From Local to Global: Friedensarbeit in der IJA

Der Fachtag “Local to Global: Friedensarbeit in der IJA” greift aktuelle Impulse aus IJAB-Veranstaltungen auf und eröffnet einen Raum für Austausch, Vernetzung und fachliche Einordnung von Friedensarbeit im Kontext der Internationalen Jugendarbeit. Ziel ist es, die Rolle der Internationalen Jugendarbeit für Friedensförderung stärker in den Fokus zu rücken und bestehende Ansätze, Methoden und Projekte sichtbarer zu machen sowie miteinander zu verknüpfen.

From Local to Global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit

Fachtag | 11.06.2026

Fachtag | 11.06.2026

Fachtag | 11.06.2026

Fachtag | 11.06.2026

Dokumentation

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund ...........................................................................................................................................................................3

Anlass und Zielsetzung............................................................................................................................................... 3

Friedensarbeit als Aufgabe der Internationalen Jugendarbeit ............................................................................. 4

Programm auf einen Blick ...................................................................................................................................................5

Impulse ..................................................................................................................................................................................6

Workshops ............................................................................................................................................................................. 8

Traumasensible Pädagogik in der Internationalen Jugendarbeit – Lernräume sensibel gestalten – Handlungssicherheit stärken .................................................................................................................................... 8

Kriegsgräberstätten als Lernorte und ihr Beitrag zur Friedensarbeit im internationalen Kontext?............. 10

Peacebuilding und Politische Bildung - Praxisstrategien für die dialogorientierte Arbeit mit jungen Menschen................................................................................................................................................................... 12

Qualitätsstandards praktisch nutzen: Jugendbeteiligung in Youth, Peace & Security .................................... 14

Frieden und Sicherheit jugendpolitisch denken................................................................................................... 17

Globale Agenda in der Praxis - Jugend, Frieden und Sicherheit in der Internationalen Jugendarbeit ......... 19

Mapping & Vernetzung ..................................................................................................................................................... 23

Zusammenfassung & Ausblick......................................................................................................................................... 24

Impressum ......................................................................................................................................................................... 26

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Hintergrund Internationale Jugendarbeit schafft Räume für Begegnung, Verständigung und Teilhabe. Sie leistet damit seit jeher einen Beitrag zur Friedensarbeit. Angesichts gegenwärtiger Kriege, Krisen und gesellschaftlicher Spaltungen stellt sich jedoch neu die Frage, wie Friedensarbeit heute gedacht, begründet und praktisch gestaltet werden kann. Welche Rolle kommt dabei der Internationalen Jugendarbeit zu? Und welche Bedeutung haben junge Menschen in diesem Kontext? Mit dem Fachtag „Local to Global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit“ haben IJAB und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. – mit Unterstützung des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB), der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AEJ), des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) und von jugendgerecht.de – Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik – am 11. Juni 2026 in Bonn insgesamt 53 Fachkräfte, Engagierte und Entscheidungsträger*innen aus der Internationalen Jugendarbeit und der Friedensarbeit zum Austausch zusammengeführt.

Anlass und Zielsetzung

Mit Veranstaltungen wie der internationalen Jugendbegegnung „Youth4Peace”, der internationalen Konferenz „Democracy in Action – Youth Work Matters!” und der deutsch-ukrainischen online-Tagung „Europäische Jugendarbeit unter Kriegsbedingungen” leisteten IJAB, die Fach- und Förderstellen der Internationalen Jugendarbeit, der Europarat sowie weitere nationale und internationale Partner 2025 einen Beitrag zur Demokratiestärkung und Friedensgestaltung. Auf dem IJAB-Panel zu „Jugend, Frieden und Sicherheit” beim 18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2025 wurde zugleich deutlich, dass die Rolle der Internationalen Jugendarbeit für die Friedensarbeit – insbesondere auf der lokalen Ebene – nicht ausreichend sichtbar ist. Dadurch werden Strukturen, Synergien, Methoden und Instrumente nicht ausreichend zusammengeführt. Hier setzte der Fachtag an: Ziel war es, Ansätze zu finden, um diese Lücke zu schließen und Brücken zwischen den Akteur*innen zu bauen: Träger der Internationalen Jugendarbeit waren eingeladen, ihre Arbeit im Kontext der Friedensarbeit zu verorten und mit anderen Akteur*innen aus Praxis und Forschung in den Austausch zu kommen. Projekte der Friedensarbeit wurden vorgestellt mit dem Ziel, gemeinsam zu reflektieren, wie sie in einen globalen Kontext – zum Beispiel der Youth, Peace and Security-Agenda – einzuordnen sind.

„Internationale Jugendarbeit kann Kriege vielleicht nicht verhindern, aber sie schafft die Bedingungen für Frieden. Sie schafft Räume der Begegnung, in denen junge Menschen Empathie und Konfliktfähigkeit lernen.“ (Pawel Prokop – Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.)

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Friedensarbeit als Aufgabe der Internationalen Jugendarbeit

Der Fachtag legte ein prozessuales und positives Friedensverständnis zugrunde: Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er umfasst Freiheit, Sicherheit, die Überwindung von Ungleichheit, nachhaltige Entwicklung und zielt auf soziale Gerechtigkeit und eine Kultur des Friedens. In der Friedens- und Konfliktforschung gilt ein fundamentaler Zusammenhang von Demokratie und Frieden – eine wesentliche Grundlage auch der Friedenspädagogik. Internationale Jugendarbeit zeichnet sich durch ihren Begegnungscharakter und die Kooperation zivilgesellschaftlicher Akteur*innen aus; sie eröffnet Lern-, Erfahrungs- und Reflexionsräume mit einer nicht zu unterschätzenden gesellschaftspolitischen Dimension und findet Zugänge zu jungen Menschen, über die die Politik nicht verfügt. Der Fachtag fragte entlang dieser Linien, wie Internationale Jugendarbeit ihre friedensstiftende Wirkung heute begründen, gestalten und sichtbar machen kann. Im Sinne des Fachtags, Brücken zu bauen zwischen lokalen Initiativen und europäischen und internationalen Akteur*innen, Beschlüssen und Programmen, führte die sog. Harvesting-Wall, eine Moderationswand mit einer Darstellung der Nordbrücke in Bonn, die Teilnehmenden durch den Tag. Gemeinsam galt es, Methoden und Ideen zu finden, um Wirkung und Sichtbarkeit der Internationalen Jugendarbeit im Kontext der Friedensarbeit zu stärken.

Bild 1: Brücken bauen als Motto - Harvensting Wall beim Fachtag

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Programm auf einen Blick

Local to Global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit 11. Juni 2026 | 09:30 – 16:30 Uhr | IJAB – Bonn

Begrüßung Daniel Poli | IJAB Pawel Prokop | Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. | Vorstand IJAB

Keynote: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit: alte Fragen, neue Antworten?! Tobias Bütow | Deutsch-Französisches Jugendwerk

Interaktives Panel: Was macht Friedensarbeit heute aus und welche Rolle spielt die Internationale Jugendarbeit dabei?

• Tobias Bütow, Deutsch-Französisches Jugendwerk • Eva Feldmann-Wojtachnia, Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians- Universität München • Kirsten Hartmann, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg • Emilia Iron, Aktion Friedenslicht, Pfadfinderinnenschaft St. Georg

• Georg Pirker, Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. • Pawel Prokop, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Workshops – Runde I • Traumasensible Pädagogik in der Internationalen Jugendarbeit Referentin: Elżbieta Kosek, Kreisau-Initiative e. V. • Kriegsgräberstätten als Lernorte und ihr Beitrag zur Friedensarbeit im internationalen Kontext? Referent: Pawel Prokop, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. • Peacebuilding und Politische Bildung: Praxisstrategien für die dialogorientierte Arbeit mit jungen Menschen Referentin: Edita Štulcaitė, OWEN – Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e. V. Workshops – Runde II • Qualitätsstandards praktisch nutzen: Jugendbeteiligung in Youth, Peace & Security Referentinnen: Christina Schneider, Deutscher Bundesjugendring (DBJR); Paula Neher-Old, Deutsches Nationalkomitee (DNK) • Frieden und Sicherheit jugendpolitisch denken Referent*innen: Nils Rusche, jugendgerecht.de, Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) sowie Natalia Jagolski, DGVN-Jugendbeobachterin / Leiden University • Globale Agenda in der Praxis: Jugend, Frieden und Sicherheit in der Internationalen Jugendarbeit Referent: Paul Klahre, Capacity Development Lead – United Network of Young Peacebuilders

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Impulse Bereits in Begrüßung und Keynote wurde deutlich, wie zentral Räume für Begegnung und Austausch zu Friedensarbeit sind. „Demokratie steht unter Druck – von außen und von innen. Wir merken das an allen Stellen. Junge Menschen merken das. Es gibt eine gesellschaftliche Polarisierung, aber auch Frieden und Sicherheit sind bedroht. Und ich möchte mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass wir seit fünf Jahren Krieg in Europa haben. Und das ist ein Grund, warum wir uns mit diesem Thema verstärkt beschäftigen wollen“ (IJAB-Direktor Daniel Poli). Gerade deshalb würden „Räume für Begegnung – das wofür die Internationale Jugendarbeit steht – wichtiger, denn je“. Dass junge Menschen nicht nur von Krieg betroffen sind, sondern wichtige Akteur*innen für Friedensgestaltung und Sicherheit sind, betonte Pawel Prokop vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in seinen einführenden Worten. Zwar könne die Internationale Jugendarbeit Kriege nicht verhindern. Daraus folge jedoch nicht, dass sie wirkungslos sei. Vielmehr schaffe sie Voraussetzungen für Frieden: Räume, in denen sich junge Menschen begegnen, sowie Empathie- und Konfliktlösekompetenzen entwickeln können.

Damit Internationale Jugendarbeit ihre Wirkung entfalten und möglichst alle jungen Menschen erreichen könne, brauche es eine verlässliche Finanzierung, konkrete Ziele sowie Mut, gemeinsam für diese Ziele zu werben.

Den Bedeutungszuwachs von Räumen griff auch Tobias Bütow vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) in seiner Keynote auf. Der Generalsekretär des DFJW hielt bereits 2023 vor den Vereinten Nationen eine Rede zum Thema Youth, Peace and Security (YPS). Heute geht es für ihn darum, alte Fragen neu zu beantworten. Jugendaustausch sei vom Selbstverständnis her eng mit der YPS-Agenda verknüpft. Dennoch fehle dort die Säule des Jugendaustausches bisher. Damit Internationale Jugendarbeit ihre Wirkung entfalten und möglichst alle jungen Menschen erreichen könne, brauche es eine verlässliche Finanzierung, konkrete Ziele sowie Mut, gemeinsam für diese Ziele zu werben. Panel: Friedensarbeit neu denken – junge Menschen beteiligen Auf dem Panel diskutierten Eva Feldmann-Wojtachnia (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Pawel Prokop (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kirsten Hartmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ), Emilia Iron (Aktion Friedenslicht der Pfadfinderinnenschaft St. Georg), Georg Pirker (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. ) und Tobias Bütow (DFJW) darüber, wie Internationale Jugendarbeit mit Friedensarbeit verknüpft ist und was das konkret bedeutet. Das Panel machte deutlich, wie sehr sich die Ausgangssituation verändert hat: Lange Zeit wurde Friedensarbeit als etwas gesehen, das woanders stattfindet. Krieg sei nun wieder in Europa; Friedensarbeit damit weniger abstrakt. Gleichzeitig stünden europäische Gesellschaften unter Druck, etwa durch Spaltung und Desinformationskampagnen. Daher brauche es neue Lösungen: Statt ausschließlich auf Top-down-Ansätze zu setzen, müssten junge Menschen stärker als aktive Gestalter*innen wahrgenommen und einbezogen werden.

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Bild 2: Forschung und Praxis im Austausch zu Friedensarbeit (Georg Pirker, Eva Feldmann- Wojtachnia, Pawel Prokop, Kirsten Hartmann, Emilia Iron, Tobias Bütow, v.l.n.r.)

Ob Friedensarbeit lokal oder global beginnt, war eine weitere zentrale Frage des Panels. Besonders wichtig sei die lokale Ebene, da dies oft der erste Berührungspunkt von jungen Menschen sei. Gleichzeitig gebe es auch Wechselbeziehungen zu politischen Rahmenwerken, wie der YPS-Agenda. Auch wenn viele Fachkräfte noch zögerten, solche Bezüge herzustellen, könne genau darin eine wichtige Aufgabe liegen: lokale Erfahrungen vor Ort mit globalen politischen Entwicklungen in Beziehung zu setzen.

Mangelt es der Internationalen Jugendarbeit an Selbstbewusstsein? Diese Frage stand ebenso im Raum wie die Frage nach Orten, an denen eine fragmentierte Szene zusammenfinden, sich organisieren und gemeinsame Forderungen entwickeln kann.

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Workshops In zwei Runden boten sechs parallele Workshops Einblicke in die Praxis von Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit, von traumasensibler Pädagogik über Erinnerungs- und Dialogarbeit bis hin zur Youth-, Peace- and Security-Agenda. Die folgenden Zusammenfassungen geben die zentralen Inhalte und Ergebnisse wieder. Beiträge aus den Workshops sind zusammengefasst und nicht personenbezogen wiedergegeben.

Traumasensible Pädagogik in der Internationalen Jugendarbeit – Lernräume sensibel gestalten – Handlungssicherheit stärken Referentin: Elżbieta Kosek, Kreisau-Initiative e. V. (stellvertretende Geschäftsführung und Leitung des Arbeitsbereichs Inklusion)

Wie können internationale Begegnungen so gestaltet werden, dass junge Menschen sich sicher, ernst genommen und handlungsfähig fühlen? Der Workshop lud Fachkräfte dazu ein, traumasensible Ansätze in der Internationalen Jugendarbeit praxisnah zu reflektieren. Im Mittelpunkt standen Einblicke in methodische Ansätze und Good Practices sowie Austausch über konkrete Herausforderungen im Umgang mit Unsicherheiten und unterschiedlichen Schutzbedarfen. Ziel war es, Anregungen für die Gestaltung traumasensibler Lern- und Begegnungsräume zu bekommen. Materialien & Hinweise Online-Kurs (MOOC): Traumasensible Demokratiebildung https://vielfalt-gestalten.de/courses/traumasensible-demokratiebildung/ Ausschreibung DIY²-Labor: Let’s talk about Awareness! https://ijab.de/fortbildungen/diy2-labore/beitraege-diy2-labore/neues-online-diy2-lab-lets- talk-about-awareness

Diskussion & Leitfragen

Ein traumasensibler Lernraum zum Ankommen: Die Referentin bereitet einen Raum vor, in dem jede*r Teilnehmende*r zunächst in Ruhe ankommen kann – ob rechtzeitig oder zu spät – das ist nicht wichtig. Es wird dafür gesorgt – ohne Stress und Zeitdruck – dass jede*r den Platz einnimmt, bei dem sie*er sich am wohlsten fühlt. Dabei bemerkt sie, dass ein Stuhlkreis nicht unbedingt ein traumasensibler Raum ist, denn nicht jede*r fühlt sich wohl in einem Stuhlkreis.

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Einstieg mit Fidgets für Selbstregulierung, Fokus, Zugang: Fidgets sind kleine Gegenstände zum Greifen, Drücken oder Bewegen (etwa Knetmasse, Anti-Stress-Bälle oder taktile Objekte), die im traumasensiblen Setting das Ankommen und die Selbstregulierung unterstützen. Die beiläufige Beschäftigung der Hände hilft, Anspannung abzubauen, den eigenen Erregungslevel zu regulieren und konzentriert sowie präsent im Raum zu bleiben. Gerade für Menschen mit belastenden Erfahrungen können Fidgets so den Zugang zu Austausch und Beteiligung erleichtern, weil sie einen sicheren, körperlichen Ankerpunkt bieten.

Einladung zum Brave Space (von Micky ScottBey Jones): https://www.grossmont.edu/faculty-staff/participatory-governance/student-success-and- equity/_resources/assets/pdf/brave-space-poem.pdf

Übung, um das Konzept Safe Space zu hinterfragen: BRAVE SPACES 1. Was brauche ich, damit ein Raum sicher genug ist, um mich einzubringen?

2. Was hilft mir, auch mit Unsicherheit oder unterschiedlichen Perspektiven im Raum zu bleiben? 3. Welche Qualität muss spürbar sein, damit Lernen, Austausch und Beteiligung möglich werden?

Zentrale Frage: Welche Qualität wird gebraucht für einen mutigen, diversitäts- und letztlich traumasensiblen Lern- und Begegnungsraum? Wie kann diese Qualität in der IJA konkret sichtbar gemacht werden? Wann könnte die Qualität kippen oder Druck erzeugen?

Ergebnisse

Die Gruppe diskutierte im Plenum und in Kleingruppen: • Respekt und Akzeptanz: Wie kommt eine Haltung zustande? • Dilemmata zwischen Schutz(-pflicht) und Partizipation • die Schattenseite von Überforderung • aber auch einen Wachstumsraum, um auch die Komfortzone zu verlassen • Awareness- und Schutzkonzepte • No-Harm-Prinzip & das Prinzip des guten Grundes • Deep Democracy Ansatz

Auf die Internationale Jugendarbeit übertragen : Wie gestalten wir Bildungsräume, in denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen sicher genug da sein und mitwirken können?

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Über die Referentin Elżbieta Kosek ist stellvertretende

Geschäftsführerin und Bereichsleiterin Inklusion bei der Kreisau-Initiative e. V. Seit fast 20 Jahren ist sie als Trainerin und Projektleiterin in der internationalen Jugendarbeit tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf inklusiver und traumasensibler Pädagogik, diversitätssensiblen Lernräumen sowie internationalen Jugendbegegnungen und Fachkräfteformaten.

Bild 3: Elżbieta Kosek beim Fachtag

Kriegsgräberstätten als Lernorte und ihr Beitrag zur Friedensarbeit im internationalen Kontext?

Referent: Pawel Prokop, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Kriegsgräber pflegen = Friedensarbeit? Die Youth, Peace and Security-Agenda (YPS-Agenda) der Vereinten Nationen fordert, junge Menschen als politische Akteur*innen von Frieden ernst zu nehmen. In internationalen Jugendbegegnungen des Volksbundes treffen Jugendliche an Kriegsgräberstätten auf Geschichte, Fragen zur Schuld, Verantwortung und auf nationale Narrative – und sie müssen Position beziehen. Der Workshop fragte kritisch: Sind internationale Jugendbegegnungen „nur“ Erinnerungsarbeit und was braucht es, damit sie Frieden fördern?

Materialien & Hinweise Jugend & Bildung im Volksbund: www.volksbund.de/jugend-bildung

Diskussion & Leitfragen

Der Input ordnete den Volksbund ein und umriss seine drei Kernaufgaben: Kriegsgräberpflege, Angehörigenbetreuung und Vermittlungs-/Bildungsarbeit. Das Leitbild des Volksbund wird getragen vom Prinzip eines dialogischen Erinnerns, das unterschiedliche Perspektiven respektiert und Gemeinsamkeiten hervorhebt.

Vorgestellt wurden zudem der Funktionswandel der Kriegsgräberstätte – vom Ort individueller Trauer zum Ort kollektiven Erinnerns, ihr Alleinstellungsmerkmal als Lernort:

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• Geschichte wird persönlich und haptisch greifbar; • Ort interkultureller Begegnung sowie • politischer und diplomatischer Bedeutung • geleitet von einem erweiterten Friedensverständnis • und die pädagogischen Prinzipien: mahnendes statt heldenhaftes Gedenken, Biografiearbeit, Thematisierung des Spannungsfelds Täter–Opfer) Wie wird das Thema Schutz konkret umgesetzt, und wie werden ehrenamtliche Teamer*innen darauf vorbereitet (Fortbildungen, Umgang mit schwierigen Situationen, Peer-to-Peer)? • Wie wird das Thema Konflikt gerahmt – auch im Sinne von Safeguarding? • Wie geht man mit aktuellen Kriegen um (Beispiel Ukraine, Errichtung von Grabstätten)? Denn für jede Situation gilt es, den richtigen Zeitpunkt und den historischen Rückblick zu finden. • Wie wird jungen Menschen angesichts von Krieg Hoffnung und Perspektive vermittelt? In der anschließenden Diskussion wurden u. a. folgende Fragen aufgeworfen: •

Ergebnisse

• Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Auch der Volksbund selbst ringt um eine Definition: Frieden bedeutet Freiheit, schließt Sicherheit, die Überwindung von Ungleichheit und nachhaltige Entwicklung ein. Frieden ist kein passiver Zustand, sondern erfordert ständige Bemühung.

• Friedensarbeit ist mehr als punktuelles Gedenken – sie zielt auf die Motivation zur Übernahme von Verantwortung und ist ein elementares, übergeordnetes Bildungsziel, das externen Einflüssen unterliegt.

• Nationale Narrative lösen sich immer mehr auf: In multiethnischen, internationalen

Gesellschaften gibt es keine klassischen, homogenen nationalen Narrative mehr; jede Gruppe ist bereits eine interkulturelle Begegnung mit eigenen Erfahrungen und Geschichten. Entscheidend wird die Frage, von welchem Ausgangspunkt aus Geschichte betrachtet wird.

• Streit als konstruktives Element: Produktiv geführte Konflikte ermöglichen es, verschiedene Perspektiven auf Geschichte und Narrative einzunehmen. Zugleich haben Narrative einen Imperativ- Charakter – die Frage nach dem Umgang mit Schuld und Unrecht bleibt zentral.

• Bedingungen wirksamer Arbeit: mehr Wissen, klarere Strukturen sowie Sicherheits- und Safeguarding-Konzepte – sowohl für Haupt- als auch für Ehrenamtliche.

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• Als weiterführend wurde der Wunsch festgehalten; die Differenziertheit der Kriegsgräberstätten als Lernorte wurde positiv hervorgehoben, während strukturell noch Entwicklungsbedarf besteht.

Über den Referenten Pawel Prokop ist seit 2018 Referatsleiter für Internationale Jugendbegegnungen beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und verantwortet dort die internationalen Jugendprogramme, Workcamps und Bildungsprojekte zur historischen Erinnerung und Friedensarbeit. Pawel Prokop setzt sich im Vorstand von IJAB für die Stärkung der Internationalen Jugendarbeit ein.

Bild 4: Pawel Prokop beim Fachtag

Peacebuilding und Politische Bildung - Praxisstrategien für die dialogorientierte Arbeit mit jungen Menschen Referentin: Edita Štulcaitė, OWEN - Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e. V.

Im Workshop wurden die Erkenntnisse aus der Dialogarbeit mit Partner*innen aus Armenien und Aserbaidschan vorgestellt, mit einem gezielten Fokus auf die Bedeutung einer langfristigen Einbindung junger Menschen. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke und erproben selbst, wie konfliktverschärfende Narrative in Dialogprozessen kritisch analysiert werden können und welches Potenzial diese gemeinsame Analyse für die Konflikttransformation hat. Abschließend wurde aufgezeigt, welche Synergien sich aus der Verbindung von politischer Bildung – einschließlich des Umgangs mit Desinformation – und Peacebuilding ergeben und wie diese in der Arbeit mit jungen Menschen auch in anderen Kontexten genutzt werden können. Materialien & Hinweise OWEN - Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e. V. : https://owen-berlin.de/ Zwischen Konflikt und Dialog – politische Narrative hinterfragen: Padlet des Projekts “Conflict Narratives”

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Diskussion & Leitfragen

Im Zentrum stand die Arbeit mit politischen Narrativen, die den Rahmen für die Deutung von Konflikten setzen und zwischen der Legitimation von Gewalt oder Frieden sowie für die Identitätsbildung wirken. Vorgestellt und erprobt wurde eine Toolbox zur Analyse politischer Narrative entlang der Kategorien Sender, Macht, Zeitpunkte, Protagonist, Veränderung, Story, Metanarrativ und Codes .

Die Teilnehmenden gingen dabei folgenden Fragen nach: • Wie lässt sich ein politisches Narrativ analysieren?

In einer Übung analysierten die Teilnehmenden die Rede eines georgischen Oligarchen entlang einer Drei-Zeiten-Logik – Vergangenheit („Es gibt eine Front"), Gegenwart („Es wird eine zweite Front geben") und Zukunft („Es wird Krieg geben") – mit der Auflösung, der Wohlstand sei in Gefahr und nur „wir" könnten Wohlstand und Stabilität schaffen, während „die Anderen" als „globale Kriegspartei" die Verbindung zu Verbündeten verhinderten. • Was fällt an einem solchen Narrativ auf? Benannt wurden Widersprüchlichkeit, ein populistisches Muster, ein Aufruf zur Gewalt, „Heimat" als emotional geladener Begriff und das gezielte Spiel mit Angst. • Wie lassen sich konfliktfördernde Narrative auflösen – und wie sehen friedensfördernde Narrative aus? • Welche Transfermöglichkeiten ergeben sich für andere Kontexte?

Ergebnisse

• Von konfliktfördernden zu friedensfördernden Narrativen.

Statt Konflikte zu verschärfen, gilt es, gemeinsame Ziele und Interessen zu formulieren, den anderen als Menschen in den Blick zu nehmen und die eigene Handlungsfähigkeit zu betonen. • Bedürfnisse und Ängste als Kern von Narrativen wahrnehmen. Grundlage sind vier Grundbedürfnisse und die mit ihnen verbundenen Ängste: Sicherheit (Angst vor Vernichtung), Wohlstand (Angst vor dem Elend), Identität (Angst vor Entfremdung) und Freiheit (Angst vor Unterdrückung). • Position – Interessen – Bedürfnisse Auf der Ebene der Positionen ist eine Einigung oft nicht möglich, auf der Ebene der Interessen erschweren unterschiedliche Legitimationen die Verständigung – erst auf der Bedürfnisebene wird Transformation denkbar. • Empowerment auf individueller Ebene Die Internationale Jugendarbeit hilft, sich von emotionalen Bewertungen zu lösen, schult die Dialogfähigkeit, vermittelt das Gefühl „Ihr könnt etwas bewirken und verändern" und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. • Umgang mit Desinformation: politische Bildung und Medienkompetenz wirken gegen Rassismus und laden dazu ein, eigene Narrative zu überprüfen • Vorwürfe funktionieren nicht; tragfähiger ist die gemeinsame Analyse von Narrativen. • Transfer in weitere Kontexte

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Stärkung des Zusammenhalts auch in der nationalen Jugendarbeit: Es braucht eine aktive Zivilgesellschaft, um Themen zu besprechen und Wege der Unterstützung zu finden.

Über die Referentin Edita Štulcaitė ist seit 2017 im Bereich der außerschulischen Jugend- und

Erwachsenenbildung und seit 2023 bei OWEN – Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e.V. in Berlin tätig. Sie arbeitet in Projekten, die das Ziel haben, auch in Konflikt- und Kriegskontexten Räume für grenzübergreifenden Dialog, Zusammenarbeit und demokratische Resilienz zu stärken.

Bild 5: Edita Štulcaitė beim Fachtag

Qualitätsstandards praktisch nutzen: Jugendbeteiligung in Youth, Peace & Security Referentinnen: Christina Schneider, Deutscher Bundesjugendring (DBJR), Paula Neher- Old, Deutsches Nationalkomitee (DNK)

Jugendbeteiligung ist ein zentraler Bestandteil der Gestaltung friedlicher Gesellschaften – aber wann ist Beteiligung wirklich gut gemacht? Im Workshop lernten die Teilnehmenden die Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung kennen und übertrugen sie auf die Youth, Peace and Security-Agenda. In Austausch- und Arbeitsphasen ging es darum, praktische Ansatzpunkte, Herausforderungen und Potenziale für gute Jugendbeteiligung im YPS-Kontext sichtbar zu machen. Materialien & Hinweise DBJR: Qualitätstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung: https://standards.jugendbeteiligung.de/ IJAB: Überblick über die UN-Jugendbeteiligungsprogramme: Jugendbeteiligung international

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Diskussion & Leitfragen

Den Einstieg bildete eine grundsätzliche Frage: Was unter Jugendrepräsentation und Jugendbeteiligung zu verstehen ist – mit der zentralen Unterscheidung von deskriptiver Repräsentativität (soziografische Spiegelung der Vielfalt junger Menschen) und substantieller Repräsentativität (demokratische Legitimation; Jugendverbände als legitimierte Interessenvertretung) sowie der sauberen Abgrenzung von Beteiligung, Interessenvertretung und Repräsentation. Leitend für die weitere Arbeit waren folgende Fragen: 1. Beteiligung braucht förderliche institutionelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen • Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Jugendbeteiligung zu YPS funktionieren kann? • Wer sind die wichtigsten Akteur*innen und welche Rolle können sie einnehmen, um Jugendbeteiligung zu YPS zu fördern? • Welche Hürden bestehen in Bezug auf die Rahmenbedingungen?

Rückmeldungen der Teilnehmenden

➢ Ohne innovative Ansätze wird Beteiligung weniger interessant

➢ Es ist kein politischer Wille vorhanden = politische Übernahme von Verantwortung notwendig

➢ Akteur*innen / Mittler*innen wie Verbände oder Fachkräfte für Partizipation

➢ Es braucht eine klare strukturelle Zuständigkeit

➢ Einbindung in den Nationalen Aktionsplan Kinder- und Jugendbeteiligung sowie in andere bestehende Formate wie die Jugenddelegiertenprogramme

➢ Praktische Übersetzung von YPS in die nationale Ebene = Aktionsplan

2. Beteiligung schließt alle jungen Menschen ein • Was ist zu beachten, um Jugendbeteiligung zu YPS für eine große Brandbreite an jungen Menschen zu ermöglichen und Hürden abzubauen? • Was ist an YPS Kinder und Jugendliche am bedeutsamsten? • Wie kann YPS leicht zugänglich gemacht werden? • Welche Informationen müssen dafür bereitgestellt werden und wie können sie verständlich gemacht werden?

Rückmeldungen der Teilnehmenden

➢ Verlässliche, kompetente Ansprechpartner*innen

Vertrauen

jugendgerechte Kommunikation

Bekanntheit der YPS-Agenda stärken

➢ Begriffe, Sprache erläutern und Bedeutung für den*die Einzelne*n

lebensweltliche lokale Übersetzung

3. Beteiligung braucht Qualifikation • Welche Qualifikations- und Weiterbildungsangebote können/sollten bestehen, damit Jugendbeteiligung zu YPS effektiv und qualitativ gut ist?

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• Gibt es Mindeststandards der Wissensgrundlage, die geschaffen werden sollten?

Rückmeldungen der Teilnehmenden

unausgesprochene Regeln / Setting

➢ Sprache & Rhetorik, Wissen & Informationen

Selbstbewusstsein aufbauen

➢ Praktisches Verständnis über die Bedeutung

➢ Der Mehrwert, den die YPS-Agenda für junge Menschen hat, erarbeiten

➢ Praktische Ebene in der IJA: Fachkräfteaustausch zu den fünf Säulen der YPS-Agenda

4. Beteiligung ist transparent • Was ist zur Transparenz eines Jugendbeteiligungsprozesses zu YPS zu beachten? • Welche Informationen sollten für einen Jugendbeteiligungsprozess zu YPS vorliegen? • Welche Ziele sollte ein Jugendbeteiligungsprozess zu YPS haben? • Wie lang sollte ein Jugendbeteiligungsprozess zu YPS sein?

Rückmeldungen der Teilnehmenden

Ehrliche Rahmenbedingungen

➢ einheitliche jugendgerechte Ausschreibungen

➢ Rückkoppelungen planen und kommunizieren

Kostentransparenz

5. Beteiligung wird überprüft •

Welche Ziele sollte ein Jugendbeteiligungsprozess zu YPS haben? • Wie kann/sollte die Evaluation eines Jugendbeteiligungsprozesses zu YPS aussehen? • Wie kann/sollte die Dokumentation eines Jugendbeteiligungsprozesses zu YPS aussehen?

Rückmeldungen der Teilnehmenden

➢ Kontextualisieren der YPS Agenda mit jungen Menschen

➢ jugendgerechte und beteiligte Evaluation

Über die Referentinnen Christina Schneider ist Referentin für

Internationale Jugendpolitik beim Deutschen Bundesjugendring (DBJR). Paula Neher-Old ist Referentin im Deutschen Nationalkomitee für Internationale Jugendarbeit (DNK) im DBJR und koordiniert u.a. die Jugendbeteiligungsprogramme zur UN-Generalsversammlung.

Bild 6: Paula Neher-Old und Christina Schneider (v.l.n.r.)

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Frieden und Sicherheit jugendpolitisch denken

Referent*innen: Nils Rusche, jugendgerecht.de / Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ); Natalia Jagolski, Leiden University, DGVN-Jugendbeobachterin

In aktuellen jugendpolitischen Debatten wird Sicherheitspolitik ausdrücklich breiter verstanden als nur militärische Verteidigung. Der Workshop nahm zentrale Bausteine dafür in den Blick und ermöglichte es, Sicherheitspolitik als Zusammenspiel von ziviler Krisenprävention, Klimaschutz, Demokratiebildung, Beteiligung, sozialer Sicherheit, Katastrophenschutz, Jugendaustausch und internationaler Verantwortung zu verstehen. Ziel des Austausches war es, Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen, konkrete Forderungen für eine jugendgerechte Sicherheitspolitik zu teilen und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Materialien & Hinweise Denkwerkstatt „Jugendgerechte Sicherheitspolitik“: jugendgerecht.de Grundlagenpapier Jugendgerechte Sicherheitspolitik Podcast-Empfehlung: Transfer-Talks

Diskussion & Leitfragen

Wer ist zum Handeln aufgefordert?

• Welche zwei Bausteine sind aus eurer Perspektive am dringlichsten - und warum? • Was fordern junge Menschen in eurem Kontext konkret und was fehlt in der aktuellen Sicherheitspolitik?

Eine jugendgerechte Sicherheitspolitik braucht folgende Grundlagen: • breites Begriffsverständnis • Jugendpartizipation • Transparenz und Bildung • Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit Eine jugendgerechte Sicherheitspolitik braucht folgende Elemente: • Jugendbeteiligung wirksam umsetzen • Jugendaustausch und Friedensdienste stärken • Bildung über sicherheitspolitische Zusammenhänge fördern • Dienste in Bundeswehr

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Ergebnisse

• Zum Handeln aufgefordert sind vor allem jene, die an der Schnittstelle stehen, sowie Akteur*innen der Bildungsarbeit gegenüber politischen Entscheidungsträger*innen • Am dringlichsten sind die Bausteine: Klimaschutz, soziale Sicherheit, Demokratiebildung, Katastrophenschutz (die EU-Kommission setzt das Thema „Preparedness" auf die Agenda), sowie die Mobilisierung und Beteiligung junger Menschen. • Was fordern junge Menschen: keine Symbolpolitik, keinen Tokenismus, realistisches Erwartungsmanagement, echte Mitsprachen, Klimaschutz nicht hinter anderen Krisen verlieren, Zukunftssicherung und Rente, Resignation sichtbar machen, jugendgerechte Fördermittel, Anerkennung, Katastrophenschutz stärker präsent machen, Bewusstsein über die globale Vernetzung

Eine zentrale Einsicht: Beteiligung und soziale Sicherung wirken als Türöffner: Wer junge Menschen beteiligt, bei dem tauchen die übrigen Themen ohnehin auf. Und wer sozial abgesichert ist, kann sich engagieren.

Über die Referent*innen Nils Rusche ist wissenschaftlicher Referent bei der Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik – jugendgerecht.de, einem Projekt der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ). Natalia Jagolski lehrt Security Studies an der Universität Leiden und engagiert sich für die YPS- Agenda – u. a. als DGVN-Jugendbeobachterin beim UN Peacekeeping Ministerial 2025 in Berlin und als Teilnehmerin der zweiten EU-YPS-Konferenz.

Bild 7: Nils Rusche

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Globale Agenda in der Praxis - Jugend, Frieden und Sicherheit in der Internationalen Jugendarbeit Referent: Paul Klahre, Capacity Development Lead – United Network of Young Peacebuilders

Die Agenda Jugend, Frieden und Sicherheit (Youth, Peace and Security - YPS) rückt junge Menschen in den Fokus von Friedensarbeit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und politischer Teilhabe. In Deutschland und der Internationalen Jugendarbeit wird sie trotz ihrer offensichtlichen Bedeutung unzureichend verfolgt. Der Workshop schlägt eine Brücke zwischen den Zielsetzungen der Vereinten Nationen und den Praxisfeldern der Internationalen Jugendarbeit. Gemeinsam wurde erarbeitet, welche Anknüpfungspunkte, Herausforderungen und Potenziale sich daraus für Austausch, Pädagogik, Jugendpolitik und Friedensarbeit ergeben.

Materialien & Hinweise

• UNOY Peacebuilders: www.unoy.org • Guidelines für nationale Umsetzung von YPS: Ein Handbuch für Beamte (2022). • Länderbeispiele zur Nationalen Umsetzung von YPS (2023): • Klahre, Paul (2022): Brücken bauen zwischen Deutscher Jugend- und Friedensarbeit: Blinde Flecken, Gemeinsamkeiten, Potenziale. Bundeskanzler Helmudt-Schmidt- Stiftung. • YPS-Lexikon: https://sites.google.com/sfcg.org/ypslexicon/home

• Globale Koalition zu Jugend, Frieden und Sicherheit: https://cnxus.org/resource/gcyps-globalcoalitiononyps/

• YPS-Datenbank: https://ypsdb.org/ • YPS-Monitor: https://ypsmonitor.com/

Über die UNOY Peacebuilders Das United Network of Young Peacebuilders (UNOY Peacebuilders, www.unoy.org) ist ein globales Netzwerk von mehr als 140 jugendgeleiteten Mitgliedsorganisationen in über 80 Ländern. Sie eint die Vision einer gewaltfreien Welt, in der junge Menschen die Macht besitzen, Konflikte zu transformieren. UNOY versteht sich als Plattform, die ihre Mitglieder empowert, unterstützt, vernetzt und mobilisiert, um deren Friedensbemühungen langfristig zu verstetigen.

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Über die Agenda Jugend, Frieden und Sicherheit Die UN-Agenda Jugend, Frieden und Sicherheit (Youth, Peace and Security, YPS-Agenda) erkennt junge Menschen als zentrale Akteur*innen der Friedensförderung an und macht ihre Beteiligung zur Voraussetzung für nachhaltigen Frieden. Die YPS-Agenda fußt auf dem Engagement, Machtstrukturen und Systeme der Unterdrückung und Ausgrenzung zu verändern und abzubauen. Sie umfasst aktuell folgende Resolutionen: • Resolution 2250 (2015) Erstmalige Anerkennung als Friedensakteur*innen & Forderung nach Beteiligung • Resolution 2419 (2018) Beteiligung in Friedensprozessen • Resolution 2535 (2020) Operationalisierung, Kapazitätsentwicklung, Barrieren • Resolution 2807 (2025) Berichts- & Monitoringpflichten Die YPS-Agenda bietet folgende Kernbotschaften: • Junge Menschen sind Akteur*innen der Friedensförderung – Partner*innen für den Frieden und nicht Sicherheitsrisiken • Die Einbeziehung von jungen Menschen in die YPS Prozesse ist sowohl ein Recht als auch eine Notwendigkeit für einen wirksamen und nachhaltigen Frieden • Sinnvolle Beteiligung von jungen Menschen erfordert Wissen, Handlungsfähigkeit und Einfluss • Echte Beteiligung respektiert die Vielfalt von jungen Menschen, vermeidet Alibipolitik und gewährleistet eine gemeinsame Entscheidungsfindung • Die YPS-Agenda wendet sich gegen Maßnahmen, die junge Menschen unter der Annahme, sie seien eine Bedrohung, ausgrenzen, überwachen oder kriminalisieren.

Forderungen der YPS-Agenda sind: •

Junge Menschen in ihren Beiträgen stärker anerkennen • Beteiligung in politischen Prozessen wirksam stärken • Finanzierung für Jugendorganisationen & Jugendarbeit • Strukturelle Barrieren für Teilhabe abbauen • Diveristät jungerMenschen anerkennen

Diskussion & Leitfragen Internationale Jugendarbeit in meinem Kontext… • trägt zu Frieden und Sicherheit bei (explizit/implizit) • berücksichtigt & stärkt junge Menschen in Entscheidungsprozessen (explizit/implizit) • setzt die YPS-Agenda um (explizit/implizit) • wird als Friedensarbeit wahrgenommen? • hat mit einer Friedensorganisation zusammengearbeitet?

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Erkenntnis: Das Framing ist wichtig, die Selbstbezeichnung als Friedensarbeit kann Mehrwert schaffen.

Gruppenarbeit zu drei Themen: • Mind-Mapping: Anknüpfungspunkte der Internationalen Jugendarbeit an YPS • Chancen & Herausforderungen der Ausrichtung von Internationaler Jugendarbeit an YPS • Strategie für Internationale Jugendarbeit: Selbst-organisation & Positionierung für mehr Einflussnahme

Intersektionale Ansätze, junge Menschen zu beteiligen • Erfassen, wer fehlt, und nicht nur, wer anwesend ist •

Vielfältige, von jungen Menschen geleitete Konsultationsmethoden • physische, digitale und soziale Sicherheit priorisieren • Kommunikation und Barrierefreiheit an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen • mit von jungen Menschen geleiteten Gruppen zusammenarbeiten, die marginalisierte Identitäten vertreten • Entscheidungsbefugnisse teilen, nicht nur Räumlichkeiten • Beobachten, wessen Stimmen die Ergebnisse beeinflussen • Wege für marginalisierte junge Menschen schaffen, in Führungspositionen aufzusteigen

Schädliche Narrative bekämpfen: • Adultismus • “Leaders of Tomorrow” •

Binarität: Problem / Friedensstifter

Youth Bulge Theorie

Versicherheitlichung

“Kanonenfutter”

Gewalt der Ausgrenzung - Violence of Exclusion • Schaden entsteht, wenn Menschen ausgegrenzt werden oder ihnen der Zugang zu Ressourcen, Rechten oder Zugehörigkeit verwehrt wird • Oft systemisch bedingt, wirkt sich dies über soziale Normen und Institutionen aus, die bestimmte Gruppen zum Schweigen bringen oder abwerten • Für marginalisierte Jugendliche kann dies bedeuten: von Entscheidungen ausgeschlossen zu sein • Eingeladen, aber nicht gehört zu werden • Hindernisse bei Bildung, Arbeit oder im gesellschaftlichen Leben • Führt zu Entmachtung, Frustration und Desinteresse

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Empfehlungen von Paul Klahre: • Internationale Jugendarbeit klar & selbstbewusst als Friedensarbeit positionieren • Kenntnis um YPS-Agenda erweitern: Toolbox (z. B. zur Problemerkennung) • Frieden, Sicherheit (& Krieg) explizit in pädagogische Arbeit mitnehmen • Jugend- und Friedensorganisationen: Vernetzt euch und macht gemeinsame Sache! • Strukturen von lokalen Jugendorganisationen stärken • Starke Stimme gegenüber der Politik & strategisch organisiert

Über den Referenten Paul Klahre ist im Capacity Development Lead beim United Network of Young Peacebuilders. Er war deutscher Jugenddelegierter zur 75. UN- Generalversammlung und ist ab April 2021 Mit- glied des Jungen Forums der Deutschen UNESCO-Kommission. 2022 leitete er die Arbeit zu YPS beim Jugendbeteiligungsprozess der G7 2022 (Youth7).

Bild 8: Paul Klahre beim Fachtag

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Mapping & Vernetzung Interaktives Check-in, Teilnehmendenlisten, Namensschilder, ausführliche Kaffee-Pausen, gemeinsames Mittagessen, Standtische mit Infomaterial der Teilnehmenden, wechselnde Workshops und eine Mapping Wall: Hinter diesen Elementen stand stets die grundlegende Frage, wie in sechs Stunden die Akteur*innen von Forschung und Praxis zusammenfinden und in einen offenen, konfliktmutigen Dialog kommen können. Mit der Mapping Wall gab es bereits zu Beginn des Fachtags und durch den Tag hindurch, die eigene Arbeit im Kontext der Friedensarbeit zu verorten und Bezüge zu anderen Teilnehmenden sowie zu den Ebenen lokal, national, europäisch und international zu spinnen.

Bild 9: Mapping Wall from local to global

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Bild 10: Harvesting Wall mit Bedingungen für mehr Wirkung

Zusammenfassung & Ausblick Zum Abschluss richtete sich der Blick nach vorn: Was braucht es, damit Internationale Jugendarbeit in der Friedensarbeit mehr Wirkung und Sichtbarkeit entfalten kann? Am Ende des Fachtages waren sich die Teilnehmenden einig: Es braucht mehr Sichtbarkeit und Vernetzung. Ein erster konkreter Schritt ist die Einladung durch IJAB, gemeinsam an einer Publikation mitzuwirken – als offener Raum, der von den Beteiligten gefüllt werden kann. Der Fachtag kann damit als Ausgangspunkt für eine längerfristigen Entwicklung verstanden werden. Denn, ebenso wie Friedensarbeit, ist das ein kontinuierlicher Prozess, der stetig verhandelt werden muss. Statt einer Fragmentierung des Arbeitsfeldes streben die Teilnehmenden eine transsektorale Vernetzung an, hin zu einer stärkeren gemeinsamen Stimme. Die Internationale Jugendarbeit soll zeigen, was sie kann und ist: keine Randfigur, sondern eine pro-aktive Akteurin. Die Teilnehmenden wünschen sich Mut , die eigene Arbeit selbstbewusst als Friedensarbeit zu positionieren, an Entscheidungsträger*innen heranzutreten und auch lokales Engagement mit politischen Rahmenwerken zu verknüpfen. Konkret könnte das bedeuten, die YPS-Agenda in einen jugendgerechteten und lokalen Kontext zu übersetzen .

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Weiterhin wichtig bleibt für die Teilnehmenden, Räume für junge Menschen zu öffnen, in denen sie Selbstwirksamkeit erfahren und aktiv mitgestalten können. Dass solche Erfahrungen für junge Menschen zentral sind, zeigt sich auch in der Forschung.

Entscheidend bleibt die Rückkopplung an die Forschung .

Die Wirkung der Internationalen Jugendarbeit im Kontext der Friedensarbeit sollte dabei nicht nur Output-orientiert verstanden werden, sondern als Prozess . Dabei stellt sich auch die Frage, wie Internationale Jugendarbeit in der Friedensforschung stärker sichtbar werden kann.

Zur selbstbewussten Positionierung gehört laut den Teilnehmenden auch, die strukturelle Unterfinanzierung der Internationalen Jugendarbeit klar zu benennen.

Am Ende des Fachtages waren sich die Teilnehmenden einig: Es braucht mehr Sichtbarkeit und Vernetzung . Ein erster konkreter Schritt ist die Einladung durch IJAB, gemeinsam an einer Publikation mitzuwirken – als offener Raum, der von den Beteiligten gefüllt werden kann. Der Fachtag kann damit als Ausgangspunkt für eine längerfristigen Entwicklung verstanden werden. Denn, ebenso wie Friedensarbeit, ist ein kontinuierlicher das ein kontinuierlicher Prozess, der stetig verhandelt werden muss.

Bild 11: Gruppenbild der Teilnehmenden beim Fachtag Friedensarbeit

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Impressum

Die Dokumentation zum „Fachtag Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit“ wurde zusammengestellt von

Godesberger Allee 142-148 53175 Bonn

Telefon: 0228 9506-0 Fax : 0228 9506-199 E-Mail: info@ijab.de Internet: https://www.ijab.de

Stand: Juli 2026

Verantwortlich: Daniel Poli Redaktion und Ansprechpartner*innen: Till Veerbeck-Stroetmann | Natali Petala-Weber Bei Fragen zum Projekt Fachtag Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit wenden Sie sich bitte an: Till Veerbeck-Stroetmann (veerbeck@ijab.de)

Vorlagengestaltung: simpelplus.de, Berlin Bilder: Titelbild: AhmadTriwahyuutomo|Adobe Stock, Fotos: Christian Herrmann, alle weiteren Grafiken sind KI-generierte Abbildungen des Moderationsmaterials beim Fachtag.

Im Internet nachzulesen unter: https://ijab.de/bestellservice/from-local-to-global

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Die zusammengestellten Informationen wurden nach bestem Wissen recherchiert. Sie erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Hinweise, Änderungs- und Ergänzungsvorschläge nimmt die Redaktion gerne entgegen.

Hinweis: IJAB wird gefördert vom BMBFSFJ im Rahmen des KJP. Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ dar. Die Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung liegt bei der Redaktion.

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