Länderinformationen USA

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Einblicke in die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe und das Aufwachsen von Jugendlichen in den Vereinigten Staaten von Amerika

Expertise

Einleitung

Die Vereinigten Staaten halten wie kaum ein weiteres Land immer wieder Einzug in unseren Alltag, egal ob über politische Debatten, globale Tech-Trends oder auch nur einen neuen Blockbuster, der über die Kino- leinwände läuft. Dementsprechend ist das Interesse am Land groß, auch unter Jugendlichen – für Schüler*innen und Studierende zählen die USA nach wie vor zu den be- liebtesten Destinationen. Die Beschäftigung mit diesem Land der Superlative ist somit fast unabdingbar. Seit 2021 setzt sich IJAB, im Auftrag des Bundesministe- riums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für eine Intensivierung des deutsch-US-amerikanischen Jugend- und Fachkräfteaustauschs ein. Vor diesem Hintergrund möchte IJAB Fachkräften und Teilnehmenden an Aus- tauschmaßnahmen die Möglichkeit geben, mehr über die Rahmenbedingungen und das System zu erfahren, in dem junge Menschen in den Vereinigten Staaten auf- wachsen.

Die folgenden Länderinformationen ermöglichen einen Einblick in das Arbeitsfeld „Jugend“ in einem politischen System, das aufgrund der Größe des Landes, seiner föderalen Struktur und Diversität nur schwer zu durch- schauen ist. Leser*innen werden mehr darüber erfah- ren, warum der philanthropische Sektor in den USA so wichtig ist, dass Bildungseinrichtungen einen hohen Stel- lenwert einnehmen und wie struktureller Rassismus bis heute die soziale Mobilität von Kindern und Jugendlichen beeinflusst. Vielleicht werden die Informationen auch im Austausch Aktiven dabei helfen, Partnerorganisationen besser verstehen und einordnen zu können oder an der richtigen Stelle nach Kooperationspartnern zu suchen. Die dargestellten Informationen und Einblicke wurden von einem US-Amerikaner verfasst und durch die Re- daktion ergänzt. Sie sind nur als Ausschnitt zu verste- hen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hinweise und Ergänzungswünsche nimmt die Redaktion gerne entgegen.

Ihr Redaktionsteam

Elena Neu, Natali Petala-Weber, Cathrin Piesche und Julia Weber

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Inhalt

Einleitung

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5. Bildung

1. Allgemeine Informationen zu den USA 6

Das weiterführende Schulsystem

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Demografie im US-Bildungssystem

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2. Jugend in den USA

Besondere Schulformen

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Definition von „Jugend“ im US-amerikanischen Kontext

Sonderprogramme und akademische Vorbereitung

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Demografischer Wandel

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Weitere Aspekte des Schullebens

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Unterschiedliche Lebensrealitäten – unterschiedliche Lebenswege

Einflussfaktoren im US-Bildungssystem

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Aus dem Schulleben

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Freizeit und Alltag

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6. Berufseinstieg und Arbeitsleben

LGBTQIA+

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Jugendliche mit Beeinträchtigungen

15

Übergang ins Berufsleben und Berufswahl

47

Fahrerlaubnis

16

Regelungen und Vorschriften für die Beschäftigung von Jugendlichen

50

Familie und Ehe

16

Jugendarbeitslosigkeit

50

Popkultur, Digitalisierung und Medien

16

Psychische Gesundheit

17

7. Internationale Bildung und Erfahrung

Waffen und Gewalt

18

Bundesprogramme internationaler Jugendbildung

Alkohol, Tabak und Drogen

18

53

Jugendobdachlosigkeit

19

Sonstige Programme

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3. Jugendpolitik und jugendpolitische Strukturen

8. Weiterführende Informationen

Relevante politische Gruppen und Organisationen Philanthropische Stiftungen und Organisationen

Akteure in der Jugendpolitik

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Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte

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Jugendpartizipation durch Jugendräte

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Auswahl jugendpolitischer Maßnahmen in unterschiedlichen Bundesstaaten

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Impressum

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Berufsfeld Jugendarbeit

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4. Themen im Kinder- und Jugendbereich

Politische Bildung

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Außerschulische Aktivitäten und Jugendentwicklung

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Freiwilligendienst und Engagement während und nach der Schulzeit Freiwilligendienst und Engagement nach Hochschulabschluss

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34

Politische Freiwilligenarbeit von Jugendlichen

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Vor dem Lesen: Einige Begriffserläuterungen

Für die folgenden Darlegungen haben sich die Redakteurinnen bei der Übersetzung bewusst für die Verwendung bestimmter Begriffe entschieden, die für den US-amerikanischen Kontext bezeichnend sind bzw. die hier für die Leser*innen eingeordnet werden sollen.

Asian American und Pacific Islanders Asian American and Pacific Islanders steht als Sammelbe- zeichnung für Menschen asiatischer, asiatisch-amerikani- scher oder pazifischer Abstammung, die ihren Ursprung in den Ländern oder den Diasporagemeinschaften die- ser geografischen Regionen haben. Erst Ende der 90er Jahre trennte der US-amerikanische Zensus die beiden Gruppen in zwei separate racial -Kategorien (vgl. race ), Asian American als eine und Pacific Islanders als eine wei- tere Kategorie. Wie bei anderen Sammelbezeichnungen sind die Lebenswelten und Erfahrungen der darunter gefassten Gemeinschaften und Gruppen einzigartig und weisen erhebliche Unterschiede auf. Als Pacific Islanders können sich Menschen identifizie - ren, deren Ursprung in Polynesien, Mikronesien und Melanesien liegt. Zu dieser Klassifizierung gehören unter anderem die Indigenous Peoples Hawaiis, Samoas, Tahi- tis, Guams, Fidschis und Papua-Neuguineas. Als Asian American können sich Menschen identifizie - ren, die ihren Ursprung in Ländern des Fernen Ostens, Süd-Ost-Asiens oder des indischen Subkontinents ha- ben, z. B. China, Japan, Thailand, Malaysia, Korea, Indien, Kambodscha, Vietnam oder den Philippinen. BIPoC BIPoC steht als Abkürzung für Black, Indigenous, and Peo- ple of Color, im Deutschen wird „Schwarz, Indigen und People of Colour“ verwendet. People of Colour ist dabei die Bezeichnung von Menschen, die gesellschaftlich als nicht-weiß angesehen werden und somit Rassismus und struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind. In diesem Text wird der Begriff verwendet, um diese Identitäten ex -

plizit sichtbar zu machen und Ungleichheitsverhältnisse, von denen diese Gruppen betroffen sind, aufzuzeigen.

Hispanic Im Text wird für Menschen, die ihren Ursprung in spa- nischsprachigen Ländern oder Diasporagemeinschaften Lateinamerikas und Spaniens haben, der Begriff Hispa - nics verwendet. Der Begriff wurde als Analysekategorie von der US-amerikanischen Regierung geprägt und ist bis heute geläufig. Häufig wird der Begriff Latino syno- nym für Hispanic verwendet. Dieser Begriff bezieht je - doch per Definition auch Menschen aus Brasilien ein, während er Menschen aus Spanien ausgeklammert. Der Begriff ist eine Sammelzuschreibung für unterschied - liche kulturelle Identitäten und Lebenserfahrungen. Daher ist die im Einzelfall angemessene Bezeichnung abhängig vom jeweiligen Gegenüber und deren präfe- rierter Selbstzuschreibung. Indigenous peoples of America | Alaska Native Der folgende Text verwendet den englischen Begriff In - digenous peoples of America für Menschen, deren Vor- fahren vor der europäischen Kolonialisierung das heute US-amerikanische Territorium bewohnten und bis heute dort leben. Weitere geläufige Bezeichnung in diesem Zu - sammenhang sind Native American sowie American Indi - an . Letztere wird heutzutage offiziell von der US-Regie - rung genutzt. Alaska Native ist eine weitere Bezeichnung, die sich explizit auf Stämme bzw. Nationen, die Alaska bis heute bewohnen, bezieht. Zu allen Begriffen ist es wichtig anzuführen, dass es sich um Fremdzuschrei- bungen handelt und sie somit inhärent problematisch und schmerzhaft für die Bezeichneten sein können. Als Sammelbeschreibung tragen sie außerdem nicht der

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enormen Vielfalt unterschiedlicher Stämme und Völker Rechnung. Welche Bezeichnung im Einzelnen angemes- sen und gewünscht ist, hängt vom jeweiligen Gegenüber ab. Wenn möglich, sollten die spezifischen Namen der jeweiligen Stämme verwendet werden. Von einer Über- setzung ins Deutsche mit dem Begriff „Indianer*in“ wur - de aufgrund der rassistischen Klischees, die mit der Be- zeichnung verbunden sind, abgesehen. Race (racial) Der englische Begriff race stellt im englischsprachigen Raum eine sozialwissenschaftliche Analysekategorie dar, die in den Kontext eines langjährigen Kampfes ge- gen gesellschaftliche Ungleichheiten eingebettet ist und selbige ferner aufdecken und Lebensrealitäten sichtbar machen soll. Der Begriff kann nicht mit dem Wort „Ras - se“ ins Deutsche übersetzt werden, da beiden Begriffen gänzlich unterschiedliche Diskurse und Verständnisse zugrunde liegen und wird daher in diesem Text im Engli- schen verwendet.

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Kapitel

Allgemeine Informationen zu den USA

Die USA ( United States of America ) sind ein diverses Land mit einer Bevölkerung von knapp unter 335 Millionen Menschen verteilt auf 50 Bundes­ staaten. Englisch ist die mehrheitlich und am meis - ten gesprochene Sprache. Ca. 13 % der Bevölkerung sprechen allerdings auch Spanisch. Außerdem gibt es jeweils über eine Million Menschen, die Chine - sisch, Vietnamesisch, Arabisch, Französisch und Koreanisch sprechen.

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Allgemeine Informationen

Bevölkerung:

ca. 334.998.389 Menschen

Hauptstadt:

Washington D. C.

Weitere Großstädte:

New York City, Los Angeles, New Orleans, Chicago, Dallas, Houston, Boston, Philadelphia, Seattle Englisch (ausschließlich) 78,2 %, Spanisch 13,4 %, Chinesisch 1,1 %, andere 7,3 % (Stand 2017)

Sprachen:

Einkommen pro Kopf:

62.600 USD

Durchschnittliche Lebenserwartung: Bevölkerungs­ wachstumsrate:

80,43 Jahre

0,7 %

Staatsform:

föderale und präsidentielle Republik

Präsident:

Joseph R. Biden (2020-2024)

protestantisch 46,5 %, römisch-katholisch 20,8 %, jüdisch 1,9 %, Church of Jesus Christ 1,6 %, andere christ - liche Glaubensgemeinschaften 0,9 %, muslimisch 0,9 %, Zeugen Jehovas 0,8 %, buddhistisch 0,7 %, hinduistisch 0,7 %, andere 1,8 %, konfessionslos 22,8 %

Religionen:

Die USA sind eine föderale und präsidentielle Repu­ blik . Die Regierung setzt sich zusammen aus drei Berei- chen:

Höchster Bildungsabschluss in der Bevölkerungsgrup- pe 25 Jahre und älter:

» » 8,9 % haben keinen High-School- oder dements­ prechenden Abschluss.

» » Exekutive : bestehend aus dem Präsidenten, dem Kabinett und den Federal Agencies

» » 27,9 % besitzen einen High-School-Abschluss als höchsten Bildungsgrad.

» » Legislative : bestehend aus einem Zwei-Kammer- Kongress , mit dem Senat (zwei Sitze für jeden Staat bei einem Maximum von 100 Sitzen) auf der einen Seite und dem Repräsentantenhaus (435 Sitze, re- präsentativ für die Wahlbezirke) auf der anderen Seite

» » 14,9 % haben das College besucht, aber keinen Abschluss erlangt.

» » 10,5 % besitzen einen sog. „Associate Degree“ als höchsten Bildungsabschluss (Abschluss eines US-amerikanischen Community College oder Junior College und in den USA als akade- mischer Grad anerkannt).

» » Judikative : bestehend aus dem Supreme Court und anderen Federal Courts

» » 23,5 % haben einen Bachelorabschluss.

» » 14,4 % haben einen über den Bachelor hinaus­ gehenden höheren Abschluss.

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Die USA sind eine alternde Gesellschaft , in den nächs- ten zwei Jahrzenten wird sich die Anzahl der älteren Bevölkerung verdoppeln. Im Jahr 2050 werden die Men- schen, die 65 Jahre und älter sind, mehr sein als diejeni- gen, die 18 Jahre und jünger sind. Die Erwartungen die- ser jüngeren Generation werden das soziale Gefüge der Nation weiter verändern.

Wie noch nie zuvor in der Geschichte des Landes wächst die multi-ethnische Bevölkerung in den USA, während der Anteil der weißen Bevölkerung stetig zurückgeht (8,6 % seit 2010). Diese Entwicklungen haben eine ein - schneidende Wirkung auf das Land, von der allgemeinen politischen Rhetorik über die soziale Sicherung bis hin zu den konkreten Lebensrealitäten der Menschen und ihrer Familien.

Demografischer Überblick hinsichtlich Altersgruppen (Stand 2020):

Demografischer Überblick hinsichtlich race :

» » 0-14 Jahre: 18,46 % (männlich 31.374.555 / weiblich 30.034.371)

» » Weiß: 57,8 %

» » Hispanic : 18,7 %

» » 15-24 Jahre: 12,91 % (männlich 21.931.368 / weiblich 21.006.463)

» » Schwarz: 12,4 %

» » 25-54 Jahre: 38,92 % (männlich 64.893.670 / weiblich 64.564.565)

» » Asiatisch: 6 %

» » 55-64 Jahre: 12,86 % (männlich 20.690.736 / weiblich 22.091.808)

» » 65 Jahre und mehr: 16,85 % (männlich 25.014.147 / weiblich 31.037.419)

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Kapitel

Jugend in den USA

Das Leben eines jungen Menschen in den USA wird sowohl durch den geografischen Standort als auch durch die sozioökonomische Situation der jeweiligen Familie bestimmt. Ein junger Mensch hat also abhän - gig von dem Viertel, dem Bundesstaat oder der Regi - on der Vereinigten Staaten, wo er aufwächst, mehr oder weniger Chancen im Leben. Dies wirkt sich auf viele Bereiche aus, von der Qualität der Schulbildung bis hin zu der Bandbreite und Menge an außerschuli - schen Angeboten, die zur Verfügung stehen. Darüber hinaus haben struktureller Rassismus, Sexismus und Diskriminierung nach wie vor spürbare Auswirkun - gen auf den zukünftigen Erfolg junger Menschen im Erwachsenenleben.

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Aus politischer Perspektive gibt es in den USA keine festgelegten Alters- grenzen, die ›Jugend‹ definieren.

Die Erfahrungen eines Schwarzen Jugendlichen im Süden der USA werden sich erheblich von denen eines weißen Jugendlichen an der West- küste der Vereinigten Staaten unterscheiden. Forschungen haben gezeigt, dass diese Reali- täten anhand vieler Variablen aufgeschlüsselt werden können, von der Gesundheitsversor- gung und der Lebenserwartung bis hin zu be- ruflichen und sozioökonomischen Erfolgen. Viele Jugendliche leben zusammen mit ihrer Kernfamilie, andere leben in weniger traditio- nellen Wohnsituationen, etwa mit ihren Groß- eltern oder anderen Familienmitgliedern. In städtischen Regionen gibt es tendenziell mehr ethnische und kulturelle Diversität in Schulen und Gemeinden, was jungen Menschen er- laubt, mit Menschen anderer Hintergründe zu interagieren, während in ländlicheren Ge- genden eher weniger Diversität zu finden ist. Obwohl „Rassentrennung“ ( racial segregation ) schon mit der Entscheidung des Obersten Ge- richtshofes in der Rechtssache Brown vs. Board of Education 1954 in Schulen und anderen öf - fentlichen Räumen illegal wurde, herrscht fak- tisch in vielen Schulen der Vereinigten Staaten

nach wie vor eine starke Trennung nach Haut- farbe. Der Grund ist, dass die Wahl der öffentli - chen Schule von der jeweiligen Postleitzahl der Schüler*innen und den in dieser Postleitzahl gezahlten Grundsteuern abhängt, was wiede- rum mit dem durchschnittlichen Familienein- kommen innerhalb des Bezirkes und auch mit race korreliert. Definition von „Jugend“ im US-amerikanischen Kontext Aus politischer Perspektive gibt es in den USA keine festgelegten Altersgrenzen, die „Jugend“ definieren. Eine offizielle Definition kreist im Allgemeinen um die Vorstellung von einem „Jugendlichen“ als jemandem, der unter 25 Jahren alt ist. In den USA wird mit 18 Jahren die Volljährigkeit erreicht. Unter 14 Jahren gelten junge Leute als junge Heranwachsende ( early adolescents ), zwischen 14 und 18 als Heran- wachsende ( adolescents ). Zwischen 18 und 24 sind es junge Erwachsene ( early adulthood ). Diese Einteilung ist insofern wichtig, als dass die USA in der Vergangenheit Probleme hat- ten, Programme und Maßnahmen, die sich ge-

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Jugend in den USA

byboomern und der Jugend kommt es häufig zu Spannungen, da die Älteren oftmals die Herausforde- rungen, mit denen junge Menschen heute konfrontiert sind, nicht ver- stehen und nachvollziehen können. Infolgedessen fühlt sich die Jugend missverstanden. Unterschiedliche Lebens- realitäten – unterschied­ liche Lebenswege Jugendliche in den Vereinigten Staa- ten sind mit sehr unterschiedlichen Realitäten und Lebenswegen kon-

zielt an die jeweiligen Gruppen richten sollten, in diesen Kontext einzubetten.

frontiert, die erheblich davon abhängen, wo, also in welchem Bundesstaat, welcher Region, Stadt oder Ge- meinde sie geboren werden, aufwachsen und welchen Zugang zu welcher Form von Bildungseinrichtungen sie haben, also ob sie z. B. eine städtische oder eine der Gemeinde zugehörige Schule besuchen, die sich hin- sichtlich ihrer Ausstattung und Möglichkeiten erheblich unterscheiden können. Oft beruhen Erfolg oder Schei- tern einer Person in den USA also mindestens so sehr darauf, ob sie unter den richtigen Umständen geboren wurde, wie auf ihren eigenen Fähigkeiten. Mit dieser Re- alität müssen viele Jugendliche auf der Welt umgehen, in den USA jedoch sticht die Ungleichheit aufgrund des re- lativen finanziellen Wohlstands des Landes umso mehr hervor. Infolgedessen werden kollektive Anstrengungen von Regierung und Gesellschaft unternommen, die Fol- gen eines Systems abzuschwächen, das den Werdegang eines Individuums bestimmt, ohne dass dieses darauf Einflussmöglichkeit hat. Laut offiziellen Auswertungen des US-Zensus zur Ar - mut im Land lebten 11,6 Mio. Kinder (1 von 7 Kindern, 16 % aller Kinder im Land) in Armut. Im Vergleich zum Jahr davor ist diese Zahl um mehr als eine Million Kinder gewachsen und wird aufgrund der andauernden Folgen der COVID-Pandemie weiter steigen. Das Armutslevel va - riiert in den Vereinigten Staaten, mit Mississippi als dem Staat mit dem höchsten Prozentsatz an Kinderarmut von fast 30 %. Die Kinderarmutsrate ist ungleich höher für BIPoC-Kinder. Landesweit ist es für Schwarze (28 %), In - digenous peoples of America- (25 %) und Hispanic -Jugend- liche (23 %) wahrscheinlicher, in Armut aufzuwachsen, verglichen mit nicht-hispanischen weißen (10 %) und Asi - an- und Pacific Islander -Gleichaltrigen (9 %).

Jugendliche in den USA genießen rechtlichen Jugend- schutz in verschiedenen Lebensbereichen wie z. B. Ar - beit, Bildung, Alkoholkonsum, Krankenversicherung, u. v. m. Die ihnen zugestandenen Rechte teilen sich auf die föderale, die bundesstaatliche und die lokale Recht- sprechung auf. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres wird eine Person als erwachsen betrachtet und verliert daher viele dieser besonderen Schutzmaßnahmen. Demografischer Wandel Struktureller Rassismus, Sexismus und Diskriminierung bestehen in den USA fort, während sich das Land mit jedem Tag demografisch enorm verändert. Die Bevölke - rung der USA altert in einem noch nie dagewesenen Aus- maß, und die rasch alternde Bevölkerung (Generation Babyboomer ) wird immer abhängiger von den nachkom- menden Generationen – einer jüngeren Generation, die diverser erscheint als jede andere zuvor in der Geschich- te der Vereinigten Staaten. Vor diesem Hintergrund stehen die USA vor einer großen Herausforderung: Wie kann Gleichberechtigung in einer alternden Gesellschaft erreicht werden, in der die älteren Generationen viele der Ressourcen halten und binden, die für den Aufbau einer besseren Zukunft für alle notwendig sind? Da die Lebenshaltungskosten und sowie Kosten für Bil- dung im Vergleich zu früher drastisch gestiegen sind, ist es für die heutige Generation junger Menschen nicht immer möglich, denselben Weg einzuschlagen wie ihre Eltern oder andere ältere Verwandte. Zwischen den Ba-

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Entsprechend streben viele Jugendliche in den Vereinig- ten Staaten, insbesondere diejenigen aus urbanen oder auch ländlichen Umfeldern mit niedrigem Einkommen, danach, den familiären Armuts-Kreislauf zu durchbre- chen und überdies einem Strafrechtssystem zu entge- hen, dass arme und BIPoC-Jugendliche unverhältnismä - ßig stark trifft. Für viele gelten Bildung und Karriere als Wege aus diesem Teufelskreis heraus. Andererseits kon- zentrieren sich Jugendliche aus von diesen Ungleichhei- ten betroffenen Bevölkerungsgruppen oft weniger auf ihren Bildungserfolg als auf Nebenjobs, die sie neben der Schule ausüben, um Geld für sich und ihre Familien zu verdienen Jugendlichen hingegen, die in einkommensstärkeren Gemeinden aufwachsen, wird schon von der späten Mit- telstufe bis zur frühen High School und darüber hinaus vermittelt, dass der Besuch einer möglichst guten Hoch- schule ( College oder Universität) unerlässlich ist. Diese

Jugendlichen bemühen sich entsprechend oft um sehr gute Noten, engagieren sich bei außerschulischen Aktivi- täten, leisten Freiwilligenarbeit und übernehmen in die- sem Zusammenhang Führungspositionen, um bei ihren Bewerbungen um einen Studienplatz wettbewerbsfähig zu sein. Freizeit und Alltag Junge Menschen in den Vereinigten Staaten sind wäh- rend ihrer Schulzeit mit ihren sozialen Gruppen eng verbunden. Freundeskreise, die sie in der Schule und in außerschulischen Aktivitäten aufbauen, können zu starken, unterstützenden Netzwerken werden. Manche Schüler*innen verbleiben in ein und derselben Clique von Freunden, während andere viele verschiedenen Freundeskreise haben. Wie die meisten Jugendlichen auf der ganzen Welt sind sie oft mit Leuten befreundet, die im gleichen Sportteam oder in den gleichen außerschuli-

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Jugend in den USA

für ein College zu erhalten. Allerdings ist die Zahl der Schüler*innen, die tatsächlich ein solches Stipendium bekommen im Vergleich zur Zahl der Schüler*innen, die diesen „Traum“ verfolgen, verschwindend gering. Laut der National Collegiate Athletic Society erhalten nur 2 % der High-School-Sportler*innen Stipendien, um in der College -Liga zu spielen. Andere AGs, die Schüler*innen wahrnehmen können, sind beispielsweise Band, Thea- tergruppen, bildende Künste, Schüler*innenzeitungen, Schüler*innenvertretung, Model United Nations und andere akademisch oder künstlerisch orientierte Clubs. Auch diese finden meist im Anschluss an den Unterricht ein- oder mehrfach in der Woche statt. Je nach Schule können Schüler*innen an vielen verschiedenen AGs teil- nehmen und Sportarten, Kunst oder akademische Clubs gleichzeitig entdecken. Üblicherweise verbringen Schüler*innen ihren Tag von 08:00/09:00 Uhr am Morgen bis 15:00/16:00 Uhr am Nachmittag in der Schule. Ab dann können Schüler*innen für Sport oder AGs in der Schule bleiben oder nach Hau- se fahren. In New York und anderen großen Städten ist es für High-School-Schüler*innen nicht ungewöhnlich, öffentliche Verkehrsmittel wie die U-Bahn zu nehmen,

schen AGs oder Clubs sind wie sie selbst, da sie ähnliche Interessen teilen. Auch in Räumen außerhalb der Schule entwickeln sie Freundschaften, zum Beispiel in ihren Kir- chen, außerschulischen Sportvereinen, in der Nachbar- schaft oder sozialen Vereinen. Wenngleich sich die finanzielle und materielle Ausstat - tung von Gemeinden und Schulen aufgrund sozioökono- mischer Faktoren erheblich unterscheiden, spielen au- ßerschulischen Aktivitäten (z. B. Sport, Musik, Kunst, AGs und Clubs) für junge Menschen in den USA generell eine zentrale Rolle. Viele Schüler*innen machen von klein auf verschiedene Sportarten, entweder in ihrer Schule oder in externen Freizeitligen. Fußball ( Soccer ), American Foot- ball und Basketball sind neben Leichtathletik, Laufen, Hockey, Lacrosse und Baseball die beliebtesten Sport- arten bei jungen Menschen. Training und Spiele finden meist direkt nach der Schule und an Wochenenden statt. In manchen Schulbezirken, insbesondere in den Teilen des Südens mit niedrigem Einkommen, werden Sportar- ten wie Football und Basketball nicht selten als ein Weg aus der Armut betrachtet: Schüler*innen aus Familien mit niedrigem Einkommen sind zum Teil hochmotiviert, über sportliche Höchstleistungen ein Sportstipendium

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um zur Schule zu kommen. In vielen Gegenden, insbe- sondere in der Vorstadt oder im ländlichen Raum, nimmt die Mehrheit der Schüler*innen den offiziellen Schulbus, um zur Schule und wieder zurückzukommen. Wenn sie eine private Schule oder eine sog. Charter School be- suchen, müssen sie unter Umständen von ihren Eltern gefahren werden oder öffentliche Verkehrsmittel be - nutzen. Schüler*innen, deren Familien oder die es sich selbst leisten können, fahren mit dem eigenen Auto zur Schule, wenn sie im Alter von mind. 16 Jahren ihren Füh- rerschein gemacht haben. Während sich viele junge Menschen in den Vereinigten Staaten vor allem auf ihr persönliches und familiäres Le- ben sowie ihre Zukunftsplanung und außerschulischen Aktivitäten konzentrieren, gibt es darüber hinaus auch vermehrt junge Menschen, die sich für soziale, ökonomi- sche, geschlechtliche und ökologische Gerechtigkeit ein- setzen. So bestehen mehrere von Jugendlichen geführte Gruppen, in denen sich Jugendliche zivilgesellschaftlich engagieren, wie beispielweise Sunrise Movement , die den Schwerpunkt auf Umweltgerechtigkeit legen, oder March for our Lives , die sich für strengere Waffenge - setze stark machen. Die Rolle und Bedeutung solcher Organisationen sind in den letzten Jahren substantiell gewachsen. An einigen High Schools und Universitäten gibt es lokale Ortsgruppen politischer Bewegungen, die es jungen Menschen ermöglichen, sich für gesellschaft- lichen Wandel und mehr Gerechtigkeit im Hinblick auf race , sozioökonomischen Status, Geschlecht/Sexualität o. Ä. in den USA einzusetzen. LGBTQIA+ Es gibt etwa zwei Millionen junge Menschen im Alter zwi- schen 13 und 17 Jahren in den USA, die sich als LGBTQIA+ identifizieren (10 % der jungen Bevölkerung). In den letz - ten Jahren ist die Akzeptanz von LGBTQIA+-Jugendlichen durch Gleichaltrige gewachsen. Trotzdem gab es erst kürzlich vor allem auf einzelstaatlicher und lokaler Ebene Bemühungen, größtenteils von konservativen politischen Kreisen ausgehend, die darauf abzielten, die Freiheit dieser Jugendlichen einzuschränken. Bei LGBTQIA+- Jugendlichen ist das Risiko von psychischen und physi- schen Erkrankungen durch Mobbing oder mangelnde Unterstützung deutlich höher als bei heteronormativen Altersgenoss*innen. Die Erfahrungen und Bedürfnisse von LGBTQIA+-Jugendlichen werden in der Bundes- und Kommunalpolitik vermehrt anerkannt und berücksich- tigt. Zahlreiche nationale Interessenvertretungen und andere Organisationen widmen LGBTQIA+-Jugendlichen

in ihrer Arbeit ebenfalls mehr Aufmerksamkeit. Das Tre- vor Project ist die größte gemeinnützige Organisation in den Vereinigten Staaten, die sich auf die Suizidpräven- tion und Krisenintervention für LGBTQIA+-Jugendliche konzentriert. Die Arbeit von Organisationen wie dieser und die politischen Fortschritte für LGBTQIA+-Jugendli- che wurden jedoch nach harten juristischen Auseinan- dersetzungen erzielt und sind nach wie vor bedroht. Jugendliche mit Beeinträchtigungen Der 1975 erlassene Individuals with Disabilities Education Act (IDEA) sieht vor, dass Kinder und Jugendliche mit Be- hinderungen im Alter von 3 bis 21 Jahren eine angemes- sene und kostenlose öffentliche Schulbildung erhalten müssen. Die Mittel, die für die Jugendlichen zur Verfü- gung stehen, werden auf Bund, Bundesstaaten und lo- kale Schulbezirke aufgeteilt. Das üblicherweise verwen- dete Instrument zur Unterstützung von Schüler*innen in dieser Kategorie ist der Individual Education Plan (IEP), in dem sonderpädagogische Methoden, Unterricht, Unter- stützung und Dienstleistungen festgeschrieben sind, die ein*e Schüler*in mit spezifischen Bedürfnissen erhält. Die National Collaborative on Workforce and Disability bietet darüber hinaus Hilfen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Zusätzlich zum Fokus auf die Be- rufsplanung berücksichtigen diese Programme auch die besonderen Herausforderungen, mit denen Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Alltag konfrontiert sind.

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Fahrerlaubnis Im Alter von ca. 16 Jahren können Jugendliche in den USA den Führerschein erwerben. Der ÖPNV ist in den USA hingegen oft weniger gut ausgebaut als in anderen Ländern. Größere Städte wie New York City und Chicago verfügen über starke öffentliche Verkehrssysteme, aber viele US-Amerikaner*innen sind trotzdem auf ein Auto angewiesen. Dies gilt vor allem für ländliche Gegenden, in denen Jugendliche zwingend ein Auto benötigen, um zu ihren verschiedenen außerschulischen Aktivitäten zu gelangen. Dies geht mit einer erhöhten Gefährdung von Jugendlichen im Straßenverkehr einher. Familie und Ehe Die Vorstellung davon, was eine Familie ist und aus- macht, verändert sich in den USA stetig. Fast jede zweite Ehe wird geschieden und die Zahl der alleinerziehenden Mütter in den USA war noch nie so hoch wie derzeit. Für viele junge Menschen verliert das Konzept der Ehe an Bedeutung und sie akzeptieren es, in Beziehungen mit Partner*innen zusammenzuleben, anstatt sich dauer- haft zu binden. Darüber hinaus hat sich mit der Legali- sierung der Ehe für LGBTQIA+-Menschen die Frage, wer und was ein Elternpaar konstituiert, ebenfalls nachhaltig verändert. Das Konzept der traditionellen (Kern-)Familie ist durch diese Entwicklung nicht mehr alternativlos und junge Menschen wachsen potenziell in einer Vielzahl von familiären Haushaltssituationen auf.

Popkultur, Digitalisierung und Medien Jugendliche haben einen großen Einfluss auf die US- amerikanische Popkultur (und andersherum). Alles, von Fernsehen und Streamingdiensten über die Musik bis hin zur neuesten Mode, wird von den Trends und Erfahrun- gen diktiert, die junge Menschen machen. Soziale Medi- en sind in diesem Kontext zu einem festen Bestandteil des Lebens junger Menschen in den Vereinigten Staaten geworden. 90 % der Jugendlichen im Alter von dreizehn bis siebzehn Jahren nutzen soziale Medien und 75 % be - sitzen mindestens ein aktives Profil. YouTube, Snapchat und Instagram waren 2018 noch die beliebtesten Social- Media-Plattformen. In der Zwischenzeit ist TikTok extrem populär geworden. 2018 besaßen 95 % der Jugendlichen in den USA ein eigenes Smartphone und 45 % gaben an, durchgehend online zu sein. Im Jahr 2021 nutzten 63 % der Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn Jahren TikTok wöchentlich, verglichen mit 57 % auf Instagram. Eine Mehrheit der US-Jugendlichen hat auch Zugang zu einer Spielkonsole in ihrem Zuhause, wobei Jungen eher Videospiele spielen als Mädchen (95 % gegenüber 83 %). Die Nutzung sozialer Medien hat in den letzten Jahren das für junge Menschen typische Konsumverhalten und das Bedürfnis nach Anerkennung durch Gleichaltrige verstärkt. Soziale Medien sind darüber hinaus aber auch zu einem Instrument für junge Menschen geworden, mit dem sie sich ausdrücken, sich für gesellschaftliche Zwecke engagieren und sich über soziale Fragen und Sorgen austauschen können. Themen wie Rassismus, Geschlechter- und Umweltgerechtigkeit stehen bei Ju-

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gendlichen hoch im Kurs und viele von ihnen nutzen Instagram, Twitter, TikTok und andere Plattformen, um Infografiken und kurze Clips zu teilen, um Gleichaltrige über racial , Wirtschafts-, Geschlechter- und Umweltge- rechtigkeit aufzuklären und um Proteste oder andere Formen des Aktivismus zu organisieren. Durch die Nutzung des Internets haben Jugendliche mehr Anteil als je zuvor an der Gestaltung der ameri- kanischen (Pop-)Kultur und beeinflussen spürbar die Gesellschaft, auch wirtschaftlich und politisch. Gleich- zeitig gibt es aber auch negative Auswirkungen sozia- ler Medien, z. B. auf die psychische Gesundheit. Einige junge Menschen erleben in sozialen Medien vermehrt Cybermobbing durch Gleichaltrige in der Schule oder werden mit schädlichen oder gewalttätigen Inhalten konfrontiert. Ferner gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und der Möglichkeit, dass andere ihre persönlichen Informationen erhalten. Insgesamt gibt es unter den Jugendlichen gemischte Meinungen darüber, ob soziale Medien einen positiven, neutralen oder nega- tiven Einfluss auf ihr Leben haben. Psychische Gesundheit Mentale Gesundheit und die damit verbundenen Her- ausforderungen zählen zu den Hauptursachen dafür, dass junge Menschen in den USA in prekäre Lebens- umstände gelangen. In den USA ist bis zu jedes fünfte Kind im Alter von drei bis siebzehn Jahren von einer

psychischen, emotionalen, Entwicklungs- oder Verhal- tensstörung betroffen. Darüber hinaus wurde für den Zeitraum von 2009 bis 2019 berichtet, dass etwa jede*r dritte Schüler*in an US-High-Schools von anhaltenden Gefühlen der Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit betrof - fen ist. Psychische Probleme bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in den USA real und weit verbreitet. Schon vor Beginn der COVID-19-Pandemie kämpften immer mehr junge Menschen mit Gefühlen der Hilflosigkeit, Depressionen und Selbstmordgedan - ken – Tendenz steigend. Dies kann u. a. auf die Nutzung sozialer Medien, Mobbing in Schulen, Essstörungen und Körperbildprobleme, diskriminierungsbedingte Trauma- ta und vieles mehr zurückgeführt werden. Im Dezember 2021 gab der United States Surgeon General eine Emp- fehlung zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen heraus, da diese ihre Erlebnisse und Gewohnheiten zu Hause, in der Schule sowie im sozialen Umfeld so vehement verän- dert hat. Dies gilt insbesondere für Jugendliche, die oh- nehin schon vulnerabel waren, wie Jugendliche mit Be- hinderungen, BIPoC-Jugendliche, LGBTQIA+-Jugendliche, Jugendliche mit niedrigem Einkommen, Jugendliche aus Einwandererhaushalten sowie straffällige Jugendliche. Trotz bzw. vielleicht gerade aufgrund der Zunahme psy- chischer Probleme gehen die jungen Menschen der heu- tigen Generation deutlich offener mit diesen Problemen um und Fragen psychischer Gesundheit werden weniger tabuisiert. Auch hier sind soziale Medien zu einer wichti- gen Austauschplattform geworden.

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Jugend in den USA

Waffen und Gewalt Ab dem 18. Lebensjahr können junge Menschen in den USA eine Schrotflinte, ein Gewehr oder Munition für ein Gewehr erwerben. Je nach Bundesstaat muss man für andere Arten von Feuerwaffen und Munition 21 Jahre alt sein. Die USA sind anfällig für Waffengewalt, was sich auf vielfältige Weise in der gesamten amerikanischen Gesell- schaft äußert. Das wirkt sich auch auf die Jugend aus. Der leichte Zugang zu Schusswaffen erhöht die Wahr - scheinlichkeit, dass Jugendliche direkt oder indirekt von Waffengewalt betroffen sind. Daher sind Jugendliche in den USA gezwungen, sich mit den Auswirkungen der Waffenkultur in einer Weise auseinanderzusetzen, wie es Jugendliche in anderen Gesellschaften nicht tun müs- sen. Aufgrund der zunehmenden wirtschaftlichen Belas- tung durch die COVID-19-Pandemie ist die Kriminalität in den städtischen Zentren zudem stark angestiegen, wo- bei ein erheblicher Teil dieses Anstiegs auf Jugendliche zurückzuführen ist. Gewalt kommt auch in Schulen vor. In städtischen Schulen ist es daher üblich, dass Polizeibeamte vor Ort sind und die Schüler*innen Metalldetektoren und an- dere Sicherheitsvorkehrungen passieren müssen, um

die Schule zu betreten. Schießereien, auch an Schulen ( school shootings , Deutsch: Amokläufe), sind in den Ver- einigten Staaten zu einer regelmäßigen Erscheinung ge- worden. Für Schüler*innen, Pädagog*innen, Eltern und Gemeinden unverständlich und erschreckend, gibt es nach wie vor hitzige und polarisierende Debatten über Waffenrechte und Schulsicherheit. Seit 2018 gab es 119 Schießereien an Schulen in den Vereinigten Staaten. Vie- le Schüler*innen- und Elternvertretungen setzen sich für eine Gesetzgebung ein, die die Waffenkontrolle ver - schärft. Alkohol, Tabak und Drogen Die Kultur rund um das Thema Alkoholkonsum in den Vereinigten Staaten unterscheidet sich stark von der Trinkkultur in vielen europäischen Ländern. Jüngeren Menschen ist es verboten, Alkohol zu kaufen oder zu konsumieren. Während das Mindestalter für Alkoholkon- sum in Europa zwischen 16 und 18 Jahren liegt, müssen Menschen in den USA 21 Jahre alt sein, um legal Alkohol kaufen und trinken zu können. Für den Kauf von Ziga- retten oder anderen Tabakwaren muss man 18 Jahre alt sein. Auch wenn einige High School -Schüler*innen Wege finden, schon vorher zu trinken und zu rauchen, wird

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dies erst im College üblicher. Zunehmend beliebt bei jungen Menschen sind auch E-Zi- garetten (Vapes) mit aromatisiertem Tabak. Drogenkonsum ist unter jungen Menschen in den Vereinigten Staaten zunehmend ver- breitet. Von verschriebenen Medikamenten bis hin zu Marihuana und Kokain werden immer häufiger Drogen konsumiert. Mit der Legalisierung von Marihuana in vielen US-Bundesstaaten und der zunehmenden Verfügbarkeit von Vapes ist Marihuana die Droge der Wahl. Schulische und kommuna- le Programme sollen Jugendliche über die negativen Auswirkungen des Drogenmiss- brauchs aufklären. Jugendobdachlosigkeit Mehr als vier Millionen Jugendliche und junge Erwachsene in den USA sind im Durchschnitt pro Jahr von Obdachlosigkeit betroffen. Fast eine Million davon sind un - begleitete Minderjährige, d. h. sie sind offi - ziell nicht Teil einer Familie oder unter der Obhut eines Elternteils oder Erziehungsbe- rechtigten. In jeder Nacht sind somit über 40.000 Jugendliche im Alter von 13 bis 25 Jahren ohne Obdach. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko eines jungen Menschen, obdachlos zu werden. Vermehrt betroffen sind Schwarze sowie Menschen der Hispanic Community , unverheiratete Alleinerziehen- de und Mitglieder der LGBTQIA+ Community .

Homosexuelle Jugendliche haben ein doppelt so hohes Risiko, obdachlos zu werden, wie cisgender oder hetero- sexuelle Gleichaltrige. In armen Regionen tritt Jugendobdachlosigkeit häufiger auf. Hilfsangebote für Betroffene variieren von Stadt zu Stadt und von Bundesstaat zu Bundesstaat und sind abhängig davon, wie viele öffentliche Sozial- und Trans - ferleistungen sowie wie viele gemeinnützige Organisati- onen vor Ort existieren. New York und Kalifornien bei- spielsweise besitzen tendenziell mehr Unterkünfte und Mittel für junge Menschen in dieser Situation als Bun- desstaaten wie z. B. Louisiana.

Mehr als vier Millionen Jugendliche und junge Erwachsene in den USA sind im Durchschnitt pro Jahr von Obdachlosigkeit betroffen.

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Kapitel

Jugendpolitik und jugendpolitische Strukturen

Die Herausforderungen für Jugendpolitik in den Vereinigten Staaten ergeben sich aus einem Mangel an öffentlichen und sozialen Dienstleistungen auf Bundesebene im Vergleich zu anderen Ländern, insbesondere in Europa. Infolgedessen gibt es in den einzelnen Bundesstaaten, Städten und Gemeinden in unterschiedlichem Maß Programme und Unter - stützung für Jugendliche, und die Ressourcen, zu denen Jugendliche Zugang haben, sind nicht einheit- lich verteilt.

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Akteure in der Jugendpolitik In den USA gibt es keine eigene Bundesbehör- de für Jugendfragen. Vielmehr ist es so, dass das Thema auf Bundesebene ressortüber- greifend behandelt wird, d. h., dass die un - terschiedlichen Ministerien in der Vereinigten Staaten in ihrem Ressort jeweils auch Kompo- nenten für Jugendliche berücksichtigen, z. B. in der Arbeitsmarkt- oder Gesundheitspolitik. Eine einheitliche nationale Jugendpolitik gibt es in der Form also nicht. Das liegt auch in der föderalen Verfassung der USA begründet, die dem Bund und den Einzel- staaten unterschiedliche Befugnisse zuweist. Die starke Dezentralisierung politischer Macht ist charakteristisch für die Politik der USA. In der Praxis bedeutet das, dass nicht nur die nationale Regierung, sondern auch die Regie- rungen der Einzelstaaten sowie die dort an- gesiedelten Bezirke ausgedehnte Befugnisse

An der Ostküste, der Westküste und in der Re- gion um Chicago ist die Leistungsvielfalt der Dienste für Kinder- und Jugendliche höher als im Süden oder Südwesten. Darüber hinaus hat die Geschichte und das Fortbestehen von Ras- sismus, Klassendiskriminierung und Sexismus in den Vereinigten Staaten einen tiefgreifenden Einfluss auf die soziale Mobilität von Jugendli - chen. Inmitten dieser Situation arbeiten lokale Gemeindegruppen und Jugendaktivist*innen kontinuierlich daran, die Bedingungen für jun- ge Menschen in den Vereinigten Staaten zu verbessern und ihnen bessere Möglichkeiten zu bieten. Es gibt kein offiziell vernetztes jugendpoliti - sches Feld und anstatt einer ganzheitlichen ju- gendpolitischen Agenda stützen sich Program- me für Jugend in den Vereinigten Staaten auf eine Reihe von unterschiedlichen politischen Maßnahmen und Finanzierungsströmen.

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Jugendpolitik und jugendpolitische Strukturen

haben. Die Fürsorge für die Jugend fällt traditionell in den Hoheitsbereich der Einzelstaaten. Jeder der 50 Bun- desstaaten und jedes der ca. 3.000 counties (Bezirke) hat sein eigenes komplexes System in Bezug auf Zuständig- keiten und Erwartungen an die Jugendarbeit. Dadurch sind Politik und Praxis auf nationaler, bundesstaatlicher und lokaler Ebene oftmals sehr unterschiedlich im Hin- blick auf Mittelausstattung und Schwerpunktsetzung. Durch die Bereitstellung von öffentlichen Mitteln und Bundesprogrammen kann der Bund trotzdem Einfluss auf die Politik der Bundesstaaten nehmen und bestimm- te jugendpolitische Schwerpunkte setzen. Am intensivsten beschäftigt sich auf Bundesebene das amerikanische Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste (U.S. Department of Health & Human Services) mit dem Thema Jugend. Das Ministerium ist das wich- tigste Organ der Regierung für die Planung, Finanzierung und Koordinierung staatlicher Jugendhilfemaßnahmen. Die dem Ministerium angeschlossene Administration for Children and Families (ACF) ist für Bundesprogramme zur wirtschaftlichen und sozialen Förderung von Fami- lien, Kindern, Einzelpersonen und Gemeinden zuständig sowie für die Inobhutnahme und Adoption von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Die ACF verwaltet mehr als 60 Programme mit einem Budget von mehr als 60

Milliarden Dollar und ist damit die zweitgrößte Behör- de des Gesundheitsministeriums. Das Office of Regional Operations , eine Unterabteilung der ACF, fungiert mit insgesamt 10 landesweiten Regionalbüros als Schnitt- stelle zwischen dem Ministerium und der lokalen Ebene. Diese Regionalbüros sind für die Umsetzung der Bun- desprogramme vor Ort zuständig. Schwerpunkte des der ACF zugehörigen Büros für Familien und Jugendhil - fe sind z. B. die Vermeidung von Jugendobdachlosigkeit, Teenager-Schwangerschaften und häuslicher Gewalt. Es gibt eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe für Jugendprogramme, die sog. Interagency Working Group on Youth Programs (IWGYP), der Vertreter*innen von 21 Bundesbehörden angehören, darunter das Gesund- heitsministerium, das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium für Arbeit. Diese Bundesbehörde un- terhält zahlreiche Programme und Initiativen, darun- ter Programme zur Prävention von Alkoholkonsum bei Minderjährigen, zur Förderung sozialer Mobilität von Ju- gendlichen mit geringem Einkommen oder gefährdeten Jugendlichen, zur Mobbingprävention, zur Arbeit mit Kin- dern inhaftierter Eltern u. v. m. Auf der staatlichen Web - seite youth.gov bietet die IWGYP verschiedene Tools und Ressourcen an, die Jugendorganisationen, Städte oder Bezirke bei der Planung, Umsetzung und Teilnahme an

Programmen für Jugendliche unter- stützen. Dort findet man auch aktu - elle Neuigkeiten rund um das Thema Jugend sowie zu Fördermöglichkei- ten und neuen Programmen. Insge- samt gibt es dort derzeit Informati- onen zu 29 Themen, die Jugendliche betreffen können, z. B. Mobbing an Schulen, außerschulische Jugendar- beit, Rauschmittelkonsum, Sex/Gen- der Identity, psychische Gesundheit, Jugendkriminalität und soziales En- gagement. Der Großteil dieser Programme für Jugendliche findet auf bundesstaat - licher und lokaler Ebene sowie im Rahmen von Schule oder durch ge- meinnützige Organisationen statt. Dort ist das Thema Jugend mal zen- tral unter einem Dach geregelt, mal dezentral in verschiedenen Landes- ministerien oder Behörden. In ei- nigen Staaten gibt es mehr als nur

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eine bundesstaatliche Stelle zur Koordinierung der Kin- der- und Jugendpolitik.

Die USA haben eine lange Tradition dahingehend, dass soziale Fragen vom philanthropischen/freiwilligen Sektor und nicht von der Regierung angegangen werden ( bot - tum-up , nicht top-down ). Das wirkt sich auch auf die Ju- gendverbandsarbeit aus. Eine Gruppe oder einen Dach- verband, der für „die amerikanische Jugend“ spricht, existiert nicht. Es gibt zudem eine große Zurückhaltung, sich in zentralen Dachverbänden zu organisieren und diesem dann auch ein Mandat zu erteilen. Daher gibt es in den USA nur wenige wirklich zentrale Jugendorganisa- tionen und dafür eine schier unzählige Zahl an kleineren, basisorientierten (grassroots) Organisationen und Initia- tiven mit Angeboten für junge Menschen. Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte Es gibt viele Organisationen, die sich für gleichberech- tigte Teilhabe von Jugendlichen aus allen Schichten ein- setzen. Einige Regierungsstellen haben auch jugendpoli- tische Schwerpunktthemen auf der Agenda. In der Praxis arbeiten sie dahingehend in der Regel aber eng mit ge- meinnützigen und philanthropischen Organisationen zu- sammen. Die Einzelstaaten sind in der Regel autonom in der Umsetzung und Durchführung ihrer verschiedenen kinder- und jugendpolitischen Programme. Allerdings

Mehrere nationale Organisationen haben auch lokale Unterabteilugen, die auf den lokalen Kontext zugeschnit- ten mit Jugendlichen arbeiten. Der Boys and Girls Club of America z. B. bietet Programme an, die das Potenzial jun - ger Menschen fördern sollen. Dazu gehören u. a. die För - derung von Schulabschlüssen, die explizite Einbindung Schwarzer, Hispanic - und weiblicher Jugendlicher in die Bereiche Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM), der Aufbau von Führungsqua - litäten, die Förderung psychischer Gesundheit. Big Brot - hers and Big Sisters of America ist eine weitere nationale Organisation mit Ortsverbänden in den gesamten Verei- nigten Staaten, die jungen Menschen Mentor*innen ver- mittelt. Der Children ’ s Defense Fund ist eine gemeinnützi- ge Organisation mit sieben Niederlassungen im ganzen Land, die sich für die Bekämpfung von Kinderarmut, die Förderung frühkindlicher Bildung, die Verhinderung von Waffengewalt unter Jugendlichen und die Förderung von Rehabilitationsmaßnahmen für straffällige Jugendliche einsetzt. Neben diesen nationalen Organisationen mit lokalen Ablegern gibt es in einzelnen Orten auch kleine- re, stärker lokal arbeitende gemeinnützige Organisatio- nen, die junge Menschen fördern.

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Jugendpolitik und jugendpolitische Strukturen

kann die Bundesregierung insbesondere die verfas- sungsmäßigen Rechte der Programmempfänger*innen sicherstellen und ist dafür bekannt, dass sie Geldstra- fen verhängt und Bundesstaaten wegen mangelhafter oder schlecht finanzierter Programme verklagt. Darüber hinaus haben philanthropische und wirtschaftliche Ein- richtungen zunehmend Einfluss auf die Funktionsweise kinder- und jugendpolitischer Programme und können durch ihre Finanzierung auf indirekte Weise Einfluss auf die einzelstaatliche Politik nehmen. In der Regel erfolgt die Finanzierung über die Fördermittelgeber, die den Bundesstaaten Mittel zur Verfügung stellt. Die einzel- staatlichen Stellen können dann entscheiden, wie sie die Mittel ausschütten – in der Regel über Organisationen, die entsprechende Anträge für Mittel stellen. Ansatz: Positive Youth Development Positive Youth Development ( PYD , „Positive Jugendent- wicklung“) ist ein bewusst pro-sozialer Ansatz, der Ju- gendliche in ihren Gemeinden, Schulen, Organisatio- nen, Peer-Gruppen und Familien auf produktive und konstruktive Weise einbindet. Bei diesem Ansatz sollen die Stärken junger Menschen erkannt, genutzt und ge- fördert werden. So sollen Jugendlichen Möglichkeiten geboten werden, positive Beziehungen aufzubauen und Führungsqualitäten ( leadership skills ) zu entwickeln. PYD hat seine Ursprünge im Bereich der Prävention. In der Vergangenheit konzentrierten sich Präventionsbe- mühungen im Bereich Jugend in der Regel auf Defizite und spezifische Probleme von Jugendlichen, wie z. B. Schwangerschaft bei Jugendlichen, Drogenmissbrauch und Jugendkriminalität. Heute ist man der Überzeugung, dass Ansätze, die positive Fähigkeiten und das Potenzial junger Menschen fördern und dieses Potenzial als wert- volle Ressource betrachten, eine erfolgreichere Strategie sind. Infolgedessen begann man im Bereich der Jugend- entwicklung, die Rolle von Resilienz bei jungen Menschen zu untersuchen und zu erforschen, wie sie dabei helfen kann, mit widrigen Umständen besser umzugehen und sie zu überwinden. PYD ist ein vorbeugender Ansatz, der den Wert von Jugendlichen anerkennt und sie befähigen will, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Opportunity Youth Es gibt zahlreiche jugendpolitische Themen, denen sich die Regierung widmet. Ein besonders starker Fokus liegt dabei auf der Zielgruppe Opportunity Youth . Es handelt sich dabei um junge Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, die weder in Schule noch in den Arbeitsmarkt eingebunden sind. In den Vereinigten Staaten gibt es etwa 5 Millionen junge Menschen, die in diese Kategorie

fallen. Es wurden mehrere Bundesinitiativen entwickelt, um diese Gruppe junger Menschen wieder in Arbeit und/oder Ausbildung zu bringen. Der Workforce Innova - tion and Opportunity Act (WIOA) wurde vom Arbeits- und vom Bildungsministerium entwickelt, um arbeits- und bildungsorientierte Programme zu entwickeln. Das Pro- gramm Temporary Assistance for Needy Families (TANF) wurde vom Ministerium für Gesundheit und Soziales entwickelt, um Familien mit Kindern unter 18 Jahren, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, finan - zielle Unterstützung zukommen zu lassen. Das Land- wirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten hat das Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP) entwi- ckelt, um Familien, die von der Regierung finanzielle Un - terstützung für Lebensmittel erhalten, bei der Arbeitssu- che und der Berufsausbildung zu helfen. Das Federal Pell Grant Program schließlich vergibt bedarfsabhängige Sti- pendien an Studierende mit geringem Einkommen, um den Zugang zur Hochschulbildung zu erleichtern. Diese Bundesprogramme wurden mit der Absicht ins Leben gerufen, die soziale Mobilität von jungen Menschen zu fördern. Deferred Action for Childhood Arrivals und der DREAM Act Deferred Action for Childhood Arrivals (DACA – Aufgescho - bene Maßnahmen für im Kindesalter Immigrierte) ist eine Einwanderungsregelung, die auf Bundesebene vom Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security) 2012 für Jugendliche geschaffen wurde, die als Kinder mit ihren Eltern auf illegalem Weg in die USA ein- gewandert sind. DACA erlaubt es diesen Kindern, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten und so einer Abschiebung durch die Regierung zu entgehen. Außerdem ermöglicht er den Besuch einer Hochschule in dem Bundesstaat, in dem sie leben. Das Gesetz sieht allerdings keinen Weg zur US-amerikanischen Staatsbürgerschaft vor. Dem vorausgegangen war der Gesetzesentwurf DREAM Act, der genau das ermöglichen sollte und 2001 erstmals un- ter dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama einge- bracht wurde, jedoch immer wieder im Kongress schei- terte. Während der Trump-Administration wurden DACA (Schutz-)Maßnahmen bis auf Weiteres ausgesetzt. Unter Präsident Biden gibt es laufende Bemühungen, das Pro- gramm wieder ins Leben zu rufen. Weiterhin werden die Maßnahmen zum Schutz der sog. „Dreamer“ auf politi- scher und gesetzgeberischer Ebene heftig diskutiert. Mobbing-Prävention Das United States Department of Health and Human Ser - vices stellt Forschungsergebnisse und Material zur Ver-

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