IHK-Magazin Ausgabe 4/2026

04 | 2026 IHK Magazin

Abmahnungen So reagieren Sie richtig SEITE 56

AUSLANDSGESCHÄFT

Replique-Team eröffnet Standort in Italien SEITE 12

IHK-Magazin digital lesen: ihk.de/ rhein-neckar/ magazin

AUS DEN UNTERNEHMEN Rösterei-Inhaber Rosario Bonafede SEITE 38

KONJUNKTUR So geht es den Betrieben SEITE 28

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STANDPUNKT

Stuttgart legt vor

S eit wenigen Wochen ist unser neuer Ministerpräsident im Amt. Dessen grün-schwarzes Bündnis hat in sei- nem Koalitionsvertrag die großen Heraus- forderungen richtig benannt, vor denen der Standort steht. Die Antwort ist folgerichtig: Die Landesregierung will den Fokus auf Wachstum und Effizienz legen, ein Belas- tungsmoratorium ausrufen und Genehmi- gungsverfahren deutlich beschleunigen. Sehr zu begrüßen aus Sicht der Wirtschaft ist des Weiteren die Absage an zusätzliche Schulden. Konsequenterweise will die Landes- regierung mit einem Effizienzgesetz die Berichts-, Dokumentations- und Nach- weispflichten auslaufen lassen – außer, sie werden ausdrücklich begründet. Hier wird sich zeigen, wie ernst es die Koalitionäre mit dem Bürokratieabbau meinen. Positiv ist in jedem Fall, dass Grün-Schwarz auf Vertrauen in Unternehmen setzen und eine Ermöglichungskultur in Politik sowie Verwaltung befördern will. An diesen An- sprüchen werden wir die Landesregierung messen! So zuversichtlich uns der Start der neuen Landesregierung

Jahr ist Kanzler Merz nun im Amt. Dass die Koalition geopolitisch und geoökonomisch einem Sturm ausgesetzt ist, ist das eine. Doch diese objektiven Erschwernisse sind keine Entschuldigung für subjektive Versäumnisse. Die erfreulicherweise am Bundesrat gescheiterte Entlastungsprä- mie zeigt, dass die Regierung nicht an den richtigen Stellschrauben dreht: Statt zusätzlicher Belastungen für Unternehmen brauchen wir Entlastungen. Bei den Lohn- nebenkosten, bei den Energiekosten und vor allem in der Regulatorik. Die Unter- nehmen leiden vor allem unter den vielen staatlichen Eingriffen, die sogar zu- statt abnehmen. Beispiele sind das Entgelttrans- parenzgesetz oder das Tariftreuegesetz. Hinzu kommt, dass sich in der Fiskalpoli- tik die Befürchtungen zu bewahrheiten scheinen: Die unter Bruch von Wahlver- sprechen reformierte Schuldenbremse und die dadurch ermöglichte immense Neu- verschuldung führt nicht zu einem starken Anstieg von Investitionen. Vielmehr werden munter Haushaltslöcher gestopft.

Wie entwickelt sich die Konjunktur? Mehr auf Seite 30

Ob der Bundesregie- rung ein Neustart gelingt? Ein Blick ins Ländle würde sich hier lohnen!

Ob der Bundesregierung ein Neustart gelingt? Ein Blick ins Ländle würde sich hier lohnen!

stimmt, so enttäuschend performt die Bundesregie- rung. Etwas mehr als ein

Manfred Schnabel Präsident der IHK Rhein-Neckar

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IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026

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INHALT

IHK Magazin 04 | 2026

KOMPAKT

6 Wirtschaft und Region im Überblick

TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

12 Replique Mannheimer expandieren mit IHK-Hilfe nach Italien

14 TIB Chemicals Produktion in den USA eröffnet

16 HDAO Unternehmen aus Osterburken überwindet kulturelle Barrieren

18 IHK-Analyse Wie entwickelt sich das Auslandsgeschäft?

46 Finger weg!

20 Tipps und Tricks Das rät die IHK

AUS DER IHK 26 Interview Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Nitschke blickt zurück

Die Gefahr von Cyberangriffen wächst, Unternehmen müssen ihren Schutz verstärken.

28 Potenzialstudie Warum die Häfen in der Region so bedeutend sind

44 Vorbereiten

STANDORT

30 Konjunkturumfrage Lage noch gut, aber Erwartungen brechen ein 32 Wirtschaftsjunioren Die Vorsitzenden über ihre Ziele und ihr Ehrenamt 34 Innenstadtberatung Welche IHK-Maßnahmen Walldorf umsetzt

für den Ernstfall Alexander Gericke und sein Team beraten Unternehmen zu allen Aspekten der Arbeitssicherheit.

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IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026

IHK-Magazin digital lesen:

AUS DEN UNTERNEHMEN 36 Brom Epithetik

Patienten erhalten in Heidelberg neue Nasen, Augen oder Ohren

39 Textilhaus Jöst In Schriesheim wird seit über 100 Jahren Verkaufsgeschichte geschrieben

40 Mal Anders Reisen Von der Tauchlehrerin zur Reisebüro-Inhaberin

41 Ethimedis Mannheimer vernetzen Ärzte und Kliniken

42 Heimat Kathrin Christians entscheidet sich für neuen Standort innerhalb Heidelbergs

TIPPS

46 Innovation 48 Ausbildung 49 Weiterbildung 50 Recht & Steuern 54 International 56 Unternehmensführung

49 Ohne Mensch kein Erfolg

IHK-SERVICE

Unternehmen jeder Größe profitieren davon, ihre Mitarbeiter gezielt zu fördern.

9 Impressum 58 Öffentliche Bekanntmachungen 61 Jubiläen 62 IHK-Börsen

NAMEN SIND NACHRICHTEN

64 Meldungen in Kürze

50 Tipps: Recht

SO LADE ICH MEINEN AKKU AUF

66 So lade ich meinen Akku auf Beim Podcast-Hören die Welt um sich herum vergessen? Für Madiagne Diop genau richtig.

Das Entgelttransparenzgesetz wird ab Juni für Unternehmen in Deutschland relevant. Wer ist betroffen, was wird Pflicht?

VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNGEN

22 Innovatives Baugewerbe

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KOMPAKT

Die Ansehn GmbH um Kevin Katzke (links) und Max Hoffmann-Wolf hat ihren Sitz in Schwetzingen.

ANSEHN Sichtbarkeit in KI analysieren

bauen. „Der Suchmarkt verändert sich grund- legend. Unternehmen müssen online dort sichtbar sein, wo heute Antworten entstehen. Die Menschen wollen keine zehn Google- Links mehr, sondern konkrete Antworten auf ihre Fragen. Deshalb nutzen sie immer häufiger KI-Tools wie Chat GPT,“ erklärt Hoffmann-Wolf. Seit Gründung konnte das Duo nach eigenen Angaben über 25 Kunden gewinnen, darunter unter anderem Bosch und den Schreibwarenexperten Teachly. „Aktuell können wir uns voll auf die Produktentwick- lung konzentrieren, da der Vertrieb fast kom- plett über Empfehlungsmanagement läuft“, so Hoffmann-Wolf weiter. MB

AUTONOMES FAHREN FÜR LKWS REALISIEREN: Das erste gemeinsame Projekt von Max Hoff- mann-Wolf und Kevin Katzke, als sie sich bei Bosch kennenlernten. Daraus wurde schnell mehr: Die Ingenieure bauten einen Online- Shop für Schreibwaren speziell für Lehrkräfte auf. „Unsere erste Gründung lief nebenberuf- lich. Wir waren weiter bei Bosch beschäftigt und bauten parallel den Shop auf“, erzählt Max Hofmann-Wolf. 2025 verkauften sie ihr Unternehmen an Schneider Schreibgeräte. Die neu gewonnene finanzielle Freiheit und eine kurze Auszeit bestärkten die Beiden darin, Unternehmer in Vollzeit zu werden. Das Ge- schäftsmodell ihrer Ansehn GmbH: Über eine Software können Kunden ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten wie ChatGPT oder Google AI Overviews analysieren und entsprechend aus-

Unternehmen müssen online dort sichtbar sein, wo heute Antworten ent- stehen.

Max Hoffmann-Wolf

ansehn.com

? Was mache ich bei einer wettbewerbsrechtli- chen Abmahnung? FRAGE DES MONATS

ZAHL DES MONATS

Jetzt ist schnelles, aber auch besonnenes Handeln an - gesagt. Ansonsten drohen weitere finanzielle Risiken. Mehr auf Seite 56.

haben die Wirtschafts- junioren Deutschland. Mehr zu den WJ-Aktivi - täten in der Region auf Seite 32. QUELLE: WJ DEUTSCHLAND

10.000 MITGLIEDER

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KOMPAKT

O-TON DES MONATS

bis zum 1. Juli einreichen.

TIPPS & TERMINE

Die Bundesregierung muss endlich die richtigen Prioritäten setzen: entlasten, streichen, beschleunigen.

www.kfw-awards.de

Female Empowerment: Am 30. Juni in Heidel - berg. Mehr unter

Mehr Fördermittel nutzen?

ihk.de/rhein-neckar/ foerdermittel-aktuell

ihk.de/rhein-neckar/ gruenderinnentag

Ferienjobber eingestellt? Achtung: Für kurzfristige Beschäftigungen gelten feste Grenzen.

Anmelden zum Hoch - wasserschutzforum: Am 23. Juni gibt es Tipps zum Schutz vor Starkregen und anderen extremen Wettereignissen.

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov

ihk.de/rhein-neckar/ ferienjob

Grillen mit Kollegen? Achtung Nr. 2: Denn auch für Betriebsfeiern hat das Finanzamt klare Regeln: ihk.de/rhein-neckar/ betriebsveranstaltun- gen

ihk.de/rhein-neckar/ hochwasser

MEIN TOPSELLER

„Beeren-Streusel-Cheese- cake mit Suchtgefahr“ NIL LANDT: Der Beeren-Streusel-Cheesecake geht am bes- ten. Egal ob Cheesecake, Kirschstreusel, Apfel-, Schoko-, Käse- oder Erdbeerkuchen: Ich backe jeden Tag frisch. Ein Stammgast sagt zu meinen Kuchen: „Vorsicht, kann süch- tig machen.“ Unser Café ist kein „Coffee-to-go“-Tempel, sondern ein Ort des Innehaltens. Mein Konzept: Gemüt- liche, individuell zusammengestellte Möbel und bewusst ausgewähltes, eigenes Porzellan statt Massenware. Vieles aus vergangenen Zeiten, aber kein „Retro um jeden Preis“. Der Name erinnert an mein früheres Berufsleben. Denn als „Mrs Landt“ kannten mich meine Schüler. Ich war Englischlehrerin, bis ich entschied: Die Schule ist nicht mehr mein Ort. Manchmal entstehen bei uns Verbindun- gen, die weit über Schwetzingen hinausreichen. Das ameri- kanische Ehepaar Marga-

Bewerben für den KfW Award Gründen: Betriebe ab Gründungsjahr 2021 können ihre Unterlagen

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ret und Bill aus New York zum Beispiel, das regelmäßig

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nach Deutschland kommt, macht Mrs. Landt zum festen Zwischenstopp auf dem Weg von

• Beratungsangeboten u. a. zu Ressourceneffizienz, Fördermitteln, Azubi-Suche oder IT-Sicherheit • Informationen wie Änderungen im Steuer- und Gesellschaftsrecht oder zum Auslandsgeschäft

Frankfurt nach Tü- bingen. Ohne Kaffee und Kuchen bei mir fahren sie nicht weiter. JR

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Nil Landt lädt seit Sommer 2025 in ihr Café „Mrs. Landt“ nach Schwetzingen ein.

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KOMPAKT

IHK-REGION Männer wild, Frauen vernetzt

HEIDELBERG Netzwerken: Der diesjährige IHK-Gründerinnentag findet am 30. Juni statt.  ihk.de/rhein-neckar/ gruenderinnentag

MANNHEIM Engagieren: Die MRN-Freiwilli - gentage, die vom 12. bis zum 20. September stattfinden, nehmen langsam Gestalt an. www.wir-schaffen-was.de

EBERBACH: Wachsen: Empacher, Hersteller von Ruderbooten, plant den Bau eines zusätzlichen Gebäudes, um seine Produktion erweitern zu können. Anfang Mai wurden die Baupläne im Eberbacher Gemeinderat vorgestellt.

Mehr auf Seite 46.

Weinheim

Walldürn

Buchen

Hirschberg

Mannheim

Eberbach

Ladenburg

Waldbrunn

Schönbrunn

Heidelberg

Brühl

Schwetzingen

Obrigheim

Leimen Sandhausen

Mosbach

Hockenheim

Walldorf

EVENTS 13. Juni Neckargemünd Open Air, Erster Teil: Im Hof des Kulturzent - rums Kommandanten - haus auf dem Dilsberg erklingen ab 19:30 Uhr „Music & Poetry“. www.kultur-im-kreis. net

Wiesloch

Sinsheim

WIESLOCH Planen: Der Aufsichtsrat der Heidelberger Druckma - schinen AG hat die Verträge des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Otto und Dr. David Schmedding, Vorstand Vertrieb und Technologie, vorzeitig verlängert – bis zum 31. Juli 2029 bzw. bis zum 30. Juni 2031.

MOSBACH Verantwortung über- nehmen: Nathalie-Lorena Kletti, Geschäftsführerin von MPDV in Mosbach, ist neue Vorsitzende des Freundeskreises des Technoseums in Mann - heim.

OBRIGHEIM Durchstarten: In Obrigheim ist das Restaurant „Der wilde Mann“ neu eröffnet worden, die Leitung liegt bei Marius Ernst und Karim Afsa. Zum Konzept gehört zudem das gleichnamige Hotel, das in Wohnungen und Apparte - ments zur Kurzmiete um - gewandelt wurde.

27. Juni Angelbachtal

Open Air, Zweiter Teil: Bei der Schlosspark - serenade geht es mit dem Rhein-Neckar Jazz-Orchester unter anderem auf eine Reise in die Welt der Big-Band-Musik. www.kultur-im-kreis. net

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KOMPAKT

DIE ANALYSE

STECKBRIEF

KALENDERBLATT

Eva Kunkel: „Wir sichern die Qualität im Sachverständigenwesen“

16. Juni

Tag der IT-Sicherheit in der IHK in Mannheim. Betriebe erfahren, wie sie sich gegen Angriffe

Frau Kunkel, Sie sind eh- renamtlich im IHK-Sach- verständigenausschuss aktiv. Weshalb? Die Zusammenarbeit mit Experten aus anderen Fachbereichen ist sehr inspirierend. Ich finde es wichtig, das Gremium zu unterstützen, denn wir stellen die Qualität des Sachverständigenwesens sicher. Können Sie das näher erklären? Was viele nicht wissen: Der

auch für Sachverständige, die wiederbestellt werden wollen. Wir prüfen alle sehr gründlich. Ru

wappnen können. Mehr auf Seite 46.

Mehr zum Ausschuss auf Seite 65

Dr. Axel Nitschke ist IHK- Hauptgeschäftsführer. Rückschlag

Eva Kunkel ist öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schä - den an Gebäuden und Mitglied des IHK-Sachver - ständigenausschusses.



IHK Magazin Impressum Herausgeber Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar Redaktion Matthias Schmitt (verantw.; MaS), Tel.: 0621 1709 - 213 Fax.: 0621 1709 - 5213 E-Mail: presse@rhein-neckar.ihk24.de Weitere Autoren Stefanie Ball (Ba), Marion Brenner (MB), Stefan Burkhardt (Bu), Ulla Cramer (uc), Ingo Leipner (Lei), Jörg Runde (JR), Catharina Zelt (Ze) Annegret Rupp (Ru) L1,2, 68161 Mannheim Neuigkeiten über Ihr Unternehmen ihk.de/rhein-neckar/firmennachrichten informiert Sie. Die wirtschaftliche Erholung, die sich Anfang 2026 abge - zeichnet hatte, erfährt durch den Iran-Krieg einen Rück - schlag. Der Konflikt drückt merklich die Stimmung, die Betriebe bewerten ihre Ge - schäftsaussichten so schlecht wie seit vier Jahren nicht mehr. Gleichzeitig warten sie immer noch auf die angekündigte Reformpolitik der Bundesre - gierung, um die strukturellen Probleme des Wirtschafts - standorts Deutschland anzu - gehen. Die Zweifel wachsen, dass es zu den erforderlichen politischen Lösungen kommt. Mehr auf Seite 30.

AUS DEN HOCHSCHULEN

reine Begriff „Sachver - ständige“ ist nicht ge - schützt. Im Ausschuss beurteilen wir, wer die Zusatzbezeichnung „öffentlich bestellt und vereidigt“ tragen darf und somit quasi ein offizielles Prüfsiegel

Das Manager-Magazin hat die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) erneut als die beste Hochschule für das Fach Wirtschaftsprüfung ausgezeichnet – zum vierten Mal in Folge. Auch an der DHBW Mannheim kann der Studiengang be - legt werden.

vorweisen kann. Das gilt für neue Bewerber und selbstverständlich

www.dhbw.de

Mitgliederservice Bei nicht gewünschter Zeitschriften- Belieferung, Mehrfachzustellungen oder Adressänderungen wenden Sie sich bitte per E-Mail an: adressupdate@rhein-neckar.ihk24.de Die Zeitschrift ist das offizielle Organ der IHK Rhein-Neckar. Der Bezug der IHK-Zeitschrift erfolgt im Rahmen der grundsätzlichen Beitragspflicht als Mitglied der IHK.

Gesamtherstellung, Verlag, Druck, Anzeigenservice Endriß + Prüfer Verlags-GmbH Ooser Bahnhofstr. 16 76532 Baden-Baden Tel. 07221 211917 E-Mail: verlag@endriss-pruefer.com www.endriss-pruefer.com

IHK Rhein-Neckar Haus der Wirtschaft Mannheim L 1, 2

68161 Mannheim Tel.: 0621 1709 - 0 Fax: 0621 1709 - 5511

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Anzeigenleitung Andrea Albecker

ISSN 1868-7008 Erscheinungsdatum: 5. Juni 2026

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 48 vom Januar 2026

Satz, Layout .punto design Werbeagentur Bernhard Kück 69469 Weinheim www.puntodesign.de

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Inhalt

TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

Unternehmer richten Blick neu aus Kriege, politische Spannungen und das Zollchaos aus den USA erschwe- ren grenzüberschreitende Aktivitäten. Viele Betriebe orientieren sich um und entdecken neue Märkte für sich.

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TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

W as verlässt eigentlich Deutschlands Werksto- re in Richtung Welt- markt? Im vergangenen Jahr waren es Güter im Wert von 241,4 Milliarden Euro – ein leichtes, aber entscheidendes Plus von 0,6 Prozent nach einer langen Durststrecke. Die Top-3-Gü- ter aus Baden-Württemberg waren Kraftwagen und Kraftwagenteile (50 Milliarden Euro), gefolgt von Maschinen (46 Milliarden Euro) und Pharmazeutischen Erzeugnis- sen (27 Milliarden Euro). Wichtigs- ter Abnehmer: die USA. Allerdings sinken die Ausfuhren über den Atlantik, und zwar zum dritten Mal in Folge. Dass unterm Strich noch ein Plus erwirtschaftet wurde, liegt am positiven Saldo bei Geschäften in anderen Regionen der Welt. „Viele Unternehmen haben ihr Europa-Ge- schäft erfolgreich intensiviert und gleichzeitig auf Wachstumsmärkte wie Indien gesetzt“, sagt Matthias Kruse, Geschäftsführer Interna- tional bei der IHK Rhein-Neckar. Ein Land, das besonders heraus- sticht, ist die Schweiz. „Das Plus im Schweiz-Geschäft konnte fast das Minus im US-Geschäft kom- pensieren“, erklärt Kruse. Auch die Exporte nach Polen seien kräftig auf fast zehn Milliarden Euro gestiegen (+7,3 Prozent), Deutschlands Nach-

bar zähle mittlerweile zu den zehn wichtigsten Zielmärkten hiesiger Unternehmen (siehe Seite 18). Allen globalen Verwerfungen zum Trotz bleibt also die deutsche Wirtschaft in einem hohen Maße exportorientiert. Das gilt gerade für Unternehmen aus der Region, die ihre Geschäfte im Ausland aus- oder aufbauen. So hat der Mann- heimer Hersteller von Industrie- chemikalien, TIB Chemicals, in Pittsburgh, Pennsylvania, gerade einen US-amerikanischen Konkur- renten übernommen. Und zwar, um Produkte nicht mehr über ein Handelsbüro vertreiben zu müssen, sondern direkt vor Ort herstellen zu können (siehe Seite 14). Auch das Start-up Replique, das industrielle Ersatzteile auf Abruf anbietet, hat sich nach einer erfolgreichen, von der IHK Rhein-Neckar organisierten Geschäftsanbahnungsreise für Mai- land als erste Auslandsniederlas- sung entschieden (siehe Seite 12). Die HDAO-Gruppe ist überall dort, wo ihre Kunden sind, um Industrie- anlagen zu bauen und zu automati- sieren – und das ist immer häufiger im Ausland. Um auch kulturell nah dran zu sein, verfügt der Mittel- ständler aus Osterburken überdies schon seit vielen Jahren über eine Repräsentanz im chinesischen Nanjing (siehe Seite 16). Texte im Titel: Ba

241 MILLIARDEN EURO Warenwert der exportierten Güter aus Baden-Württemberg

QUELLE: STAT. LANDESAMT

Schweiz legt als Handelspartner zu Export Baden-Württembergs 2025 nach den wichtigsten Bestimmungsländern (in Milliarden Euro, Veränderungen zu 2024 in Prozent)

Vereinigte Staaten Schweiz Frankreich Niederlande China Italien Österreich Vereinigtes Königreich Polen Spanien 0

30,4

-12,7

24,6

+22,2 +2,9 -1,7 -15,0

18,3

15,9

13,4

12,5

+2,9 +5,9 -0,1 +7,3 +9,1

11,9

11,2

9,9

8,2

5

10

15

20

25

30

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40

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QUELLE: STAT. LANDESAMT

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TI nI ThEaLlTtH E M A | AUSLANDSGESCHÄFT

REPLIQUE Mit IHK-Unterstützung ins Ausland Replique fertigt maßgeschneiderte Ersatz- und Serienteile für die Industrie und hat für den italienischen Markt eine Niederlassung in Mailand eröffnet.

H enrike Wonneberger rückt den hellblauen Luftballon in Form einer Drei, der am Whiteboard in einem Konferenzraum im Mafinex lehnt, zurecht. „Wir haben gerade unser Dreijäh- riges gefeiert“, sagt sie und blickt in Richtung der großen Leinwand, auf der Max Siebert zu sehen ist. Der ist unterwegs und deshalb dem Gespräch virtuell zugeschaltet. Unter- wegs – das ist auch das Start-up der beiden Mannheimer, die Replique GmbH, und zwar nach Italien, wo gerade die erste Nie- derlassung eröffnet wurde. Aber zunächst ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen des Unternehmens, das zwar offi- ziell vor drei Jahren gegründet wurde und seitdem in Mann- heims Start-up-Center auf dem Lindenhof seinen Sitz und seine Büros hat. Die eigent- lichen Wurzeln reichen aber weiter zurück: ins Jahr 2020, als die damals noch bei der BASF Beschäftigten ihre Idee einer Plattform für Ersatzteile im Chemovator erprobten. Der inzwischen nicht mehr exis- tente Business-Inkubator des Chemiekonzerns bot Mitarbei- tern die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle in einem geschützten und geförderten Rahmen zu entwickeln. Sollte nichts daraus werden, wuss- ten die Mitarbeiter, dass sie an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren können. Doch Wonneberger und Siebert wollten 2023 nicht mehr zurück, sondern ausgründen. „Das war ein großer Schritt,

Ersatz- und Serienteile herstel- len. Bei den Bauteilen handelt es sich um Maßanfertigungen, die Mindeststückzahl beträgt eins. „Das ist keine Schraube aus dem Katalog, sondern das sind alles Zeichnungsteile, die individuell nach den Wün- schen der Kunden gefertigt werden“, erklärt Wonneberger. Dass der Service funktioniert, zeigt die Liste an Industrie- unternehmen, großen wie klei- nen, die bei Replique ihre Er- satzteile und mittlerweile auch wiederkehrende Serienbedarfe ordern. „Anfangs wurde nur im 3D-Druck-Verfahren gefertigt. Weil uns aber immer mehr Kunden gefragt haben, ob wir auch andere Technologien anbieten wie Guss-, Schmie- de- und Kunststofftechniken, haben wir unser Portfolio er- weitert“, so Wonneberger. Erweitert hat sich auch der Horizont über die Grenzen Deutschlands hinaus, eben Richtung Italien. „Wir hatten von Anfang an Kunden in verschiedenen Ländern, und irgendwann stellt sich die Frage ,Bediene ich das weiter von hier aus oder gehe ich vor Ort?‘“, beschreibt Wonneberger den Prozess. Einer dieser Orte ist Mailand im Norden Italiens. Eine Region, die nach wie vor stark indus- triell geprägt ist; für Replique ein interessanter Markt. „Wir haben schnell gemerkt, die Region könnte etwas mehr und individuelle Aufmerksamkeit vertragen“, sagt Wonneberger. Auch aus kulturellen Gründen.

Die Replique-Geschäftsführer Henrike Wonneberger und Max Siebert

aber er war folgerichtig. Wir hatten das Geschäft aufgebaut, es lief, warum sollten wir nicht weitermachen?“, sagt Wonne- berger rückblickend. Ihr Start- up beliefert Industriekunden vor allem mit Ersatzteilen, da- her auch der Name: Replique, wiederholen. „Es ist verrückt, wie viele Maschinen still ste- hen oder Geräte weggeworfen werden, weil Ersatzteile fehlen oder gar nicht mehr vorhanden sind“, sagt Siebert. Dieses Vakuum füllt nun Replique. Genaugenommen handelt es sich um eine digitale Platt- form, hinter der ein Netzwerk von rund 400 Produktions- partnern steht, und die – ge- steuert von Wonneberger und Siebert – on-Demand und nach den Vorgaben der Kunden

Bevor ich aktiv mit Personal vor Ort in ein Land gehe, muss ich mir

den Markt genau an- schauen.

Max Siebert

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TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

Es sei auch nicht sinnvoll, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen; außerdem bedienten sie ja weiterhin internatio- nale Kunden von Deutschland aus. „Wir müssen bei der Skalierung aufpassen“, sagt Wonneberger. Das Geschäfts- modell von Replique sei auf Langfristigkeit angelegt, die Beziehungen zu den Kunden seien eng. „In der Branche kennt man sich, da können wir uns keine Fehler erlauben“, so die Unternehmerin weiter. Und dann seien da noch die Investoren, auch die müssten hinter den Entscheidungen stehen. Bei Replique sind die Geldgeber ein Konsortium aus Investoren im Venture-Capital-Bereich und industrie- nahen Personen. „Die müssen und wollen wir auf unserer Reise mitnehmen und begeistern“, erklärt Wonneberger. Bei Italien hat es ja schon mal geklappt.

„Während in Deutschland viele geschäftliche Treffen seit Corona virtuell stattfinden, tauschen sich Italiener nach unserer Erfahrung bevorzugt persönlich aus.“ Für diesen regelmäßigen Austausch ist das Land aber vergleichsweise weit weg. „In Paris ist man von hier aus mit dem Zug in drei Stunden, bei Italien liegen die Alpen dazwischen, das ist schon ein größerer Aufwand.“ Auch werde im italienischen Geschäftsumfeld noch viel Italienisch gesprochen. „Sprache ist ein großer Aspekt. In der Muttersprache lässt sich häufig mehr transportieren“, ist Wonneberger überzeugt. Den finalen Ausschlag gab schließlich eine IHK-Geschäfts- anbahnungsreise. Solche Reisen bietet die IHK regelmäßig an, in dem Fall ging es um einen Kontakt zu einem Bahn- unternehmen. „Wir beliefern unterschiedliche Bahnkun- den. Das heißt, das war für uns ein inzwischen bekannter Sektor“, erklärt Siebert. Die Gespräche in Mailand ver- liefen: gut. So gut, dass Wonneberger und Siebert bereit waren für ihre erste Auslandsniederlassung. „Das war eine interessante Erfahrung, den ersten Satelliten zu gründen“, sagt Wonneberger. Unterstützt von der IHK in Mannheim und der Auslandshandelskammer in Mailand sei das ein einfacher Start gewesen. „Wir haben außerdem nicht bei null angefangen, das wollten wir vermeiden. Wir hatten ja dort schon Unternehmen, mit denen wir zusammenarbei- teten“, betont Siebert. Das sei auch für den Vertriebskolle- gen, der jetzt in Mailand und Umgebung das Feld beackert, ein Vorteil. „Der hat schon ein bisschen Geschäft und kann dann darauf aufbauen.“ Wohin es als nächstes geht? „Das bleibt abzuwarten. Bevor ich aktiv mit Personal vor Ort in ein Land gehe, muss ich mir den Markt genau anschauen, Volumina berechnen und auf Messen Kontakte knüpfen“, bremst Siebert das Tempo.

INFO

Mit eigener Tochter ins Ausland?

 Vorteil: Hohe Marktnähe. Bei einem Distributor, der die Ware nur weiterverkauft, bleibt der Markt oft eine Blackbox.  Nachteil: Hohe Fixkosten. Rechnet sich unter Umstän - den nur bei entsprechendem Umsatz.  Zwischenlösung: Ein Vertriebspartner. Denkbar ist auch ein Mischkonzept, neben einer eigenen Tochter - gesellschaft wird der (große) Markt in Vertriebsregio - nen unterteilt, die von Partnern erschlossen werden.

Südwesten überdurchschnittlich stark im Auslandsgeschäft Exportquote in Deutschland 2025 nach Bundesländern in Prozent

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Bremen Saarland Baden-Württemberg Deutschland Hamburg Rheinland-Pfalz Sachsen Bayern

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Niedersachsen Sachsen-Anhalt Nordrhein-Westfalen Brandenburg Hessen Thüringen Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Berlin

24 24

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19

17

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5

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QUELLE: STAT. LANDESAMT

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TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

TIB CHEMICALS Lieferketten in eigener Hand Der Mannheimer Hersteller von Industriechemikalien kauft einen Konkurrenten und produziert jetzt selbst in den USA.

port gibt es besondere Be- stimmungen, die länderspezifi- schen Regelungen müssen wir kennen, zum Beispiel mit Blick auf die Verpackung oder das Zusammenspiel mit anderen Waren in einem Container.“ Bogdan weiß daher, wie wich- tig es ist, Fragen der Logistik rechtzeitig zu stellen und sich der Hürden und Fallstricke bewusst zu sein. Daneben bekommt der Mann- heimer Mittelständler im- mer wieder die Fragilität der Lieferketten zu spüren. „In asiatischen Ländern haben wir keinen großen Zwischen- puffer Umso mehr kommt es darauf an, dass die Abstim- mung zwischen uns, unseren Logistikdienstleistern und den Kunden funktioniert.“ Bogdan setzt hier auf die langjährige Zusammenarbeit und etab- lierte Kommunikationskanäle. „Wir tracken jedes Schiff, und wenn es ein Thema gibt, haben wir unsere Ansprechpartner.“ Das Geschäft in Asien sei vor- nehmlich projektbasiert. Ein eigenes Werk hat die TIB dort noch nicht, alles kommt aus Mannheim, meist per Schiff, manchmal auch per Luftfracht. Anders in den USA. Nach zehn Jahren, in denen TIB Chemicals versucht hat, über ein eigenes Handelshaus den Markt zu steuern, wurde vor einem Jahr in Pittsburgh in Pennsylvania eine eigene Pro- duktionsstätte gekauft. „Mit dem Handelsgeschäft sind wir an Grenzen gestoßen“, sagt Bogdan. Zum einen, weil fast alles aus Mannheim angelie-

Ein TIB Chemicals- Mitarbeiter bei der Wartung eines Wal - zenkompaktors, der Stoffe verdichtet.

M arkus Bogdan ist bei der TIB Chemicals AG Director Supply Chain, zuständig für die Liefer- ketten. Anstoß dazu gab vor etlichen Jahren ein IHK-Se- minar zur Exportkontrolle. „Ich war damals Teilnehmer und ganz begeistert von dem Thema“, erinnert sich Bogdan. Exportkontrolle als wesent- licher Compliance-Prozess der Logistik ist heute noch sein Steckenpferd. Mit Logistik an sich habe er damals nicht viel am Hut gehabt. Dafür heute täglich. Dass die Produkte des Unternehmens an ihren jeweiligen Bestimmungs- orten in Europa, dem Nahen Osten, Asien und den USA auch ankommen, dafür trägt Bogdan die Hauptverantwor- tung. „Viele unterschätzen die Logistik. Da bleiben Produkte im Zoll hängen, weil Papiere fehlen, oder die Absprache mit dem Dienstleister, der die Ware

vom Hafen zum Endkunden bringen soll, hat nicht funktio- niert“, erzählt Bogdan. Noch komplizierter wird es bei Chemikalien, wie TIB Chemi- cals sie herstellt. Der Mittel- ständler mit rund 520 Mit- arbeitern weltweit blickt auf eine mehr als 150 Jahre lange Geschichte zurück. In einem Management-Buyout wurde das Industriechemikalien-Ge- schäft in Mannheim vor zwan- zig Jahren aus der Degussa he- rausgelöst. TIB ist in Nischen tätig und bedient verschiedene Industriesegmente, unter anderem die Kunststoffindust- rie, die Automobilbranche und den Straßenbau. Hergestellt werden Spezialchemikalien, Beschichtungssysteme für Pipelines, Basischemikalien wie Säuren, Schwefelchemi- kalien und Bitumenprodukte. „Viele dieser Produkte gelten als Gefahrgut. Für den Trans-

Wir haben gesagt, wir wollen das Geschäft in- tensivieren, und deshalb greifen wir voll an.

Markus Bogdan

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fert werden musste, dazu die zuletzt höheren Zölle. Zum anderen, weil die Durchdringung des Marktes nur schwer möglich war. Nun also der Strategiewechsel. „Wir haben gesagt, wir wollen das Geschäft intensivieren, und deshalb greifen wir voll an.“ Trotz aller Unwägbarkeiten im interna- tionalen Geschäft sieht das Mannheimer Unternehmen die USA als idealen Standort, um weiter zu wachsen. Neben dem Werk in Pittsburgh verfügt TIB Chemicals noch über einen Standort im texanischen Freeport, akquiriert eben- falls im vergangenen Jahr, und einen weiteren im mexika- nischen San Luis Potosi, der seinerzeit mit zum Manage- ment-Buyout gehörte. Das Unternehmen, das TIB in Pittsburgh übernommen hat, galt als renommierter Hersteller und Entwickler von Zinn-Katalysatoren und Spezialadditiven auf Metallbasis, die in einer Vielzahl von Branchen weltweit eingesetzt werden. „Eine ideale Ergänzung für unser Produktportfo- lio“, sagt Bogdan. Ansonsten habe sich am Standort nichts geändert – außer, dass jetzt ein Deutscher vor Ort in Ko- operation mit einem US-Kollegen die Geschäfte führt. Und auch Chef-Logistiker Bogdan wird nicht arbeitslos. Denn selbst wenn nun in den USA produziert wird, muss weiter Ware von Mannheim über den Atlantik verschifft werden, um alternative Geschäfte mit anderen Produkten an den Niederlassungen auszubauen.

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No stress: Einreisen in die USA

 Bei Geschäftsreisen und Vor-Ort-Einsätzen in den USA möglichst alle für den Einsatz erforderlichen Dokumente auch in Papierform mitführen, um Stress bei Kontrollen zu vermeiden.  „Commercial transactions“, die kein „gainful employment“ darstellen, sind erlaubt.  Das heißt, Vertragsverhandlungen dürfen abgewickelt werden, Besprechungen mit Geschäfts - partnern dürfen stattfinden.  Auch Maschinen oder Industrieanlagen können repariert werden – vorausgesetzt, die Maschine wurde außerhalb der USA gekauft und die Montage-/ Servicearbeiten wurden vorab vertraglich vereinbart.

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HDAO Stolperfallen umgehen,

Geschäfte erfolgreich anbahnen Das Unternehmen aus Osterburken ist weltweit auf Industriebaustellen unterwegs. Die Mentalität der Auftraggeber zu kennen, ist zentral, damit es dort rund läuft.

abends nicht mehr nach Hau- se fahren, sondern nur noch am Wochenende“, sagt Her- mes. Neben eigenen Leuten, die von Osterburken aus auf die oft mehrjährigen Projekte in Deutschland und Europa gesetzt werden, verfügt das Unternehmen über Teams in Polen und im chinesischen Nanjing. „Wir müssen das Ohr am Markt haben, das geht natürlich nicht von hier aus“, sagt Hermes. Der Ton auf den Baustellen sei oft rau, das müsse man aushal- ten, und man müsse auch zwischen den Zeilen lesen können, um zu verstehen, wo es vielleicht gerade hakt. Und oft bleibt es nicht beim ursprünglichen Auftrag: Im Projektverlauf ergäben sich auf Großbaustellen regel- mäßig zusätzliche Arbeits- pakete, weil Anforderungen nachgeschärft würden oder neue Teilprojekte hinzukä- men. Auch dazu müsse man mit den Leuten vor Ort auf einer Wellenlänge sein, um sich frühzeitig in Position zu bringen. Hermes: „Wenn die Teams bereits dort sind und die Schnittstellen kennen, lässt sich darauf schnell reagieren.“ Dass Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede nicht zu unterschätzen sind, weiß Hermes. „Guanxi können nur die Chinesen“, sagt der HDAO- Chef und meint damit die chi- nesischen Geschäftspraktiken,

zurück in die erste Bundes- liga kämpft, kämpft Mario Hermes für das Unternehmen und für die 300 Mitarbeiter, die HDAO inzwischen be- schäftigt. Von Osterburken hinaus in die Welt – unter diesem Motto stellt HDAO Elektriker, Monteure, Softwareprogram- mierer, Inbetriebnehmer sowie Bauleiter bereit, die als Experten industrielle Groß- projekte planen, begleiten und aufbauen. „Wir gehen dahin, wo die Arbeit ist“, sagt Hermes. Bis vor kurzem noch fanden sich die Aufträ- ge oft regional um die Ecke, da die Kunden zum Großteil in Deutschland investiert haben. Mittlerweile verla- gern viele Unternehmen ihre Produktion ins Ausland, und so wird HDAO für den Auf- bau und die Automatisierung von Fabriken auch vermehrt für Auslandsprojekte an- gefragt. Zu den Branchen, für die der Industriedienst- leister Maschinen einbringt, Elektroleitungen verlegt oder Anlagen montiert und in Be- trieb nimmt, zählen Automo- bilhersteller, Maschinenbauer sowie Lebensmittel- und Logistikbetriebe. Doch seit vor allem in Deutschland der Wirtschafts- motor stottert, muss HDAO seine Fühler immer weiter ausstrecken. Das hat Konse- quenzen. „Der Monteur kann

B ei HDAO in Osterburken hängt ein gerahmtes ro- tes Trikot der Ruhrpott- helden; einer Gemeinschaft ehemaliger Fußballprofis und Unternehmer mit Sitz in Recklinghausen, die sich für Kinder und Jugendliche stark machen. Mario Hermes ist zwar kein Fußballprofi, und er kommt auch nicht aus Recklinghausen, sondern aus dem Bergischen Land, aber er ist Unternehmer, hat ein Herz für Kinder und für Fuß- ball. Fußball im Allgemeinen und den Ruhrpottclub FC Schalke 04 im Besonderen. Hermes ist großer Fan. Wie groß, beweisen die Farben der von ihm 2018 gegründeten HDAO-Unternehmensgrup- pe, die sind nämlich – richtig – blau-weiß. Und wie sein Verein, der seit 2021 um den Wiederaufstieg von der zweiten Fußballbundesliga

Bei der Inbetrieb- nahme einer An- lage verdrahtet und prüft ein HDAO- Mitarbeiter einen Schaltschrank.

Nach Ver- tragsab- schluss wird in asiati- schen Län- dern meist weiter ver- handelt.

Mario Hermes

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die sich teils eklatant von deutschen Gepflogen- heiten am Verhandlungstisch unterscheiden. Ein Punkt: der Preis. Der zuletzt genannte Preis sei nie der letzte. „Nach Vertragsabschluss wird in asiatischen Ländern meist weiter verhandelt, das muss man akzeptieren.“ Bei großen oder kurzfristigen Projekten kauft HDAO über Partner auch Fachkräfte dazu. „Auf einer Großbaustelle in Thüringen brauchten wir in der Spitze 800 Leute, das können wir gar nicht allein abbilden“, erklärt Hermes. Im Aus- land hat HDAO ebenfalls ein Partnernetzwerk, auf das der Betrieb im Bedarfsfall zurückgreifen kann. „Man kennt sich und hält Kontakt, das ist Gold wert.“ Eine große Herausforderung für den Mittel- ständler stellt die Zahlungsmoral dar. „Wir warten oft ein Jahr oder länger, bis unsere Rech- nungen beglichen sind.“ Deshalb sei es wichtig, potenzielle Auftraggeber sorgfältig zu sondieren und in Klauseln festzuschreiben, wann das erste Geld fließe. Auch bis Aufträge unter Dach und Fach sind, dauert es. Zuletzt war HDAO Teil des Firmengemeinschaftsstands der IHK auf der MECSPE in Italien. „Das ist für uns ein inter- essanter Markt mit vielen Möglichkeiten“, sagt Hermes. Doch zwischen dem Erstkontakt mit potenziellen Kunden und einem Auftrag vergin- gen viele Monate, manchmal sogar ein ganzes Jahr. Trotzdem seien solche Kontaktaufnahmen wichtig, um ein Gefühl für Markt und Mentalität der Menschen zu bekommen. Am Ende zählt für Hermes vor allem eins: „Als Unternehmer muss man bereit sein, ins Risiko zu gehen, und man muss einen langen Atem haben.“ So wie der FC Schalke 04.

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Andere Länder, andere Sitten

 Kulturelle Besonderheiten: Wer sie berücksichtigt, ist erfolgrei - cher im Auslandsgeschäft.  In Indien beispielsweise wird erwartet, dass der Geschäftspart - ner möglichst häufig vor Ort ist, das persönliche Gespräch wird bevorzugt. Eventuelle Schwierigkeiten werden nicht offen und offensiv kommuniziert, im schlimmsten Fall steht die Maschine bis zum nächsten Besuch des deutschen Partners still.  In den USA steht die Convenience im Vordergrund. Ein Produkt muss nicht möglichst viele Features aufweisen, sondern einfach und praktikabel in der Anwendung sein.  Auch für den indischen Markt mit seinen preissensiblen Kunden können auch leicht abgespeckte Versionen des deut - schen Produkts reichen.  Bei Preisverhandlungen sollte man in Indien immer etwas in der Hinterhand haben. Das erste Angebot ist nie das finale, selbst nach Vertragsabschluss wird weiterverhandelt. Außerdem wird am liebs - ten per WhatsApp kommuniziert, die indischen Geschäftspartner sind darüber auch abends und am Wochenende erreichbar.  In Korea und Japan zeichnen sich Geschäftsbeziehungen durch indirekte Kommunikation und hohe Qualitätsansprüche aus. In Japan ist der Aufbau von Vertrauen ein zentraler Bestand - teil jeder Geschäftsbeziehung. Entscheidungen werden dort nicht kurzfristig getroffen, dafür entstehen langfristig stabile Partnerschaften.  Wie in Japan spielt auch in Korea Hierarchie eine wichtige Rolle. Entscheidungen durchlaufen mehrere Ebenen und werden häufig von ranghöheren Personen getroffen. Das Ge - schäftstempo ist in Korea dabei oft höher als in Japan. Fragen zu „Ihrem“ Land? ihk.de/rhein-neckar/team-international

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ANALYSE „US-Markt wird mittel- und langfristig weiter wachsen“ Wie funktioniert das Auslandsgeschäft in Zeiten wie diesen? Eine Einschätzung von IHK-Geschäftsführer Matthias Kruse

intensiviert haben und gleichzeitig auf Wachstumsmärkte wie Indien set- zen. Die Geschäfte mit dem scheinbar kleinen Nachbarmarkt Schweiz liefen so gut, dass das Plus im Schweiz-Ge- schäft fast das Minus im US-Geschäft kompensieren konnte. Im Export in die beiden größten Volkswirtschaften USA und China gibt es dagegen seit einem Jahr ein starkes Minus. Wie läuft es denn in China? Kruse: In der Volksrepublik schwä- chelt die Binnenkonjunktur auch we- gen der ungelösten Immobilienkrise weiter. In den Immobilien stecken die Vermögen der meisten Chinesen, mit denen sie sich für das Alter absichern wollen. Hinzu kommt ein immer härterer Wettbewerb durch Überka- pazitäten in vielen Branchen in der Volksrepublik. Und was passiert in den USA? Kruse: Im US-Geschäft läuft alles gut, was für den Aufbau der KI-Infrastruk-

tur gebraucht wird. Ansonsten fehlt den meisten US-Kunden für Investiti- onen die notwendige Planungssicher- heit. Sie schieben deshalb sehr oft Anschaffungen. Das spüren unsere Anbieter von Investitionsgütern na- türlich. Der deutliche Wertverlust des US-Dollars gegenüber dem Euro und die zugleich seit April vergangenen Jahres wesentlich höheren US-Zöl- le verteuern für US-Kunden hier bei uns hergestellte Waren sehr. Entspre- chend kaufen US-Kunden weniger häufig bei unseren Unternehmen ein. Wie haben sich die US-Zölle konkret auf den Export ausgewirkt? Kruse: Das hängt von der Höhe der Zölle ab. Zollerhöhungen von 15 Pro- zent können viele Unternehmen an ihre US-Kunden weitergeben. Dies ge- schieht vor allem, wenn es keinen in den USA produzierenden Wettbewer- ber gibt. Wenn dann Wettbewerber aus anderen Ländern von noch höhe- ren US-Zusatzzöllen betroffen sind,

Matthias Kruse und sein Team beantwor- ten jährlich rund 10.000 Fragen zum Aus - landsgeschäft.

Herr Kruse, wie läuft das Auslandsgeschäft?

Matthias Kruse: Gut und schlecht zu- gleich. Unterm Strich steht sogar ein leichtes Plus beim Export. Das liegt vor allem daran, dass viele Unterneh- men ihr Europa-Geschäft erfolgreich

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Die zwei wichtigsten IHK-Tipps fürs Auslandsgeschäft

Durststrecken geben, die es zu überwinden gilt. Deshalb sollte die gesamte Unternehmensführung hinter dem Schritt stehen. Außerdem muss die Bereitschaft bestehen und es zeitlich und logistisch möglich sein, das Zielland regelmäßig zu besuchen. Schon aus regulatorischen Gründen kann beispielsweise die Teilnahme an Boardmee - tings vor Ort notwendig sein. Mehr Tipps in der IHK Global Business: ihk.de/rhein-neckar/global-business

1. Rechtzeitig planen! Der Gang ins Ausland braucht Vorlauf. Das Geschäftspotenzial muss abgeschätzt, die Marktvolumina berechnet, die Wettbewerbssitu - ation erkundet, die Preisgestaltung erarbeitet, die Logistik geplant werden. Auch müssen die eigenen Ressourcen realistisch eingeschätzt werden, denn der Aufbau des Auslandsgeschäfts braucht Kraft und bindet Kapazitäten. 2. Einen langen Atem haben! Der Erfolg stellt sich womöglich erst nach ein paar Jahren ein, es wird

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häufig immer härtere Konkurrenz chinesischer Wettbewerber. Mit Brasilien und Indonesien wurden gerade Freihandelsabkommen abgeschlossen. Inwie- weit werden deutsche Unternehmen davon profitieren? Kruse: Es ist sehr gut, dass die EU-Freihan- delsabkommen mit dem Mercosur und damit Brasilien und mit Indonesien abgeschlossen hat. Beide Freihandelsabkommen erleichtern unseren Unternehmen künftig Exporte in diese beiden zentralen Wachstumsmärkte erheblich. Wir werden unsere Unternehmen beim Wahr- nehmen dieser Chancen sehr unterstützen. In beiden Fällen sind die bisherigen Einfuhr- zölle sehr hoch. Es wird aber zu substanziellen Zollsenkungen kommen. Das wird die Wett- bewerbsposition unserer Exporteure auf beiden Märkten deutlich verbessern. Wie immer gibt es bei Freihandelsabkommen Übergangsfristen für die Zollerleichterungen. Im Fall des EU- Freihandelsabkommens mit Indonesien sind diese vergleichsweise kurz. Das können unsere Unternehmen für sich nutzen, indem sie den Markt rechtzeitig für sich erschließen, frühzeitig ein Gefühl für die Bedarfe der dortigen Kunden entwickeln, Vertriebspartner gewinnen und Kundenkontakte anbahnen, um dann loslegen zu können, wenn die Zölle sinken.

kann sich daraus sogar ein Wettbewerbsvorteil ergeben. Anders sieht es bei den US-Zusatzzöl- len von 50 Prozent auf Waren mit Stahl- und Aluminiumanteilen aus. Mittlerweile sind über 400 Produktgruppen betroffen. Ein so hoher Zusatzzoll macht Waren meist unverkäuflich. Welche Bedeutung wird der US-amerikanische Markt in Zukunft haben? Kruse: Eine große! Der US-Markt wird mittel- und langfristig weiter wachsen. Die Bevölkerung ist vergleichsweise jung, die Energiepreise sind nicht so stark gestiegen wie in Europa, und die Amerikaner konsumieren, im Zweifel auf Pump. Die USA bleiben also für deutsche Unternehmen weiter relevant. Wie sieht es mit Exporten Richtung Osten aus? Kruse: Da lohnt schon der Blick zu unserem Nachbarmarkt Polen. Polen wird auch in diesem Jahr stärker als jeder andere große europäische Markt wachsen. Wenn wir dann weiter Richtung Asien schauen, ist da vor allem Indien, dem inzwischen nicht nur bevölkerungsreichsten Staat der Welt. Indien ist auch der weltweit seit Jahren am stärksten unter allen großen Volks- wirtschaften wachsende Markt. Aber auch Indonesien wächst kontinuierlich Jahr für Jahr um die fünf Prozent. Allerdings stoßen viele unserer Unternehmen in Südostasien auf eine

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Corona-Tief hinter sich gelassen Entwicklung des baden-württembergischen Außenhandels seit 2013 in Milliarden Euro

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