu Unruhen, die Todesopfer forderten, Gebäude zerstörten und Spannungen verstärkten. Auch Kirch­ gemeinden waren direkt betroffen: Men­ schen verloren ihr Leben, andere wurden entführt oder traumatisiert. In einer solchen Situation wäre es verständlich gewesen, wenn sich Gemeinden zurückgezogen hät­ ten. Doch genau das Gegenteil ist geschehen. Viele Gemeinden haben sich bewusst dafür entschieden, präsent zu bleiben. Sie beglei­ ten Familien, die unter den Folgen von Ge­ walt leiden, hören zu, wo Worte fehlen, und helfen dort, wo staatliche Strukturen an ihre Grenzen kommen. So werden sie für viele Menschen zu einem Ort, an dem Hoffnung wieder greifbar wird. Frieden beginnt im Innern Während der Generalversammlung wurde immer wieder betont, dass Frieden zuerst im Herzen eines Menschen entsteht. Wer Frie­ den weitergeben möchte, muss ihn selbst erfahren und lernen, ihn zu bewahren. Das bedeutet nicht, dass Konflikte verschwinden. Es bedeutet, dass wir anders mit ihnen um­ gehen. Dass wir Spannungen nicht verdrän­ gen, sondern ihnen mit Ehrlichkeit, Respekt und der Bereitschaft zum Dialog begegnen. In diesem Zusammenhang wurde auch

Gemeinden in Kamerun werden zu Orten der Hoffnung, indem sie Menschen konkret begleiten und Versöhnung im Alltag leben.

Doch was bedeutet es, ein Friedensstifter zu sein, wenn Menschen mit Verlust, Angst und instabilen Lebensumständen konfrontiert sind? Für die UEEC ist Frieden kein theoretisches Konzept und auch kein fernes Ziel. Er ist eine Haltung, die im Alltag gelebt wird. Er zeigt sich darin, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie Konflikten begegnen und

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KAMERUN

Durch Ausbildung wer­ den junge Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen und als Friedensstifter in ihren Gemeinschaften zu wirken.

deutlich, wie entscheidend Ausbildung ist. Frieden entsteht nicht zufällig. Er wächst dort, wo Menschen geprägt werden, wo sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte einzuordnen. Deshalb investiert die Kirche gezielt in Ausbildungszentren, in die Förderung junger Führungspersönlich­ keiten und in theologische Bildung. Frieden entsteht nicht zufällig. Er wächst dort, wo Menschen geprägt werden, wo sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte einzuordnen. Und die UEEC legt grossen Wert auf die Aus­ bildung und Vorbereitungen ihrer Mitarbei­ tenden, bevor diese ausgesandt werden, um an anderen Orten zu dienen. Sie lernen, im eigenen Leben verwurzelt zu sein, bevor sie Verantwortung für andere übernehmen. Denn Friedensstifter entstehen nicht durch Programme, sondern durch persönliche Rei­ fung, durch Beziehung und durch ein Leben, das im Frieden gegründet ist. Frieden verbindet Geschichten Wenn wir diese Entwicklungen betrachten, wird deutlich, dass sie nicht isoliert stehen. Auch in anderen Kontexten zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Artikel aus Albanien wird beschrieben, wie eine Frau nach einem schweren Verlust den Weg der Vergebung wählt und damit einen Kreislauf von Gewalt durchbricht. In der Ukraine erleben Men­ schen mitten im Krieg kleine, kostbare

Momente des Friedens im Zusammensein mit Familie und Freunden.

Diese Geschichten sind unterschiedlich, und doch tragen sie eine gemeinsame Botschaft: Frieden beginnt im Inneren eines Menschen – und wird dort sichtbar, wo er gelebt wird. Eine Einladung an uns Vielleicht ist genau das die Einladung, die sich auch an uns richtet. Denn Frieden ist kein Thema, das nur andere Länder betrifft. Er beginnt auch hier, in unserem eigenen Umfeld. In unseren Beziehungen, in unse­ rem Umgang miteinander und in der Art, wie wir auf Menschen zugehen. Auch in der Schweiz treffen wir täglich auf Menschen mit ganz unterschiedlichen Le­ bensgeschichten. Hinter vielen Begegnun­ gen stehen Erfahrungen, die wir nicht sehen. Gerade deshalb können kleine Gesten eine grosse Wirkung haben: ein offenes Ohr, ech­ tes Interesse oder die Bereitschaft, jeman­ dem Raum zu geben. Frieden ist nichts, das wir einfach erwarten können. Er ist etwas, das wir mitgestalten. Er wächst dort, wo wir uns berühren lassen, wo wir innerlich mitgehen und bereit sind, Ver­ antwortung zu übernehmen. Vielleicht be­ ginnt er genau dort, wo wir aufhören weg­ zuschauen – und anfangen, uns berühren zu lassen.

Basistext von Ptr. Salomon Hamadina, Präsident UEEC, zusammengefasst von Sarah Link

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ALBANIEN

Frieden als Entscheidung Als SAM global engagieren wir uns in unseren Ein­ satzländern und Projekten für Frieden. Unter dem Programmpunkt «Friedliche und inklusive Gesell­ schaften für eine nachhaltige Entwicklung» setzen wir uns beispielsweise gegen Mädchenbeschnei­ dung ein (Guinea – siehe letzte Focus-Ausgabe), fördern Witwen, die ihre Männer durch Terror verloren haben (Kamerun) oder sensibilisieren gegen Menschenhandel (Kambodscha). Doch was bedeutet Frieden, wenn das eigene Leben von Gewalt geprägt ist? Unsere Gastautorin, Dr. Elona Prroj, kommt aus einem Land, in dem die Blutrache Tradition ist. Sie kennt diese Realität aus nächster Nähe. Nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes traf sie eine Entscheidung, die alles veränderte – eine Entscheidung gegen Rache und für Vergebung.

Bild: Dr. Elona Prroj

Vergebung statt Rache Frieden ist ein Wort, das sich oft weit entfernt an­ fühlt – besonders dann, wenn das Leben von tiefem Verlust geprägt ist. Für mich ist Frieden

zur Zielscheibe werden können. Mein Mann lebte vier Jahre lang in dieser Situation, ein­ geschränkt in seinem Alltag und doch ge­ tragen von einem tiefen Vertrauen in Gott. Dann traf er eine Entscheidung, die alles veränderte. Er wollte nicht länger verborgen leben, sondern Gott dienen – sichtbar und offen. Er vertraute darauf, dass sein Leben in Gottes Händen liegt. Als seine Frau lebte ich in dieser Zeit mit zwei grossen Ängsten. Ich hatte Angst um sein Leben, aber auch Angst davor, ihn in seiner Berufung zurückzuhal­ ten. Am Ende traf ich meine eigene Ent­ scheidung: Ich wollte an seiner Seite stehen, egal wohin dieser Weg führen würde. Den Kreislauf nicht fortsetzen Ein Jahr später geschah das Unfassbare. Mein Mann wurde getötet. In einem einzi­ gen Moment brach meine Welt auseinander. Nichts war mehr, wie es vorher gewesen war. Der Schmerz war überwältigend, und alles in mir schrie nach Gerechtigkeit. Auch mein Umfeld erwartete, dass ich diesen Weg ge­ hen würde. In unserer Kultur wäre es normal gewesen, Rache zu fordern.

nicht einfach ein Zustand, sondern zu einer täglichen Entscheidung geworden. Zu einem Weg, den ich Schritt für Schritt gehe. Und zu einem Zeugnis von Gottes verändernder Kraft in meinem Leben.

Ich komme aus Albanien, einem Land, in dem Tradition, Ehre und Geschichte eng miteinander verwoben sind. Besonders im Norden prägt die Tradition der Blutrache noch immer viele Familien. Sie leben in Angst, in Isolation und in einem Kreislauf von Gewalt, der sich über Generationen hin­ weg fortsetzt. Lange Zeit war das für mich eine Realität, die ich kannte – aber nie ge­ dacht hätte, dass sie Teil meines eigenen Lebens werden würde. Gemeinsam mit meinem Mann leitete ich die «Word of Christ Church» in Shkodër. Auf­ grund eines Verbrechens eines Verwandten lebten 25 Männer aus seiner Familie unter ständiger Bedrohung. Jeder von ihnen hätte

Doch inmitten dieses Schmerzes erinnerte ich mich an die Worte Jesu: «Liebt eure

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ALBANIEN

Feinde und betet für die, die euch verfol­ gen.» Diese Worte, die ich so oft gehört und selbst weitergegeben hatte, wurden plötz­ lich zu einer persönlichen Herausforderung. Sie waren nicht länger Theorie, sondern eine Entscheidung, die ich treffen musste. Ich begann zu verstehen, dass Rache meinen Mann nicht zu- rückbringen würde. Sie hätte den Schmerz nur weitergetragen. Ich begann zu verstehen, dass Rache mei­ nen Mann nicht zurückbringen würde. Sie hätte den Schmerz nur weitergetragen – in eine andere Familie, zu einer anderen Frau, zu einer neuen Generation. Der Kreislauf der Gewalt hätte sich fortgesetzt, so wie er es schon seit Jahrhunderten tut.

sondern auch emotional und geistlich. Kin­ der wachsen in Angst auf, weil ihre Väter das Haus nicht verlassen können. Mütter tragen die ständige Sorge um ihre Familien. Viele Menschen leben gefangen zwischen Tradi­ tion, Schmerz und der Sehnsucht nach ei­ nem anderen Leben besonders in unseren Projektländern. In diesem Kontext ist Frieden keine abstrak­ te Idee. Er ist eine tiefe Notwendigkeit. Und doch beginnt echter Frieden nicht im Äusse­ ren, sondern im Herzen eines Menschen. In unserer Arbeit versuchen wir genau dort an­ zusetzen. Nicht jede Geschichte endet in vollständiger Versöhnung, aber jeder Schritt in Richtung Vergebung ist ein Schritt hin zu mehr Frieden.

Eine bewusste Entscheidung zur Vergebung

Der Blutracheturm (rechts) in Theth in den albanischen Alpen diente früher als Zufluchtsort für Männer, die von der traditionellen Blutrache bedroht waren.

Vergebung hingegen eröffnete eine andere Möglichkeit. Eine Möglichkeit, diesen Kreis­ lauf zu durchbrechen. Es war kein leichter Weg. Es war ein Prozess, der Zeit brauchte und der mich immer wieder herausforderte. Es gab Tage, an denen die Erinnerungen zu­ rückkamen und der Schmerz wieder spürbar wurde. Doch immer wieder traf ich die Ent­ scheidung, loszulassen und Gott zu vertrau­ en. Ich habe gelernt, dass Vergebung kein Gefühl ist. Sie ist eine bewusste Entschei­ dung, die oft mit einem hohen Preis verbun­ den ist. Vergeben bedeutet nicht, das Unrecht zu leugnen oder den Verlust klein­ zureden. Es bedeutet, Gott zu vertrauen, dass er gerecht ist – auch dort, wo ich es nicht verstehe.

«Frieden bedeutet für mich heute nicht, dass alles gut ist oder dass es keine Konflikte mehr gibt. Frieden bedeutet, dass Hoffnung Raum bekommt. Dass Menschen den Mut finden, anders zu handeln. Und dass sie be­ ginnen zu glauben, dass Veränderung mög­ lich ist.» So Dr. Elona. Meine Geschichte ist keine Geschichte von Stärke. Sie ist eine Geschichte von Gnade. Jesus ist mein Halt geworden in einer Zeit,

in der alles ins Wanken ge­ raten ist. Er hat mir gezeigt, dass selbst im tiefsten Schmerz Heilung möglich ist und dass Licht auch dort durchbrechen kann, wo alles dunkel erscheint.

Sich für Menschen einsetzen, die das Gleiche erleben

Heute darf ich aus dieser Erfahrung heraus anderen Menschen dienen. Mit der Stiftung «No Blood Feud – Yes to Life» begleiten wir Familien, die unter den Folgen der Blut­ rache leiden. Wir sehen täglich, wie sehr Ge­ walt Leben zerstört – nicht nur körperlich,

Text: Dr. Elona Prroj www.nobloodfeud.com, prrojelona@gmail.com

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ERLEBT

Zwischen Krieg und Hoffnung

Krieg ist in diesen Tagen kaum zu überse­ hen. Er zeigt sich nicht nur in Bildern zer­ störter Städte, sondern auch in Worten, Spannungen und in der Art, wie Menschen einander begegnen. Er hat viele Gesichter – und sie alle hinterlassen Spuren. In den letzten Monaten durfte ich Menschen begegnen, für die Krieg keine Schlagzeile ist, sondern Realität. Begegnungen, die mich nicht mehr loslassen. Eine davon ist Nastia, eine Musikerin aus Kyiv. Als sie einmal sagte: «I’m ready to die», blieb dieser Satz hängen. Nicht, weil er laut war, sondern weil er so still und erschöpft klang. Wochenlang lebten sie und viele an­ dere ohne Strom, Wasser und Heizung – bei eisigen Temperaturen und mit der ständi­ gen Angst vor neuen Angriffen. Solche Geschichten könnten aus vielen Tei­ len der Welt stammen. Sie lassen einen oft sprachlos zurück. Und doch gibt es auch an­ dere Momente. Vor wenigen Wochen gestalteten wir mit Central Arts in Zürich ein Chorkonzert für den Frieden. Über 300 Menschen standen auf der Bühne, mehr als 3000 im Publikum. Für einen Abend entstand ein Raum, der im starken Kontrast zu den Nachrichten stand – ein Raum, in dem Hoffnung spürbar wurde.

Elona aus Albanien hat dem Mörder ihres Mannes vergeben. Ein Schritt, der kaum vor­ stellbar ist – und doch zeigt, dass Verände­ rung möglich ist. Lydia aus dem Libanon lebt in einem Um­ feld, in dem sich Fronten schnell verschie­ ben. Von ihr haben wir gelernt, Menschen nicht vorschnell einzuordnen, sondern ihnen mit Offenheit zu begegnen. Und Nastia erinnert uns daran, dass Frieden oft im Inneren beginnt – nicht als Flucht vor der Realität, sondern als leiser Gegenpol zu ihr.

Jonathan Schmidt leitet Central Arts Internatio­ nal, eine Bewegung von Kreativen im Schnittfeld von Kunst und Glauben. Als Musiker und Initiator verschiedener Kunstpro­ jekte engagiert er sich dafür, dass Hoffnung, Glaube und gesellschaft­ liche Themen durch Mu­ sik und kreative Aus­ drucksformen erlebbar werden.

Über 300 Mitwirkende gestalteten in Zürich ein Friedenskonzert. (Bild: Central Arts)

Diese Begegnungen haben etwas in mir ver­ ändert. Ich merke, wie wichtig es ist, Span­ nungen auszuhalten, ohne daran zu zerbre­ chen, und sich berühren zu lassen, ohne die Hoffnung zu verlieren. Dabei spielen die Künste eine besondere Rolle. Musik, Worte und Bilder schaffen Räume, in denen Men­ schen einander neu begegnen können – Räume, in denen vielleicht ein erster Schritt entsteht. Frieden beginnt nicht erst dort, wo Konflikte verschwinden. Er beginnt dort, wo Men­ schen sich entscheiden, anders zu reagieren: im Zuhören, im Mitfühlen, im gemeinsamen Unterwegssein.

Im Zentrum standen drei Frauen, deren Ge­ schichten uns geprägt haben.

PACEM – Ein Friedensprojekt Das Projekt «PACEM» von Central Arts wurde von einem Film­ team begleitet. Die Dokumentation sowie ein Musikalbum mit Chornoten erscheinen im Oktober 2026 und laden dazu ein, sich kreativ mit dem Thema Frieden auseinanderzusetzen.

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AUS DER ROMANDIE

Sich tatkräftig für den Frieden einsetzen

Auch in christlichen Gemeinschaften wird manchmal sichtbar, dass aus Frieden Un­ friede werden kann – manchmal schlei­ chend, fast unbemerkt. Es beginnt dort, wo Menschen Entscheidungen treffen, die nicht mehr aus Liebe, Vertrauen oder Demut her­ aus entstehen. Stolz, Verletzungen, Unver­ söhnlichkeit oder fehlende Kommunikation können Beziehungen belasten. Äusserlich wirkt vieles stabil, doch innerlich wächst Unruhe. Frieden ist eben kein Zustand, der sich von selbst erhält. Er braucht Pflege, Auf­ merksamkeit und die Bereitschaft, sich von Gott prüfen zu lassen. Der Psalmist bringt dieses Ringen ehrlich vor Gott: «Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.» (Psalm 139, 23–24) Dieser Vers zeigt: Frieden beginnt im Her­ zen – und er bleibt nur, wenn wir uns immer wieder neu Gott öffnen. Der Glaube ist nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern ein Weg, der bewusst gegangen wird. Der Friede, den Gott schenkt, ist kraftvoll, aber er bleibt lebendig, wenn wir in seiner Gegenwart bleiben, uns korrigieren lassen und Schritte der Versöhnung wagen. Schritte zurück zum Frieden Wie solche Schritte aussehen können, durf­ ten wir in Guinea erleben. Über längere Zeit waren Spannungen und Missverständnisse innerhalb unserer Partnerkirche gewachsen. Gräben hatten sich vertieft, Vertrauen ist zerbrochen. Vieles schien festgefahren.

Doch Gott hat etwas Neues entstehen lassen. Menschen setzten sich wieder an einen Tisch, hörten einander zu, sprachen Dinge aus und baten um Vergebung. Unser Mitar­ beiter Ousmane durfte diesen Prozess be­ gleiten und erlebte, wie Schritt für Schritt wieder Vertrauen wuchs. Dass sich innerhalb der grössten evangeli­ schen Kirche Guineas ein Weg der Versöh­ nung öffnete, hat weit über die Gemeinde hinaus Wirkung. Es zeigt: Frieden ist ein Geschenk Gottes – und zugleich braucht es unsere aktive Mitarbeit. Wo Menschen be­ reit sind, sich prüfen zu lassen, Verantwor­ tung zu übernehmen und Schritte aufei­ nander zuzugehen, kann Frieden neu entstehen.

Alexandre Weiss, Bereichsleiter SAM global France und Pastor einer Kirche in Delle (FR)

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SAM FAMILY

SAM global

Aktuelles rund um unsere Mitarbeitenden auf der ganzen Welt

Schweiz

Teamwechsel gather4

Wir werden ihre Kreativität in Text und Bild und ihren erfrischenden Humor vermissen.

Mit unserem Weggang bei SAM glo­ bal verlassen wir, Michi und Annina, auch das Team von gather4. Wer unsere Community noch nicht kennt: gather4 ist eine Gruppe von Menschen von jung bis «alt», die sich regelmässig zu Wochenenden trifft und darüber hinaus im Aus­ tausch bleibt. Gemeinsam leben wir Gemeinschaft, teilen Glauben und stärken uns gegenseitig im Alltag. Uns alle bewegt die Frage, wohin uns Gott beruft. Michi und ich haben die Zeit mit gather4 als sehr wertvoll erlebt. Auch unsere Familien durften im­ mer wieder erfahren, wie stärkend echtes Miteinander sein kann: ge­ meinsam unterwegs sein, voneinan­ der lernen, geistliche Tiefe erleben, anpacken, lachen und das Leben geniessen. Wir haben uns mit Freude investiert.

Christa Hangartner, Co-Leiterin Finanzen, hat sich entschieden, dass es nach 4,5 Jahren bei SAM global Zeit wird, eine neue Herausforde­ rung anzunehmen und Ende Mai weiterzuziehen. Christa hat SAM glo­ bal und insbesondere die Finanz­ abteilung mit ihrem grossen Fach­ wissen und ihrer erfrischenden Art bereichert. Auch in der Geschäftslei­ tung wurden ihre Inputs enorm ge­ schätzt. Das strategische Denken von Christa, ihre freundliche Hart­ näckigkeit, ihre Begabung, Diskus­ sionen auf den Punkt bringend zu­ sammenzufassen und ihr frohes Lachen werden uns fehlen.

Michi Dufner, Leiter Kommunika­ tion, Sensibilisierung und Mobilisie­ rung, wird SAM global Ende Juni verlassen, da aus verschiedenen Gründen die Aufgaben nicht richtig gepasst haben. Wir haben ihn als motivierten und dynamischen Mit­ arbeiter in der Geschäftsleitung, als Chef des Kommunikations-Teams und als aktiven Mobilisator kennen­ gelernt. Michi hat sehr viel Herzblut in die Arbeit von SAM global inves­ tiert. Sein grosses Fachwissen in ver­ schiedenen Bereichen, seine Vernet­ zung, seine Leidenschaft für Jesus und junge Menschen und seine fro­ he Art werden uns sehr fehlen. Es fällt uns nicht leicht, diese drei wertvollen Mitarbeitenden ziehen zu lassen. Wir danken ihnen herz­ lich für ihr grosses Engagement und wünschen ihnen von Herzen alles Gute und Gottes Segen für ihre be­ rufliche und private Zukunft.

Annina Del Grande, Social Media Mitarbeiterin, hat sich ebenfalls ent­ schieden, SAM global Ende Mai zu verlassen, weil sie aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen ins­ gesamt kürzertreten muss. Annina hat mit ihrer fröhlichen Art viel fri­ schen Wind in den Social Media Bereich von SAM global und in die Kommunikationsabteilung gebracht.

Umso dankbarer sind wir, dass gather4 weiterhin in guten Händen bleibt. Das bestehende Team mit Raphael und Jürg Pfister wird er­ gänzt durch Joy Jattos. Sie ist seit diesem Jahr im Rechnungswesen bei SAM global tätig und bringt

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SAM FAMILY

durch ihre fröhliche Art sowie ihr berufsbegleitendes Studium am IGW frischen Wind ins Team.

gewidmet. Als Lehrerin war sie zu­ erst für die Ausbildung der Kinder unserer Mitarbeitenden zuständig. Aber schon bald musste sie sich der Buchhaltung und der Administra­ tion annehmen, sei es in der Lepra­ arbeit oder im Spital in Kalukembe. Und dies hat sie sehr gut und ge­ wissenhaft gemacht. Ihre Leiden­ schaft war aber auch die lokale Sprache Umbundu. Unter anderem verfasste sie ein Lehrmittel für die Grammatik. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz pflegte sie ihre Eltern in Brienz und arbeitete daneben bis zu ihrer Pensionierung noch teil­ zeitlich für SAM global, vor allem in der Buchhaltung für die SAM glo­ bal-Projekte in Angola. Mit Hanni hat uns eine Frau verlassen, die durch ihre exakte und treue Art sehr vieles bewegt hat im und für das Reich Gottes.

Im Heimataufenthalt Anna B. 12.4. – 19.6. Laurent & Miri I. 27.5. – 14.7. Sandro & Amélie M. 3.6. – 3.9. Peter & Cornelia F. 8.7. – 8.9. Emanuel & Renate W. 01.07. – 27.09.

Geburt

Am 11. Februar 2026 hat Jael Joy, Tochter von Röbi und Nicole Steiner, das Licht der Welt erblickt! Wir freuen uns mit der nun vierköpfi­ gen Familie und wünschen Gottes reichen Segen!

Todesfall

Nach einem reich erfüllten Leben ist Hanni Nyffenegger am 29. März 2026 im Alter von 92 Jahren «heim­ gegangen». Von September 1959 bis Juli 1988 hat Hanni sich vielen ver­ schiedenen Aufgaben in Angola

Events

Wir suchen dich!

Du möchtest mit Gott Geschichte schreiben und dabei konkret etwas bewirken ? Du möchtest deine Gaben einbringen und deine Berufung entdecken? Dann finden wir für deine Leidenschaft den richtigen Platz.

Ferienwoche 2026

11.– 18.07.26

SAM Fest

15.08.26

Mission 26 Aarau

26.09.26

Alle Informationen zu unseren Einsätzen findest du unter sam-global.org/einsatz

Guinea-Einsatz

05.–22.11.26

Praise Camp 27.12.26 – 01.01.27 Kambodscha-Einsatz 16.01.– 31.01.27

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Infos zu den Events sam-global.org/events

AUS DEM LEBEN

Antihelden in der Sauna

Am Männerwochenende im Ländli wird deutlich: Frieden beginnt oft dort, wo Menschen ehrlich werden. Zwischen Bibel, Gesprächen und sogar in der Sauna entsteht Raum für Themen, über die Männer sonst selten sprechen – und für die Erfahrung, dass Frieden nicht von per­ fekten Umständen abhängt. Als Referent am Männerwochenende im Ländli durfte ich mit rund hun­ dert Männern über die Geschichte vom verlorenen Sohn aus Lukas 15 nachdenken. Viele Väter und Söhne waren tief berührt. Denn Spannun­ gen in unseren Familien kennen wir alle – aber über das, was dahinter

Michi Dufner, Leiter Kommunikation, Sensibilisierung und Mobilisierung

liegt, sprechen wir selten: das Gefühl, allein zu sein, alles selbst stemmen zu müssen und die Ten­ denz, den inneren Schmerz mit Dingen zu kompensieren, die uns eher schaden als heilen.

Anders an diesem Wochenende: Da erzählte mir ein Vater, wie sein 16-jähriger Sohn heimlich das Familienauto ausführte und der Polizei frech zuwinkte – und wie er als Vater darauf reagierte. Ein anderer Mann vertraute mir unter Tränen an, dass er vor Kurzem seine Kündigung erhalten hat und nun mit fast sechzig Jahren Angst hat, keine neue Stelle mehr zu finden. Wieder ein ande­ rer sprach davon, dass er seit Jahren keinen Sex mehr mit seiner Frau hat und wie er versucht, sich irgendwie auf diesem Hochseilakt zu beweisen, so dass es ja nicht zur Scheidung kommt. Es sind Geschichten mit tiefen Sehnsüchten! Eine hört man stets gut heraus, es ist die Sehnsucht nach Frieden, nach Ruhe und danach, dass es einfach gut «läuft». Doch was schafft diesen Frie­ den, ist er realistisch? Müssen wir eher lernen, die Umstände anzunehmen statt sie wegzubeten, sie wegzudiskutieren oder sogar zu ignorieren? Einer der Männer sagte es mir sehr treffend, als wir gemeinsam in der Sauna sassen: «Michi, weisst du, wieso mir dieses Wochenende so guttut? Wir erzählen uns keine Heldengeschichten, wo wir glänzten, sondern wir erzählen uns unsere ‹Anti-Heldengeschichten› und das befreit, weil es zeigt, dass es allen so geht.» Und genau dort können wir lernen, in den Umständen Frieden zu stiften. Wow!

Später habe ich diese Aussage in der Geschichte vom Verlorenen Sohn aufgegriffen und so erläutert: «Wir dürfen verlorene Söhne sein – nur so erkennen wir die Liebe, die Annah­ me und die Bereitschaft des Vaters, seinem Sohn entgegenzurennen, als Geschenk, das wir uns NIE verdienen könnten.» Frie­

den ist demnach ein Geschenk, das darauf wartet, entgegen­ genommen zu werden . . .

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SAM FOCUS 2 | 2026

DIE LETZTE

Finanzpuls per 31.03.2026

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind Spenden in der Höhe von CHF 550 000 eingegangen. Damit liegen die Einnahmen derzeit rund 15 % (ca. CHF 100 000) unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Im Vergleich zum ersten Quartal 2025 bewegen wir uns zwar auf einem ähnlichen Niveau, allerdings haben wir das vergan­ gene Jahr mit einem Defizit von CHF 400 000 abgeschlossen. Dank Reserven, die wir in einzelnen Fonds in früheren Jahren aufbauen konnten, ist ein solcher Verlust tragbar. Gleichzeitig sehen wir uns herausgefordert, auch in der aktuel­ len Situation mutig weiterzugehen. Dazu gehören Projekte wie der Aufbau von Schu­ len in Guinea oder die fit2work-Initiativen in Asien, die sich noch im Aufbau befinden und bisher von kleinen Trägerkreisen getragen werden. Unser Anliegen bleibt es, Menschen, Organi­ sationen und Gemeinden in der Schweiz zu finden, die unsere Vision teilen, sich enga­ gieren und gemeinsam mit uns dazu bei­ tragen, dass wir unseren lokalen Partnern

auch in Zukunft ein verlässliches Gegenüber sein können.

Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen offenen finanziellen Fragen und neuen Mög­ lichkeiten richten wir unseren Blick bewusst auf Gott, unseren Versorger. Wir sind dank­ bar für seine Führung – und ebenso für Ihre wertvolle Unterstützung durch Gebet, Zeit und finanzielle Beiträge.

Peter Röthlisberger, Co-Leiter Finanzen

Spenden und Legate 2026

Soll Ist

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Gestaltung, Layout Uftritt GmbH, uftritt.ch Bildquellen Bildarchiv SAM global, Freepik, Dr. Elona Prroj, Central Arts Druck Jordi AG, Bern-Belp Auflage 5800 Exemplare / vier Mal jährlich

Wolfensbergstrasse 47 CH-8400 Winterthur 052 269 04 69 winterthur@sam-global.org www.sam-global.org Redaktion Sarah Link und Team

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SAM FOCUS 2 | 2026

Während wir online zu viert über den Themen brüte­ ten, mit denen wir diese Ausgabe füllen wollten, fiel mein Auge im Büro meines Vaters, wo ich ausnahms­ weise Homeoffice machte, auf obigen Vers. Abge­ druckt auf einer kleinen weissen Karte, lehnte er un­ scheinbar und halb versteckt hinter einem Bergkristall an der Wand. Es ist der einzige Vers im Büro. Hätten wir uns nicht bereits für das Thema «Frieden» ent­ schieden, hätte ich ihn wohl nicht weiter beachtet. Nun aber nahm ich ihn in die Finger, um ihn den ande­ ren zu zeigen. Etwas an diesem Vers bewegte mich. Wieso war er mir früher nie aufgefallen? Bestimmt stand er schon seit meiner Kindheit da und wartete . . . wartete auf diesen Moment. Auf den Moment, in wel­ chem er mich berühren würde. Kurz nach der Sitzung merke ich: Genau das habe ich gebraucht. Es gibt

momentan einige Dinge, die mir sehr nahe gehen. Drei mir nahestehende Menschen gehen durch schwierige Lebensphasen. Alle müssen auf ihre Art «aufräumen». Dieser Prozess wühlt auch mich auf. Wie gut ist es doch, dass Gottes Wort einfach zur pas­ senden Zeit in mein Leben spricht – danke, himm­ lischer Vater! Danke, dass du an mich denkst, selbst wenn ich dich manchmal aus den Augen verliere und mich dann umso leichter aus der Ruhe bringen lasse! So nimm du das Zepter wieder in die Hand und lehre mich, deinem Frieden Raum zu geben.

Mögest du etwas vom Frieden spüren, der in den Berichten mitschwingt.

Robert Steiner

sam-global.org

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