MeinHaus&Grund_Wohnträume

Mein Haus &Grund Eigentum. Schutz. Gemeinschaft. Schleswig-Holstein

Füreinander da sein Jung und Alt auf einem Hof Ein Zuhause auf Zeit Co-Living mit Charme Der Geist des Hauses Architektur und Psychologie

Das Runde im Eckigen Dom + Haus = Domhaus

Wohn(t)räume

THIS IS THE DRAWING(S) REFERRED TO IN THE ACCOMPANYING APPLICATION DATED: SIGNED: 22 August 2013 PLANNING Editorial

S e c t i o n

A - A S c a l e 1 : 1 0 0

P e r s p e c t i v e

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Live erleben: NordBau 2021 | Halle 5 Stand 5426 und 5000

Liebe Leserinnen und Leser,

Change in section line/ cut position for illustrative purposes only

Project „Vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“ ist ein unerfüllter Wohntraum des Schriftstellers Kurt Tucholsky. Hier fallen einem sofort die drei wertbildenden Faktoren des Maklers ein: „Lage! Lage! Lage!“. Die Lage kann ein wichtiges Kriterium dafür sein, sich einen Wohntraum zu erfüllen, muss es aber nicht. An welchem Ort man sich den Traum der eigenen vier Wände vorstellt, ist naturgemäß eine subjektive Sicht- weise. Das kann für einen der Meerblick sein, andere verbinden damit ein urbanes Lebensgefühl, wenn wir auf das Eingangszitat zurückkommen. Proposed Dwelling House at Former M.O.D Observation Post (50) Portpatrick for Mr & Mrs Orr Ewing

Drawing Title

ROBERT POTTER & PARTNERS CHARTERED ARCHITECTS, PROJECT MANAGERS & TOWN PLANNING CONSULTANTS 7 MILLER ROAD, AYR Die Klammern um das „t“ bei unserem Titel „Wohn(t)räume“ weisen darauf hin, dass es auch beim Eigenheim um innere Werte geht. Wenn ich meine Wohnräume traum- haft gestalte, kann das die Erfüllung meines Wohntraums sein, ganz unabhängig davon, ob die Immobilie auf dem Land oder in der Stadt gelegen ist. Sections & 3D Images 1 : 200 21/06/2013 GEJ Stellt sich noch die Frage, ob wir von einem großen oder kleinem Wohntraum spre- chen. Obwohl der Wohnflächenverbrauch p o Person ständig steigt – was für eine große Wohnung spricht – sind „Tiny Houses“ der neue Trend. 51 NEWALL TERRACE, DUMFRIES 87 HANOVER STREET, STRANRAER 169 ELDERSLIE STREET, GLASGOW KA7 2AX DG1 1LN DG9 7RS G3 7JR 01292 261228 01387 255509 01776 703453 0141 3329111 5848/05

Wir schützen Wohn(t)räume.

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Sie sehen, Vielfalt ist Trumpf. Darum haben wir in unserer aktuellen Ausgabe unseres Magazins „Mein Haus & Grund“ ganz verschiedene Menschen begleitet, die uns ihren „Wohn(t)raum“ der eigenen vier Wände vorstellen. Viel Spaß bei der Lektüre!

F I N A L I S T Großer Preis des MITTELSTANDES

Herzlichst

Hans-Henning Kujath Verbandsdirektor

Alexander Blažek Vorsitzender

www.ccm-europe.com

16

INHALT | 5

INHALT

Natürlich

In der Mitte

Fakt

Ratgeber

33

6

46 Rechtstipp

Die Zahl der Ausgabe und was sich dahinter verbirgt

Nur klein oder auch oho?

48 Versicherungstipp

Titelthema: Wohn(t)räume

Schutz in den eigenen vier Wänden

10 Füreinander da sein

50 Verbrauchertipp Smart Home

54

22

Jung und Alt auf einem Hof

16 Wohnen in der Mitte Klein, aber fein

Verschiedenes

22 Ein Zuhause auf Zeit Co-Living mit Charme

54 Chef.Koch.Tipp.

Wir sitzen alle an einem großen Tisch

Auf Zeit

27 Der Geist des Hauses Architektur und Psychologie

60 Mitglied werden

Robert Stolz

Wie es geht, warum es sich lohnt

32 Das Runde im Eckigen Dom + Haus = Domhaus

10

62 Impressum

Rechtstipp 46 Versicherungstipp 48 Verbrauchertipp 50 Genusstipp 57

Standpunkt

Füreinander

38 My Home is my Offi ce Michelle Euzet

Menschen

44

38

44 Sabine Sütterlin-Waack Zehn Fragen an die Ministerin

Sabine Sütterlin-Waack

Geistreich

27

Michelle Euzet

6 ZAHL DER AUSGABE

57 Prozent der Befragten der Generation 50 plus in Deutschland gaben an, dass sie im Alter von 70 Jah- ren gerne in einer Wohnung bzw. einem Haus leben würden, in der bzw. dem sie Hilfe in Anspruch neh- men können. 32 Prozent könnten sich hierbei Mehr- generationenhäuser als Wohnform vorstellen. Die Zahl der Ausgabe

Wie das Wohnen im Mehrgenerationenhaus aussieht, erfah- ren Sie in unserer Hauptreportage ab Seite 10.

Versicherung weitergedacht – intelligente Lösungen für Ihr Zuhause

Wohn(t)räume Dabei denken viele an exklusive und hochwertige Wohnimmobilien. Mittler- weile jedoch rücken auch neue, alternative Wohnformen und -projekte in den Blickpunkt. Einige Varianten stellen wir Ihnen vor. Tauchen Sie ab und entde- cken Sie Mehrgenerationenwohnen, Co-Living und das Wohnen in Tiny Houses.

Alle Sicherheit für uns im Norden.

TITELTHEMA 11

v. l. n. r.: Rabea Schwarz, geb. Gätje, mit Tochter und Ehemann Christoph, Astrid und Hajo Gätje

Füreinander da sein

Single- und Zwei-Personen-Haushalte sowie die Kleinfamilie. Dennoch ge- winnen Gemeinschaftlichkeit und eine größere Vielfalt beim Wohnen für die Zukunft an Bedeutung. Dabei entstehen eher Wahlverwandtschaften aus Eigen- tümern und Mietern als die klassische Großfamilie, wenn sich Jung und Alt zusammenschließen – meist mit einem flexiblen Konzept zu gegenseitiger Hilfe sowie der toleranten Haltung „Leben und leben lassen“. Keimzelle dieser Idee ist die 68er-Generation, die jetzt alt wird. Die hat schon immer offenere Lebensmodelle gepflegt. Sie macht sich halt früher Gedanken, wie sie mit 80 leben will. So in etwa muss es gewesen sein, als eine Kieler Familie mit sechs Kindern zwischen zwei und vierzehn Jahren den alten Hof in Großbarkau 1995 kaufte. >>

Schleswig-Holstein mit knapp 260 Ein- wohnern. Beispielgebend nicht zuletzt deshalb, weil sich dort das Leben mit allen Generationen unter einem Dach

2006 war Ursula von der Leyen noch niedersächsische Familienministerin. Sie nahm an, die Alten hätten im Alltag im Vergleich zu früher nicht mehr viel mit den Jungen zu tun. Daraufhin regte sie die Förderung von sogenannten „Mehr- generationenhäusern“ an. Was einmal als offene Nachbarschaftstreffpunkte für familienorientierte Aktivitäten gedacht war, hat sich in der Zwischen- zeit zu einer modernen Wohnform entwickelt. Sie bezeichnet das freiwillige Zusammenleben mehrerer unabhängi- ger und verschieden alter Personen in einer sehr großen Wohnung oder einem Haus. Vorbildlich umgesetzt findet sich diese Lebensweise auf dem Wiesenhof in Großbarkau, einer Gemeinde in der Region Barkauer Land im Kreis Plön in

Hier hängt der Haussegen verblüffend gerade

entgegen allen Erwartungen ausgespro- chen harmonisch ausnimmt. Konflikte, Zank und Türenknallen bilden die Aus- nahme. Im Gegenteil: Das Modell, was wir vorfinden, scheint die Beteiligten sogar richtig glücklich zu machen. Fast die Hälfte der Deutschen wünscht sich ein solches Leben als Großfamilie, selbst wenn dieses statistisch gesehen ein Leben gegen den Trend ist. Vor allem in großen Städten dominieren

Die Babyboomer gehen in Rente, sind aber noch lange kein altes Eisen. Im Gegenteil: Sie sind Pioniere innovativer Projekte, mit denen sie „by the way“ ihre Vision vom gemeinschaftlichen Wohnen verwirklicht haben. Jung und Alt auf einem Hof

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gab. 2013 wurde es notwendig, die mit asbesthaltigem Material belasteten Dachflächen (ca. 2.000 Quadratmeter) zu erneuern und mit Trapezprofilen einzudecken. Das trägt gleichzeitig dem Grundsatz „Instandsetzung geht vor Modernisierung, Instandsetzung und Modernisierung gehen vor Abriss“ Rechnung. Altbauten derart kostenin- tensiv zu sanieren und in ihrer Bausub- stanz zu erhalten, will wirtschaftlich durchdacht und dementsprechend finanziert sein. So ist im letzten Vierteljahrhundert ein Hof mit mehr als zehn Wohnungen ent- standen. Bewohnt von einer alters- >>

mittelständischer Betriebe in Kiel und Henstedt-Ulzburg zu einer leistungs- starken Vertriebsgruppe innerhalb der Präzisionswerkzeugindustrie, einem der größten Fachzweige des Maschinen- baus, trägt seine Handschrift. So ver- wundert es nicht, dass in den folgenden fünf Jahren auch die restlichen Gebäu- deteile – namentlich die Wagenscheu- ne und die angrenzende ehemalige Getreidetrocknungsanlage – zu sieben Wohnungen, Pferdeställen und einer Reithalle umgebaut wurden. Ein zentrales Anliegen hierbei war es, die Ursprünglichkeit der Gebäude und den Charakter eines „Hofes“ aus der unmittelbaren Entstehungszeit des Dorfes zu erhalten. Zeugnis davon gibt das nahezu unverändert gebliebene äußere Erscheinungsbild des Gebäudes, was sich nur durch die konsequente Beibehaltung der Maße der Baukörper erreichen ließ. Diese gewissenhafte Anpassung an den landwirtschaftlich prägenden Baustil ist umso bemer- kenswerter, als der „Wiesenhof“ nicht einmal unter Denkmalschutz stand und es diesbezüglich kaum Auflagen

Astrid und Hajo Gätje übernahmen den landwirtschaftlichen Betrieb in der Absicht, selbigen in ein Wohnhaus umzubauen. Dabei hatten sie sich wohl ein Stück weit die These des Univer- salgelehrten Erasmus von Rotterdam, nach der die höchste Form des Glücks ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit sei, zu Eigen gemacht. Schließlich besteht der Hof gleich aus vier großen Gebäuden mit einer Grund- fläche von ca. 1.600 Quadratmete n. Allein aus dem Hauptgebäude, in dem sich die Hauptwohnung, eine große Tenne, ein Kuh-, ein Schweine- und ein zur Garage umfunktionierter Pferde- stall sowie ein Heuboden gigantischen Ausmaßes befanden, mussten 40 An- hängerladungen Stroh abgetragen und entsorgt werden. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis die ausgedroschenen und trockenen Blätter und Halme in einem abgelegenen Winkel des zum Grund- stück gehörenden vier Hektar umfassen-

den Weidelandes verrottet waren. Für die umfangreichen Aufräumungs- und Renovierungsarbeiten auf dem Grund- stück in der Dorfmitte gegenüber dem Dorfteich bedurfte es vier polnischer Helfer und einer für das leibliche Wohl der Arbeiter sorgenden Köchin. Mit deren Hilfe konnten die neuen Eigentü- mer drei Monate später in die ehemali- ge Wohnung des Hofes einziehen. Selbst ist der Mann, doch dieser Mann im Haus erspart den Zimmermann Mehr als alles andere jedoch brauchte es das handwerkliche Geschick von Hajo Gätje, der seit 1976 Mitglied von Haus & Grund Kiel ist. Als erstes schaff- te er einen deutschen Bohrhammer und einen japanischen Gabelstapler an. Den Hof zu sanieren, stellte ihn und sein Team vor gewaltige Herausforderun- gen. Wie gut, dass er sich beruflich mit Präzisionswerkzeugen, Spannvorrich- tungen, Handwerkzeugen, Maschinen und Betriebseinrichtungen beschäftigte und auskannte. Der Ausbau zweier

Bei der Suche nach neuen Nutzungen für die Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Hofes war es das erklärte Ziel, die Bausubstanz weitgehend behutsam zu erhalten.

Wo früher Tiere standen, herrscht heute reger Betrieb. Schon nach wenigen Umbaumaßnah- men entstanden ein großer Gemeinschaftsraum, Handwerkerräume, ein Künstleratelier und nicht zuletzt eine Reihe an Mietwohnungen. Da staunen selbst die Pferde!

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gemischten Mieterschaft, bestehend aus Senioren, Singles, Paaren und Familien mit Nachwuchs. Dass auf dem Gehöft gut und gerne gelebt wird, lässt sich vor allem daran erkennen, dass die jüngsten Kinder der Gätjes, Aaron und Rabea, im „Heimathafen“ des elterlichen Gutes verblieben sind. Während der Sohn als ausgebildeter Landschaftsgärtner für die naturnahe Gestaltung des Geländes Sorge trägt, plant die gelernte Erziehe- rin Rabea Schwarz, in der hofeigenen Reithalle Hippotherapie anzubieten. Gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Schwarz und ihrer kleinen Tochter lebt sie in einer Loft-Wohnung mit umlau- fender Galerie und Dachterrasse, die vor zwei Jahren im ehemaligen Schwei- nestall entstanden ist und als außer- gewöhnlicher Wohnraum bezeichnet werden kann. In der Vergangenheit standen auch die große Tenne sowie andere Ge- meinschaftsräume für verschiedenste Veranstaltungen und Seminare zur Ver- fügung. Raum gefunden haben dort zu- dem eine Filz- und Nähwerkstatt, in der ab und an zwei ältere Damen tätig sind, sowie ein Künstleratelier, das eine wei- tere Tochter zum Malen nutzt. Wenn im Übrigen alle mittlerweile erwachsenen Kinder ihren Eltern mit eigenem Anhang einen Besuch abstatten, kann es auf dem „Wiesenhof“ richtig eng werden. Dann kommen schnell einmal 20 Per- sonen zusammen, die Übernachtungs- möglichkeiten benötigen. Auch dafür hat Hajo Gätje eine passende Lösung gefunden und neben einem bereits bestehenden Minihaus, das auf dem Chassis eines Miststreuers aufgebaut ist und Aaron fünf Jahre als Wohnung diente, gerade ein zweites Tiny-House fertiggestellt. Hierzu hat er das Anhän- gerfahrgestell eines ausrangierten Last- kraftwagens des Technischen Hilfswerks auseinandergeschweißt und um drei Meter auf eine Gesamtlänge von sieben Metern verlängert. So ist ein weiteres

Nach nur gut einem halben Jahr Bauzeit entstand dieses Tiny House, das aus einem hochwertigen Holzaufbau besteht.

überlegene Ruhe aus. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die Gätjes von der Last des Eigentums befreit haben. Sie haben den „Wiesen- hof“ zu gleichen Teilen auf ihre sechs Kinder übertragen, in der Gewissheit, dass diese immer wieder zurückkehren an jenen Ort, den sie Zuhause und den sie Heimat nennen. <<

Wir bekommen richtig Lust, einen Kurz- urlaub oder ein Wochenende in diesem gesundgeschrumpften Domizil zu verbringen. Zumindest fühlen wir uns durch die besondere Umgebung, in der wir uns befinden, geradezu eingeladen. Das liegt nicht zuletzt an Astrid Gätje, deren einnehmende und fröhliche Persönlichkeit sie zum Kristallisations- kern des Mehrgenerationenwohnens auf dem „Wiesenhof“ werden lässt. Mit ihrer gewinnenden Art und ihren philanthropischen Überzeugungen hält sie die unsichtbaren Fäden der Verbun- denheit zusammen. Und gleichzeitig strahlt sie bei allem, was sie sagt, eine

sehenswertes Modulhaus entstanden, das sämtliche Wohnbereiche, die ein normales Leben im Alltag ermöglichen, auf geringer Quadratmeterzahl zusam- menfasst. Geradezu luxuriös nehmen sich das separate Kinderschlafzimmer Wenn‘s mal richtig eng wird: das Minihaus im Garten als Wohnraumerweiterung mit Hochbett für zwei Kinder und ein abgetrenntes Bad mit Toilette und Du- sche aus. Hier gilt: Ein Tiny-House ist ein Minihaus, kein Puppenstübchen.

Modern geht es in der Loft-Wohnung der Familie Schwarz zu; anderenorts dominiert klassischer Landhausstil.

Enkel v. l. n. r.: Helena Maria, Finn Ole, Niklas, Jasper mit Philippa Maria im Arm, Erik Jonte, Liv Greta, Henri

Kinder der Gätjes v. l. oben nach r. u.: Aaron, Sören, Christoph, Rabea, Linda und Julika

TITELTHEMA 17

Wohnen in der Mitte

Die Kieler Innenstadt ist im Zusammen- spiel mit der Förde der Mittelpunkt, das Herz der Landeshauptstadt Schleswig- Holsteins. Ihre Bedeutung erlangt sie über die Rolle als Ort des Handels und der Dienstleistungen, der Kultur- und Freizeitgestaltung, des Tourismus, der Hotellerie sowie als Drehscheibe des Individual- und Wirtschaftsverkehrs im nördlichsten Bundesland Deutschlands. Gegenwärtig wird die City den Ansprü- chen an eine vitale Mitte allerdings nur bedingt gerecht. Seit langem manifes- tiert sich dort wie in vielen Zentren eine schleichende Erosion mit der Konkur- renz durch großflächige Einzelhandel - betriebe in städtischen Randlagen und den explodierenden Online-Handel. Nun hat die Corona-Krise die Strukturproble- me und Funktionsverluste auf dramati- sche Weise beschleunigt. Äußere Zeichen des Niedergangs sind Leerstände und Niveauverluste im Ein- zelhandel, die Insolvenzen bekannter In- nenstadtketten sowie die Verdrängung traditionsreicher Gastronomie durch Systemgastronomie. Zu den augenfäl- ligen Problemen gehören jahrzehnte- lange Versäumnisse der Kommunen in der städtebaulichen Gestaltung des öffentlichen Raumes. Zahlreiche Berei- che im Stadtzentrum präsentieren sich – vom neu gebauten Holstenfleet einmal

Hat gut lachen, vor allem aber gute Ideen: Daniel Hacker betreibt in vierter Generation das Modehaus Meislahn in Kiel. Jetzt ist er zudem Vermieter aus Leidenschaft.

reden, lässt einer den Worten Taten folgen:

abgesehen – zunehmend nicht mehr zeitgemäß. Untergenutzte, teilweise verunstaltete Flächen und Immobilien sowie erneuerungsbedürftige Plätze und Wege bilden den aufwertungsbe- dürftigen urbanen Raum. Die Vielfäl- tigkeit der Innenstadt gilt es daher zu erhalten und durch die Realisierung von wichtigen Impulsprojekten und Initiati- ven zu stärken. Während viele andere Geschäftsleute von derlei Anstößen nur

Daniel Hacker wollte nicht warten, bis das Sterben anderer Fachgeschäfte das alteingesessene Mode- und Wäsche- haus Meislahn an seinem prominenten Standort an der Ecke Holstenstraße/ Holstenbrücke direkt am Berliner Platz erreichen würde. Der 59-jährige Tex- tilbetriebswirt führt den Familien- >>

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Wenn es um Innenstadtentwicklung geht, wird viel geredet und wenig gehandelt. Es braucht Pioniere, die sich auf den Weg machen und Probleme lösen. Das schien uns erzählenswert. Klein, aber fein

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Mikro-Immobilien stehen für Wohnkomfort mit funktionellen Raum- konzepten. Sie fi nden sich oft dort, wo das Geschäftsleben pulsiert.

Auto und nervtötende Parkplatzsuche. All das ist in der Stadt kein Prob- lem. Hinzu kommt, dass in der Stadt zwangsläufi g eine gewisse Anonymität herrscht – für viele ein Stück Freiheit. Das sprichwörtliche Motto von Haus & Grund „Leben in der Stadt bringt Leben in die Stadt“ aufzugreifen, diese Idee hatten Daniel Hacker und seine Frau Isabell, die den Einkauf der Damenmo- de bei Meislahn organisiert, schon seit einigen Jahren. Nun war die Zeit reif, die Pandemie nur Verzögerung, keine Verhinderung. So sind in der energe- tisch aufwendig sanierten vierten und fünften Etage des Geschäftshauses zehn vollwertige Einzimmerwohnungen mit einer Gesamtwohnfl äche zwi- schen etwa 30 bis 40 Quadratmetern entstanden. Dort, wo sich ehedem die hauseigene Schneiderei und die Kantine befanden, laden nun helle und freund- liche Mikro-Apartments mit moderner Ausstattung, in der Regel einem Wohn- und Schlafraum, einem Bad und >>

Worten um die vielfältige Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, bei denen die freie Entfaltung der Persönlichkeit im Zentrum steht. Gemeint ist, dass sich durch die veränderte Arbeitswelt und das Homeoffi ce andere Erfordernisse ergeben haben, die Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten nahezu aufge- hoben ist. Der Mensch erfi ndet sich neu. Klar ist, es braucht differenzierte Wohnraum- angebote für eine immer individueller werdende Gesellschaft. Der Qualität von Wohnungsgrundrissen wird deshalb künftig mehr Bedeutung zugestanden werden müssen. Dem Umstand, dass überwiegend junge Menschen dem Leben in der Stadt den Vorzug geben, wollte Daniel Hacker Rechnung tragen. Seiner Ansicht nach bietet das Stadtle- ben einen Mehrwert an Unterhaltung und Freizeitangeboten. Mal schnell zum Shoppen in die Fußgängerzone oder am Abend ins Kino, wohlgemerkt ohne

betrieb, der im nächsten Jahr seinen 140. Geburtstag feiert, in der vierten Generation. T radition verpfl ichtet. Aber eben auf etwas andere Weise, als man denken mag. Altes bewahren, gut und schön und sicher richtig – auch für Daniel Hacker. Er jedoch denkt lieber an morgen, als sich allzu lang mit der Vergangenheit zu beschäfti- gen oder ihr gar verhaftet zu bleiben. Nicht zuletzt im Interesse seiner Kinder, von denen mindestens eines später in die Fußstapfen des Vaters treten soll. Wo andere immer wieder versuchen, Handel durch Handel zu ersetzen, setzt der Meislahn-Chef auf die treiben- de Kraft der Veränderung. Er ist fest davon überzeugt, dass herkömmliche Nutzungskonzepte ausgedient haben. Gemessen an der Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft sind die Konzeption und der Aufbau gewerblich genutzter Immobilien einem ständigen Wandel unterworfen. Heute geht es um Diversität und Resilienz, mit anderen

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Ein Blick aus dem Cabrio-Fenster lohnt sich: Der Holstenfleet in Kiel wurde beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet.

spezielle Zielgruppen sind bestimmte Merkmale wie zum Beispiel Fahrradab- stellräume in jeder Wohnetage oder ein durchdachtes Konzept für die Fahrstuhl- nutzung in einem mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus von größerer Bedeutung als mehr Stauraum in der Wohnung. All das hat Daniel Hacker mitbedacht, um seine Vision eines besseren Lebens in der Stadt zu entwickeln. Gleich- wohl hat auch er Erwartungen an die Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand in Kultureinrichtungen und in den öffentlichen Raum. Es müssen Anreize geschaffen werden, andere Akteure vor Ort zum Handeln zu bewegen. Nur so kann die Pr ofi lbildung der Stadt gelingen, verloren geglaubte Identi- tät zurückgewonnen, neue gestiftet werden. Ein Anfang ist gemacht. Jetzt heißt es in Anlehnung an Altbundesprä- sident Joachim Gaucks Buch mit dem Titel „Denkstationen eines Bürgers“: Nicht den Ängsten folgen, den Mut wählen. <<

Szeneviertel zur Verfügung stehen. Neben Studenten kommen Berufstätige als Zielgruppe in Betracht, die fernab des Stadtzentrums leben möchten, jedoch eine Zweitwohnung im Zent- rum benötigen, um den Arbeitsweg so kurz wie möglich zu halten. Darüber hinaus eignen sich die Mini-Flats für Personengruppen, die zeitlich befristete Mietverträge bevorzugen. Dieses trifft zum Beispiel auf Arbeitnehmer zu, die für einen gut bezahlten Job einen bestimmten Zeitraum in eine andere Stadt ziehen.

einer Küchenzeile, zu innovativem Wohnen und Leben in städtischer Top- Lage ein. Unterstrichen wird diese durch besonders schöne Aussichten auf das Rathaus, die Nikolaikirche, das Holsten- fl eet und den Bootshafen. Ermöglicht durch in die Dachschräge integrierte Cabrio-Fenster, die sich ausklappen und in kleine Balkone, auf die man hinaus- treten kann, verwandeln lassen. Durch ihre Größe – sie reichen vom Boden bis fast zur Decke – und ihre Klappfunktion steigern sie den Wert von Wohnräumen unterm Dach enorm. Die Reduzierung der W ohnfl äche muss also keineswegs mit einer Reduzierung der Wohnqualität einhergehen. Attraktiver Wohnraum lässt sich eben auch auf kleinen Grundrissen realisie- ren. Natürlich sind ein wenig Flexibilität und Kreativität gefragt, wenn es um die Zusammenlegung von Schlafen, Essen und Aufenthalt geht. Für junge Großstädter alles kein Problem, wenn zum Ausgleich die unmittelbare Nähe zur Ausbildungs- oder Arbeitsstätte, zur Universität oder zum geliebten

Nachfrage nach Mini-Flats sprunghaft angestiegen

Die Nachfrage nach Mikro-Apartments ist in mittelgroßen Städten und Groß- städten gleichbleibend hoch, in Univer- sitätsstädten sogar durchweg steigend. Ein entsprechendes Vermietungskon- zept hat langfristig gute Erfolgsaussich- ten, in zentralen City-Lagen aufgrund der hohen Arbeitsplatzdichte mehr noch als in anderen Stadtgebieten. Für

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Haus erwirbt, dazu noch ein baufälliges altes Gemäuer mit einem verwilderten Garten und schwierigen „Bestandsmie- tern“, ist herausfordernd. Da kann man jede Unterstützung gebrauchen. Die bekam ich von meinem Haus & Grund- Verein.“

Der französische Denker Michel Fou- cault hat in einer frühen Phase seiner Philosophie den Begriff „Heterotopie“ verwendet. Damit bezeichnet er Orte und Räume, die anders sind und nach eigenen Regeln funktionieren. Die in Großhansdorf, einer Waldgemeinde in der Metropolregion Hamburg, gelegene „Hopfenbachvilla“ lässt sich ohne Wei- teres als ein solcher Ort mit ebensolchen Räumen bezeichnen. 1908 als typische Jugendstil-Villa erbaut, liegt das Dreigiebelhaus gleich einem „Hidden Place“ wie zufällig in eine malerische Bilderbuchlandschaft eingebettet. Umgeben von einem parkähnlichen Garten mit altem Baum- bestand, Staudenbeeten und grünen Hängen grenzt das verwunschene Do- mizil an den Hopfenbach, einen knapp sechs Kilometer langen Nebenfluss der Hunnau im Stadtgebiet von Ahrens- burg im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn. Selbst wenn die Fassade auf den ersten Blick ein wenig unschein- bar wirkt, springt den Betrachter die bewegte Geschichte des Hauses und seiner Bewohner förmlich an. Viele bauzeitliche Architekturelemente sind noch erhalten. Während Farbe und Putz den Haftwurzeln des entfernten Efeus an der einen oder anderen Stelle ihren Tribut zollen mussten, hat das nahezu unverändert gebliebene äußere Erscheinungsbild des Anwesens von vielfältigen Sanierungsbemühungen profitiert. Kurz gesagt: Es steckt viel Liebe und Herzblut drin. Wieviel, davon weiß Eigentümerin Angela Debes zu berichten, die ihr Elternhaus 2012 in den Familienbesitz zurückgekauft hat und seitdem auch Mitglied von Haus & Grund Ahrensburg ist. Ihre Beweggrün- de, dem Verein beigetreten zu sein, kamen dabei nicht von ungefähr, wie sie darlegt: „Sich mit 65 Jahren mit einem hohen Darlehen zu belasten, weil man unter Einsatz sämtlicher Rücklagen zum ersten Mal im Leben ein eigenes

Ein Zuhause auf Zeit

Paradiesischer Garten am Hopfenbach

Nicht nur mit diesem waghalsigen Schritt, sondern bereits seit Kindes- beinen geht die heute 74-Jährige ungewöhnliche Wege. Jeder Versuch, diese Frau in eine Schublade stecken zu wollen, wäre zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Über 30 Jahre ist sie bereits äußerst erfolgreich im syste- mischen Coaching unterwegs, einem lösungsorientierten Beratungsformat für Führungskräfte, Teams und Einzelper- sonen in Organisationen. Den Ansatz und die Arbeitsmethoden dafür erlernte Angela Debes in den Neunzigerjahren überwiegend in den Vereinigten Staa- ten, genau genommen in New York und Kalifornien, zu einer Zeit, als Coaching in Deutschland noch nicht bekannt war. Ihren Lebensunterhalt hatte sie bis da- hin mit dem Verkauf von Lichtobjekten und Keramikskulpturen bestritten und als alleinerziehende Mutter von >>

Das Wohnen in dieser ursprünglichen Villa steht unter dem Motto „Wir lieben, wie wir leben“. Gleichsam ein Versprechen, das die Bewohner sich selbst gegenüber einlösen. Co-Living mit Charme

TITELTHEMA 25

Angela Debes hat ihre Villa wieder wachgeküsst. Durch die Vermietung hat für das Gebäude ein neues Leben begonnen, ohne die Anziehungskraft alter Zeiten zu verlieren.

diesem Konzept unter einem Dach und teilen sich einige Räumlichkeiten, wie Küchen, Bäder und einen Aufenthalts- raum. Die Zimmer sind bereits möbliert und auf sparsamen, dafür modernen Komfort ausgelegt. Dieser kann mit persönlichen Dingen ergänzt werden. Im Mietpreis sind nicht nur die Kosten für Zimmer und Möblierung enthalten, sondern auch alle Nebenkosten wie

Anwesen gehört, kann sogar Feuerholz gesammelt werden. Das Gelände wird von allen Mietern genutzt und gepflegt – auch von der Vermieterin. Vertraglich hat jede Person drei Stunden Garten- pflege im Monat zu verrichten. Übe - schaubare Aufgaben im Verhältnis zu einer außergewöhnlichen Aufenthalts- qualität und den offerierten Freiheiten in der Hopfenbachvilla. >>

beabsichtigt, übertrug. Einer dieser Trends, die das europäische Festland wie immer zeitlich leicht verzögert errei- chen, ist das sogenannte „Co-Living“. Es bezeichnet gemeinschaftliches Woh- nen auf Zeit, wobei die durchschnittli- che Verweildauer zwischen drei Mona- ten und vielen Jahren stark schwanken kann. Wie in einer klassischen Wohn- gemeinschaft wohnen Menschen bei

bei Angela Debes wohnen möchte, trifft eine Reihe an Zusatzvereinbarungen zu den besonderen Gegebenheiten des Hauses, die im Mietvertrag stehen. Hierzu gehört die Nutzung des 3.000 Quadratmeter großen Gartens, der mehrere idyllische Sitzgruppen, einen Pavillon, gleich drei Feuerstellen mit Grillmöglichkeit, Schaukeln und Liege- stühlen umfasst. Im Waldstück, das zum

den Erlösen ihre beiden Kinder ernährt. Als Hauptwohnsitz und Werkstatt diente im Übrigen die Hopfenbachvilla – damals noch im Besitz des Bruders. In San Francisco begegneten Angela Debes Trends, die sie teilweise nicht nur in ihre Kunst und später in ihre Trainings einbezog, sondern auch auf die Art und Weise, wie sie zu leben und zu wohnen

Internet oder ein Reinigungsservice. Um Reparaturarbeiten kümmert sich der

Co-Living ist die Art des Wohnens, die dem aktuellen Zeitgeist entspricht

Anbieter. Klingt ein wenig nach All- inclusive-Paket, ist es aber nicht. Wer

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26 TITELTHEMA

Der Geist des Hauses

erweist sich die Hopfenbachvilla als sicherer Zufluchtsort, sei es als Zw - schenstation oder Zuhause ohne zeitliche Obergrenze. Zugegeben: Klingt ein bisschen wie eine Suchanzeige. Und tatsächlich ist da etwas dran. Allerdings mangelt es nicht an Mietwilligen. An- gesprochen darf sich aber auch jemand fühlen, der sich vorstellen könnte, in das Management dieses außergewöhn- lichen Hauses mit einzusteigen. Dafür müsste man die Idee des dort prakti- zierten Co-Living als Bewohner, Macher und Helfer mittragen. Dann könnte man im Laufe der Zeit mehr Verant- wortung übernehmen und die heutige Besitzerin eventuell eines Tages ganz ablösen. Kontakt zur Eigentümerin kann über folgende Internetadresse aufgenommen werden: www.debestraining.de <<

Die Eigentümerin selbst beschreibt ihr Konzept als ein Wohnen ohne allzu große Verpflichtungen. eder sei man eine „große Familie“ noch eine WG, vielmehr ein spontanes und loses Zusammentreffen von Menschen mit verschiedenem Hintergrund und unterschiedlichen Beweggründen, in dem Haus leben zu wollen. Wer plaudern möchte, kann dies tun, wer die Einsamkeit sucht, kann sie finden. Dementsprechend obliegt auch Angela Debes die Auswahl der Mitbewohner. Mit Menschen kennt sie sich dank ihrer Qualifikation und vielfältigen Erfahru - gen schließlich aus. Ihr Mieterklientel ist kontaktoffen, von ruhiger Wesensart und umsichtig – in jedem Fall beruflich engagiert, zwischen 30 und 65 Jahren. Geboten wird eine Wohnform, in der Menschen in Veränderungsprozessen schnell und unkompliziert landen

Unverkennbar schreitet die Sanierung voran: helles Bad im Erdgeschoss.

können. Bei beruflichen Neuanfängen, nach persönlichen Trennungen, als Zweitwohnung für Wochenendfahrer oder als Abwechslung zum Alleinleben

Es gibt Häuser, die der Seele schmei- cheln. Und es gibt Häuser, die faszi- nieren und zum Nachdenken anregen. Vielleicht, weil sie sich dem Verständnis entziehen. Man kann nicht anders, man muss sie kennenlernen. Architektur und Psychologie

Ein zentraler Gedanke in Friedrich Nietz- sches Philosophie ist die Wiederkehr des ewig Gleichen, demzufolge sich alle Ereignisse unendlich oft wieder- holen. Wenn dem so wäre, hängten wir unseren Job als Reporter besser an den Nagel. Dass es weiterhin wahre Schätze zu entdecken gibt, lehrt uns die Reise nach Tornesch, eine Stadt im bevölkerungsreichen Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Sie verdankt ihre Gründung dem Bau der Eisenbahn- strecke zwischen Altona und Kiel. Wir wenden uns dem Teil der Stadt zu, der erst im späten 19. Jahrhundert ent- stand, dorthin, wo sich Friedrichstraße und Von-Helms-Straße kreuzen. Am Ende der Straße mit schmucken, im Heimatstil gebauten Villen, befindet sich ein anderthalbgeschossiges Wohnhaus. 1888 gebaut ist es das älteste in der

Verkauf und Bewertung meiner Immobilie?

Dafür hab ich jemanden!

schichte ein erhöhter Zauber an. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man aus dem kleinen Wintergarten auf der Südseite des Hauses in eine gestal- tete Wildnis blickt, die ihresgleichen sucht. Ein Naturgarten, in dem heimi- sche Tiere und Pflanzen einen wertvo - len Rückzugsort finden. In dem die N - tur im wahrsten Sinne des Wortes noch in Ordnung zu sein scheint. Dass wir es leider nur mit einem Ausschnitt, >>

Straße und eines der ältesten der Stadt. Es markiert unser Ziel.

Das Haus steht bis heute für eine ländliche Architektur dieses regionalen Raumes, selbst wenn es inzwischen Ver- änderungen an Fenstern, Überdachung und Giebeln erfahren hat. Dennoch haftet „der kleinen Kate“, wie ihre Besitzerin sie liebevoll nennt, durch den ständig lebendigen Atem der Ge-

Egal ob Ein- und Mehrfamilienhäuser, Eigentumswohnungen oder Grund- stücke: Wir bringen Verkäufer und Käufer zusammen. Mehr Infos unter 0431 22033 055 oder www.haus-und-grund-kiel.de

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L i ebese rkl ärung an me ine a l t e Ka t e : e i n e f o t og r a f i s c h e Spu r e n s u c h e

einer Momentaufnahme zu tun haben, darüber klärt uns unsere Gastgeberin, Susanne Dohrn, seit 2010 Mitglied von Haus & Grund Tornesch, auf. Die freie Journalistin ist Autorin eines bemerkenswerten und zugleich verstö- renden Buches über die Ursachen für das Artensterben vor unserer Haustür. Über die Monokulturen der industriel- len Landwirtschaft, die die biologische Vielfalt und damit eine der Grundfes- ten unserer Zivilisation zerstören. Vor diesem Hintergrund wirken die vielen Kräuter, die verschiedenen Gräser und die rund dreihundert Pflanzen wie ein Warnungszeichen. Sie sollen ein weithin sichtbares Signal geben, um der zuneh- menden Umweltzerstörung durch miss- verstandene Struktur-, Entwicklungs- und Agrarpolitik Einhalt zu gebieten und so für den Erhalt des natürlichen Lebensraums einzutreten. Die promovierte Historikerin wollte die ursprüngliche, ländliche Architektur des großelterlichen Hauses erhalten. Das motivierte sie, Mitte der Neunzigerjahre aus einem pulsierenden Berlin der Nach- kriegszeit in ihre Heimat zurückzukeh- ren. Mit einem durch die Kultur- und Großstadtprägung gänzlich veränderten Blick für die bauliche Anlage der Kate, wie sie erzählt. Unsere Wahrnehmung von Architektur – von Stabilität, Nütz- lichkeit und Schönheit – sei etwas, was in den Tiefen unseres Unterbewusst- seins entstehe und durch Lebenserfah- rung einem steten Wandel unterliege. Sie habe nach der Rückkehr plötzlich Details am Haus entdecken können, die ihr vorher nie aufgefallen waren. Details, deren Ergründung man nach Belieben nachgehen oder die man in ihrem gegenwärtigen Objektzustand belassen könne. Hierzu gehört beispiels- weise ein zugemauerter Rundbogen an der rückwärtigen Fassade, der einstmals als Stalleingang für das Nutztier diente.

Die Eisenbahner-Kate um 1900

Neue Fenster, neues Dach: die 1950er

Der Windfang verschwindet: die 1960er

mutter schlief – auf dem Rest des Dach- bodens lagerte der Torf zum Heizen – wurden zwei Zimmer plus einem klei- nem Flur, Tribut an wachsenden Platz- bedarf. Parallel erhielt das Haus neue Fenster, die Rundbögen fielen weg und es wurde hellgrau verputzt. Die geduckte Heimeligkeit der Kate ging verloren. Der Windfang verschwindet: 1960er Als nächstes wurde der Windfang abge- rissen. Einst sollte er den Nordwind fern halten, falls jemand das Haus durch die Vordertür betrat. Da man fast immer den

Panoramascheiben: die 1970er

Die Sprossenfenster kehren zurück: 2010

Susanne Dohrn erläutert uns die komplexen Zusammenhänge zwischen unserer Persönlichkeit und unseren vier Wänden. Und warum diese so viel über uns verraten.

W

ahrlich, dieses Haus war keine Schönheit. Als wir es übernah-

Handtücher auf den Fensterbänken, um das Tauwasser aufzunehmen. Der Ersatz entsprach dem neuesten Stand der Tech- nik: doppeltverglaste Thermopenschei- ben, eine Erfindung aus den USA. Endlich war es imHaus imWinter warm und Fensterputzen ging auch viel schnel- ler. Für den Charme der Kate waren die Panoramafenster der Todesstoß. Zeitzeugen: gemauerte Rundbögen Einzig die nach Süden gelegene Rück- seite des Hauses öffnet ein Zeitfenster ins 19. Jahrhundert. So wie die Klinkerwand hat einst das ganze Haus ausgesehen. Die Rundbögen oben und unten zeugen von einem Fenster und zwei Eingängen zum Stall. Wann die Öffnungen zuge- mauert wurden, werde ich nicht mehr herausfinden können. Die weißen Farb- reste belegen, dass das Haus weiß ge- strichen worden war, bevor man es verputzte. Den weißen Anstrich haben wir abbeizen lassen. Das Wichtigste zuerst: 2010 Fenster sind die Augen eines Hauses, und zu jedem Baustil gehört ein typi- sches Design. Inzwischen hat die alte Kate ihre grün-weißen Sprossenfenster zurück erhalten. Leider konten wir die Rundbögen nicht wieder herstellen, weil der Putz sich nicht abschlagen lässt. Im Efeu nisten Spatzen und der Zaunkönig. Als nächstes würden wir gerne den klei- nen Windfang zur Straße wieder auf- bauen. Dr. Susanne Dohrn

men, war der Eingang zur Straße zuge- mauert und Panoramafenster blickten mit toten Augen zur Straße. Weiß ver- putzt glich es einem Neubau und war dafür doch viel zu klein. Mit jeder Verän- derung der vergangenen 130 Jahre hatte es mehr von seinem Charme verloren. Alte Familienfotos dokumentieren die Veränderungen. Seit wir in dem Haus leben, haben wir der alten Kate Stück für Stück ihre Seele zurück gegeben und der Stadt einen kleinen Teil seiner Ge- schichte. Der Ursprung: 1888 Die Seelensuche beginnt mit dem unda- tierten Ausriss aus der Lokalzeitung. Das Foto zeigt die Kate einer Eisenbahnerfa- milie in Tornesch: 1888 gebaut aus dem roten Klinker der örtlichen Ziegelei, Sprossenfenster mit gemauerten Rund- bögen, weiße Simse, ein Spitzdach mit rundem „Ochsenauge“ unter demGiebel und einem Windfang vor dem Eingang zur Straße. Ein heimeliges Haus mit den harmonischen Proportionen des Golde- nen Schnitts, wie wir beim Ausmessen festgestellt haben. Ein neues Dach: 1950er Jahre Als ich einzog, war der Charme der Kate erloschen. In den 1950ern hatte sie ein neues Dach erhalten. Spitzer und höher wurde es. Aus der Dachkammer, in der Anfang des 20. Jahrhunderts die Groß-

sowie eine pylonähnliche Regenabwas- serableitung für das Dach des Winter- gartens. Susanne Dohrn ist überzeugt davon, dass man zu solchen Verwen- dungsarten nur gelangt, wenn man sich intensiv mit der eigenen Immobilie beschäftigt. Vergleichbar mit der Aus- einandersetzung mit der Natur, ihren Phänomenen und Prozessen. Einfluss auf die Transformation eines Hauses zu nehmen, ist ein ganzheitlicher Vorgang. Neben spielerischem und forschendem Erkunden stehe die sinnliche Wahrneh- mung, das kreative Gestalten, medita- tive Zugänge und das Experimentieren im methodischen Mittelpunkt. Die Besitzerin der kleinen Kate empfiehlt daher jedem, der ein altes Haus erwirbt oder erbt, erst einmal mindestens ein Jahr darin zu wohnen und seinen Artefakt-Charakter auf sich wirken zu lassen. Viele Eigentümer stehen vor der Entwicklung ihres Häuschens und wis- sen eigentlich gar nicht so recht, was sie wollen. Oder ein größerer Umbau steht an, aber so richtig steht noch nicht fest, wie dieser aussehen soll. Zwar steht >>

Errichtet hat das Haus Susanne Dohrns Urgroßvater väterlicherseits, indem er Steine verwendete, die in der ehema- ligen Ziegelei „Roter Lehm“ im sechs Kilometer entfernten Klein Nordende gebrannt und in einem Tornescher Bahnwärterhäuschen verbaut worden waren. Baustoffrecycling par excellence, wie es heute als Vorbild dienen könnte. Überschüssige Steine wurden im Üb- rigen nicht einfach entsorgt, sondern kurzerhand im Garten vergraben.

Was Hobbyarchäologen und „Trümmerfrauen“ verbindet

Zeitfenster: Rundbögen im Mauerwerk

So avancierten die spätere Eigentüme- rin und ihr Lebenspartner, der Künstler Walther Weiss, unverhofft zu Hobby- Archäologen und fühlten sich beim Freilegen und Abtragen ein wenig wie „Trümmerfrauen“. Entstanden sind aus den restlichen Steinen ein pyrami- denförmiges Gartenkunstwerk, eine Miniatur-Felsformation als Schlupfwin- kel für Vögel, Insekten und Amphibien

Hintereingang nutzte, waren Windfang und Haustür zur Straße überflüssig. Bis die Haustür zugemauert wurde, hielt ein Vorhang aus dickem Stoff Kälte und Zug- luft ab, die nun nahezu ungehindert von Norden ins Haus drängten. Der Flur da- hinter war gerade lang genug für zwei Kinderbetten. Im Winter wuchsen Eis- blumen an den Fenstern. Panoramascheiben: 1970er Jahre In den 1070er Jahren ließ meine Groß- mutter die einfach verglasten Sprossen- fenster ersetzen. Im Winter lagen stets

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An keinem anderen Ort sind so viele Dinge des persönlichen Eigentums versammelt wie in unseren Wohnräumen. Wir nutzen sie, um durch sie auszudrücken, wer wir in Wahrheit sind.

tragen. Eines hat der Besuch der kleinen Kate darum ganz sicher, uns zum Nach- denken gebracht. <<

sei immer auch die Chance, Einfl uss zu nehmen und im Interesse künftiger Generationen zur Balance von sozialer Gerechtigkeit, ökonomischem Erfolg und ökologischer Verträglichkeit beizu-

Deshalb engagiert sich die Journalistin auch seit Jahrzehnten politisch. Als SPD-Ratsfrau in Tornesch ist sie Mitglied im Umwelt-, Bau- und Planungsaus- schuss. Verantwortung zu übernehmen,

Seele eingehaucht“. Dazu bedarf es keiner Villa und keines Schlosses. Auch eine kleine Kate kann einen besonderen und unvergleichlichen Charme aus- strahlen. Wichtig für das Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden sei zudem, dass die Architektur des Hauses in die kulturelle Identität und das kollektive Bewusstsein der jeweiligen Gemeinde passe. Inneres Gleichgewicht setze äußeres Gleichgewicht voraus. Das, so Susanne Dohrn, mache schließlich die Individualität eines Ortes aus.

wird hier spürbar, dass es zweifelsohne der Mensch ist, der „den Räumen eine Seele einhaucht“. Im Gegenzug sind es die Räume, die unsere Stimmung beein- fl ussen. Sie können beruhigen, anregen, manchmal sogar Angst machen. Immer sind es unsere Anliegen und Bedürfnis- se, die dabei eine wichtige Rolle spielen. Walther Weiss, Schüler der deutschen Künstler und Kunstpädagogen Oskar Holweck und Boris Kleint hat mit seiner ökologischen Protestkunst der Gestalt des Hauses und ihren Räumen „eine

im Zweifelsfall ein Architekt mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung zur Seite, aber wie der Mensch später eigentlich wohnen möchte, oder was er von seinen vier Wänden erwartet, bleibt unerforscht. Veränderungen brauchen Zeiten und vor allem Raum, lohnen sich dann aber umso mehr. Diesen architekturpsychologischen An- satz, wie wir ihn nennen möchten, kön- nen wir auch im Inneren der Kate nach- vollziehen. Wie im asiatischen Feng Shui

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Die letzte Flutkatastrophe in Deutsch- land lehrt, dass Menschen noch mehr mit der Natur planen müssen. Schon kleine Bäche und Flüsse brauchen mehr Platz. Ein „Weiter wie bisher“ ist keine Option. Vom Erzeuger bis zum Verbrau- cher – jeder kann etwas tun. Es ist keine vier Jahre her, da musste Bauernpräsi- dent Joachim Rukwied den „Dinosaurier des Jahres“ entgegennehmen, eine Auszeichnung, die keiner haben will. Der Naturschutzbund Deutschland ver- lieh den Negativpreis an den Chef des Deutschen Bauernverbandes, stellvertre- tend für die industrielle Landwirtschaft, die die Hauptverantwortung für alle Umweltprobleme trage. Vornehmlich das drastische Insekten- und Vogelster- ben durch den Einsatz von Herbiziden oder die durch Dünger verursachten hohen Nitratkonzentrationen im Grund- wasser. Den Bauern allerdings für die fehlgeleitete Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte ununterbrochen den Schwarzen Peter zuschieben zu wollen, springt eindeutig zu kurz. Denn es gibt Beispiele für Landwirte, die einen wesentlichen Beitrag zum Natur- und Artenschutz leisten, indem sie die im Laufe der Jahrhunderte entwickelten verschiedenen Kulturlandschaften pflegen und unter bestimmten N - turschutzauflagen bewirtschaften. So schaffen sie einen Lebensraum für viele heimische Tierarten, die auf der Roten Liste stehen. Die Population zahlreicher Pflanzen- und ierarten konnten durch die Naturschutzarbeit solcher Landwirte bereits gestärkt werden. Die Rede ist von Unternehmen, die heute schon an morgen denken. Eines davon ist der Familienbetrieb Rieckens Eichhof, wie der in unmittel- barer Nachbarschaft gelegene „Wiesen- hof“, den wir in diesem Heft ebenfalls vorstellen, beheimatet in Großbarkau südlich von Kiel. Mit Bert und Kherstin Riecken ist seit 1991 mittlerweile die vierte Generation am Ruder. Die >>

Das Runde im Eckigen

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie wir in Zu- kunft leben und wohnen wollen, stießen wir auf Rieckens Eich- hof und damit auf die Lehre von der ganzheitlichen Beziehung zwischen dem Menschen und seiner (gebauten) Umwelt. Dom + Haus = Domhaus

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stößt nur oben durch das Dach. Der Ge- rüstkörper des statisch selbsttragenden Domes besteht aus einer bestimmten Anzahl gebogener Holzspanten, die in einem oberen Ring zusammengefasst werden. Mit der gleichen Anzahl wer- den Holzstrahlen zur Bodenmitte hin ebenfalls in einen Ring verbunden. Die- ser Gerüstkörper, der auf einem eigenen Ringfundament und nicht auf Beton steht, bildet den schwingenden Kern. In den oberen Ring ist eine Lichtkuppel aus Acrylglas eingefasst, die zum Belüf- ten des Raumes dient und sich mittels eines Elektromotors öffnen lässt. Die Außenhülle der Wölbflächen des Domes wurde mit Holzbrettern verschalt, die Innenseite mit Leichtlehm verputzt. Die- ser ist hervorragend zur Isolation und Wärmespeicherung geeignet. Sollte es doch einmal kühler werden, leistet eine dicht unter der Wandober- fläche liegende andheizung Abhilfe. Sie reagiert sehr schnell und erwärmt den Raum in kurzer Zeit, wobei die natürliche Feuchtigkeit selbst im Winter erhalten bleibt. Auch das liegt am Lehm, der nicht nur ästhetisch über- zeugt, sondern für ein gesundes Raum- klima sorgt. Beim Arbeiten mit Lehm braucht man übrigens keine Schutz- maßnahmen. Lehm ist Heilerde. Es gibt keinen Abfall. Alles kann wiederverwen- det werden. In Verbindung mit Holz hat sich Lehm seit Generationen bewährt. Lehm wirkt holzkonservierend >>

Bauernhofes entsteht, ist eine architek- tonische Besonderheit und stellt eine echte Alternative zu herkömmlichen Bauformen dar. Es handelt sich um einen Kuppelbau, der astrologisch-geo- grafische Gegebenheiten berücksichtigt und mit der ihn umgebenden Natur und

regenerative Landwirtschaft und die Di- rektvermarktung seiner Produkte, Natur- erlebnisangebote wie die Entwicklung eines Lehrpfades im Rahmen der Bau- ernhofpädagogik sowie die geplante Nachhaltigkeitsbilanzierung „SMART“ vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Besonders beeindruckt zeigte sich das Preiskomitee von der Etablie- rung eines Agroforstsystems, eines der ersten im hohen Norden. Als Agroforst bezeichnet man Landnutzungssysteme, in denen auf gleicher Fläche Bäume und landwirtschaftliche Nutzfläche sowie ökonomische Vorteilswirkungen zwischen den Einzelkomponenten entstehen. Die positiven Wirkungen von Gehölzen auf agrarisch genutzten Flä- chen sind vielfältig. Mit einer Steigerung der Biodiversität wird vielen verschiede- nen Arten ein Lebensraum gegeben. Das Herzensprojekt von Bert Rieckens Sohn Felix startete im Herbst 2020. Gemeinsam mit seiner Schwester Sina führte der junge Agrarwissenschaftler eine erste Pflanzung von 1.370 Bäumen durch. Seitdem wachsen und gedei- hen unter anderem Hasel, Holunder, Maulbeere, Edelkastanie, Birne, Erle, Schwarznuss, Baumhasel, Wildkirsche, Vogelkirsche, Apfel, Feldahorn, Berg- ahorn und Speierling auf den Weiden. Nachhaltigkeit ist also Programm auf dem Eichhof. Sie ist aber auch und vor allem anderen eine an Gemeinwohl- Werten orientierte Lebensweise der Hofbewohner. Dazu gehört ein scho- nender Umgang mit Rohstoffen, Ma- terialien und Energie. Unmittelbar zum Ausdruck kommt diese den ökologi- schen Fußabdruck im Alltag bewusst minimierende Einstellung in einem Bau- vorhaben, das die Rieckens schon seit Jahren umtreibt. Jetzt, wo der Genera- tionswechsel an der Hofspitze ansteht, befindet es sich auf der Zielgeraden.

Die Natur ist immer noch der beste Baumeister

ihren Gesetzen im Einklang steht. Das sogenannte Domhaus vereint minimale Oberfläche, die nur geringe Wärm - energie an die Umgebung abgibt, und Materialaufwand mit größtmöglichem Volumen. Luft und Energie zirkulieren im runden Innenraum und stauen sich nicht in den Ecken. Mit seinen beson- deren Proportionen und den damit verbundenen energetischen und akusti- schen Eigenschaften eröffnet der Dom, der auf der Kugel als Gestaltungsele- ment basiert, ein einzigartiges Raum- erleben. Ursprünglich sollte er für sich alleine stehen, nur über einen Gang mit den Wohnräumen verbunden. Als das Bauamt in Plön jedoch keine Genehmi- gung für die ungewöhnliche Maßnah- me erteilen wollte, ließen die Rieckens den Dom kurzerhand in ein Haus integ- rieren. Dementsprechend kann man ihn nicht ohne Weiteres sehen.

Auf diesem Milchviehbetrieb in Großbarkau passiert nichts durch Zufall. Hier wird Kreislaufwirt- schaft betrieben, bei der die längstmögliche Nutzung von Rohstoffen angestrebt wird.

fünfte steht bereits in den Startlöchern. Es ist Brauch, dass der Hof alle dreißig Jahre von der Elterngeneration auf die Kinder übergeht. Das war schon immer so und soll auch immer so bleiben. Das Erfolgsgeheimnis schlechthin, wie wir vermuten, um den Hof zukunftsfähig zu halten. Frische Ideen braucht das Weideland. Ausgezeichnete Frische wohlgemerkt, denn die harte Arbeit, die die Rieckens jahrzehntelang in die artgerechte Hal- tung ihrer Kühe, die zertifiziert und mit dem deutschen Bio-Siegel gekennzeich- net ist, investiert haben, hat sich nun bezahlt gemacht. Im Mai wurde dem Eichhof und der hofeigenen Meierei unter dem Namen „rieckens landmilch“ der 1. Platz beim Nachhaltigkeitspreis Schleswig-Holstein 2021 verliehen. Der Preis richtet sich an alle, die in innovati- ven Ideen, Konzepten und Projekten in Schleswig-Holstein die Faktoren soziale Gerechtigkeit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit zu zukunftsfä- higen Lösungen verbinden und damit dazu beitragen, die weltweit gültigen UN-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die Jury lobte den Eichhof für eine

Er ist in einem Abstand von vier Zenti- metern mit der Gebäudehülle umbaut,

Mit dem Domhaus geht für Kherstin und Bert

Gesundheit und Wohlbefinde der Kühe sind den Rieckens wich- tiger als kurzfristige Leistungsop- timierung um jeden Preis.

Riecken ein Wohntraum in Erfüllung.

Das Domizil, das in fußläufiger Entfe - nung zu den Wirtschaftsgebäuden des

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